Entschleunigung als Sinnquelle

Paradox an dieser Zugfahrt war, dass ich eine Broschüre mit dem Titel „Achill und die Schildkröte“ gelesen habe. In diesem dreht sich alles um die „Eleastische Schule“. „Parmenides“ war einer der wichtigsten Vertreter dieser Schule und lebte von 540 bis 480 vor Christus. »Ein fliegender Pfeil, in jedem beliebigen Einzelmoment seines Fluges betrachtet, befindet sich an einer bestimmten Stelle des Raumes, an der er an diesem Moment ruht. Wenn er aber in jedem einzelnen Zeitpunkt ruht, so ruht er auch im Ganzen: d.h., der fliegende Pfeil bewegt sich gar nicht: es gibt keine Bewegung«. Das sagte „Zenon von Elea“, ein Schüler von Parmenides.

Na klar, ich bewege mich nicht, denn Bewegung gibt es gar nicht. Und das während einer Fahrt mit 250 km/h, bei der die Landschaft nur noch als abstrakt vorbeiziehender Streifen zu erkennen ist. Hmm. Nun wird es aber Zeit, denke ich mir, sich mal Gedanken darüber zu machen, in welcher Situation ich mich gerade befinde. Genau genommen kann ich diese Logik nämlich gut nachvollziehen.

Gibt es eine Instanz, die mich in diesem Zug sieht und sagen kann, ich bewege mich nicht? Wäre das nicht eine vernünftige Frage? Der Geist kann wissen, es gibt keine Bewegung, der Körper kann es aber nicht wahrnehmen. Beängstigend die Vorstellung, das ganze Universum steht einfach nur still. Warum kann ich nicht meinen Körper bzw. meine Wahrnehmung im Einklang mit meinem Geist nutzen? Ist meine so genannte Realität vielleicht eine Illusion? Wenn ja, was machen wir dann eigentlich den ganzen Tag und wozu?

Fragen, die einem das Leben versauen können und ich bin erst auf Seite zwanzig. OK, die Broschüre hat nur vierzig, aber die reichen vielleicht für meine komplette Existenz. Besorgt habe ich es mir, weil ein schönes Zitat auf der ersten Seite steht, für meine Zugfahrt wie geschaffen.

»An einem schönen warmen Herbstmorgen kam ich auf der Eisenbahn vom anderen Ende Deutschlands mit einer Vehemenz dahergefahren, als käme es bei Lebensstrafe darauf an, dem Reisen, das doch mein alleiniger Zweck war, auf das allerschleunigste ein Ende zu bereiten.« Eichendorff (um 1845)

2 Meinungen

  1. Entschleunigung als Sinnquelle und laut M. Horx der Trend der Zukunft. Alles sehnt sich nach Langsamkeit. Deshalb werden auch wieder mehr Kleingärten von jungen Menschen gepachtet. Kein Witz!

  2. Neulich bin ich an einem Schwarzen Brett vorbei gegangen, da wurdefür 1800€ ein kleiner Garten am Fluss zum kaufen angeboten.Was glaubst du, was ich mir so dachte? Kein Witz!Internetanschluss wäre allerdings ganz schön. .)

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.