Eine Lanze für das Zentralabitur

Und so schreibe ich im vollen Bewusstsein des Ausbleibens von Juckreiz bei denen, denen ein gewisses Jucken durchaus das Gefühl von Lebendigkeit in ihre verbeamteten Extremitäten zurück bringen könnte. Spiegel Online berichtet recht ausführlich zu Pleiten, Pech und Pannen rund um die Zentralprüfungen an hessischen Schulen. Insbesondere die große Nähe einer Prüfung an hessischen Realschulen zu den vorab zugänglichen Übungsaufgaben sorgt wohl derzeit für Erstaunen. Ebenso scheint man sich in Fachkreisen zu wundern, wie es sein kann, dass man eine Englischklausur zu zwei Dritteln ohne ein einziges Wort Englisch zu benutzen, erfolgreich absolvieren kann.

Das mag alles verwundern. Ich will mich auf diese Fragen gar nicht einlassen. Ich habe in den Siebzigern die Grundschule besucht und in den späten Achtzigern Abitur gemacht. Meine Generation kommt so langsam an die Futtertröge und besetzt Positionen im mittleren und gehobenen Management. Keiner zweifelt an, dass wir alle unsere Reifeprüfungen sinnvoll und auf qualitativ akzeptablem Niveau abgelegt haben. Sogar Universitätsstudiengänge zu bestehen, hat uns das alte Bildungs- und Prüfungssystem ermöglicht. Wie das? Müsste man auf dem Boden heutiger Pseudoerkenntnis direkt fragen!

Die zentrale Frage, die sich mir in nahezu allen Fragen der "modernen" Bildungspolitik stellt, ist ganz einfacher Natur, schon fast trivial. Warum sind frühere Bildungs- und Prüfungssysteme plötzlich für all diejenigen Bildungswissenschaftler, die diese selbst durchlaufen haben, in jeder Hinsicht inakzeptabel? Wer außer denen, die Studien am Fließband anfertigen, profitiert von diesen angeblichen Innovationen? Ich weiß es nicht, Ich würde vermuten: Keiner.

Wer definitiv nicht vom typisch deutschen Akademisierungswahn profitiert, kann indes eindeutig gesagt werden: Unsere Kinder!

(Foto: www.pixelio.de / Fotograf: S. Hofschlaeger)

2 Meinungen

  1. Hallo Herr Petereit, bin ganz Ihrer Meinung. In Deutschland wird unser Bildungssystem seit einigen Jahren in einem politischen Wahn aus „Testitis“, „Evaluitis“ und „Standarditis“ zum Erlahmen gebracht. Und der Glaube, alle Kinder und Jugendlichen könnten und müssten an allen Orten einheitlich beschult werden, um danach irgendwelchen internationalen Standards zu genügen, schreit doch zum Himmel. Es reicht manchmal schon der Blick auf zwei benachbarte Schulen einer Großstadt, um festzustellen, dass zwischen den Schülerschaften soziale Welten liegen – auch an Gymnasien. Es wird Zeit, dass Schulen wieder mehr Zeit und Ressourcen für das Wesentliche erhalten: Modernen, an ausländischen Vorbildern orientierten Unterricht für Kinder, die fit für die Zukunft sind. Global gesehen liegt diese nämlich eher in Zentralasien als im Zentralabitur.

  2. Ich habe 2007 mein Abitur gemacht. Das erste Zentralabitur in NRW. War ne ziemlich lustige Zeit. Kann’s nur empfehlen! 😉 Frederik

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