Ein Einblick in die armenische Kultur

Watertown befindet sich ca. 7 Minuten von Harvard Square entfernt und 15 von Boston (Autominuten). Mit dem Bus bin ich bereits mehrmals an der armenischen St. James Kirche vorbeigefahren und schließlich auf die Ankündigung des armenischen Festivals aufmerksam geworden. Auf meinem Fußweg dahin passierte ich viele armenische Geschäfte, einen Schuster, einen Rechtsanwalt, einen Zahnarzt. Es scheint hier eine richtig funktionierende armenische Gemeinschaft zu geben.

Zehn nach zwölf betrete ich das Kulturzentrum. Es hat eine Bühne und wird wohl auch als Basketball-Übungsplatz genutzt. An der Decke sehe ich herausklappbare Körbe hängen. Die armenische Fahne -rot, blau, orange – steht in einer Ecke, Tische sind aufgestellt, ältere Frauen sitzen erwartungsvoll hinter als Tresen funktionierenden Tischen. Sie sind bereit, Melonenstückchen und Kekse fürs Dessert zu verkaufen. Es geht ordentlich zu: eine Schlange hat sich an einer Kasse gebildet. Man kauft dort ein Ticket für ein Essen und stellt sich dann an einer anderen Schlange an. Stolze Preise; für mein Lamm Kebab mit kleinem Salat und Reispilaf bezahle ich 13$ und habe damit vermutlich der Kirche eine kleine Spende geleistet.

Es wirkt alles noch etwas trostlos, ich bin zu früh da, meine elende deutsche Pünktlichkeit. Die Essenschlange rückt gar nicht voran, denn der Gottesdienst ist noch nicht beendet. Ich schaue mich um, merke, dass ich eigentlich nicht so sehr als Fremde auffalle, wie ich befüchtete. Einige der Armenier haben dunklere Haut, doch die meisten ebenso helle wie ich. Dennoch verrät mich mein Akzent und sicher auch meine offensichtliche Unsicherheit in dieser ungewohnten Umgebung. Ich nehme all meinen Mut zusammen und stelle mich zu einer Gruppe junger Frauen. Richtig vermutet, sie sind auch Studentinnen und wir beginnen ein Gespräch.

Wie und warum kommen die Armenierinnen in dieses Land? Ein paar haben Amerikaner in ihrem Heimatland kennengelernt und sind ihnen gefolgt. Nachdem sie durch Heirat eine Greencard erhalten haben, arbeiten sie zum Beispiel in Banken und erkundigen sich nebenbei nach Studienmöglichkeiten. Da sind sie ja in dem Gebiet um Boston herum bestens bedient. Andere wiederum wurden hier von armenischen Eltern geboren, wuchsen zweisprachig auf und verstehen Kirche und Kulturzentrum als Freizeitbeschäftigung. Der armenische Völkermord kommt nicht zur Sprache. Ich war mir nicht sicher, ob das Festival eventuell im Gedenken an die Ermordeten stattfindet. Es wird zumindest nicht ausgesprochen, doch die armenische Gemeinschaft in den Vereinigten Staatten hat ihren Ursprung in der Emigration von Armeniern nach Amerika zwischen 1915 und 1917. Es müsste sich dabei also um die Großeltern meiner Gesprächspartner handeln.

Mittlerweile startete die Essensausgabe. Die Musik spielt auf. Außerhalb des Kulturzentrums befindet sich ein Zelt, mit Picknicktischen und viel Platz zum Tanzen. Die Musik klingt der griechischen ähnlich, eine Gruppe von Leuten fasst sich an den Händen und tanzt gemeinsam.

Die Studentinnen, mit so armenischen Namen wie Lilith und Liana, versprechen, mir bald etwas armenisch beizubringen. Die Schrift sieht sehr interessant aus, aber auch kompliziert. Ich kann meine erste Lektion auf dem Heimweg erhalten, wenn ich die Aufschriften auf den Geschäften betrachte.

Keine Meinungen

  1. Wenn neben dem Aufkleber „Evangelisch aus gutem Grund!“ ein „Ich bin Chorsänger“ klebt, dann nennt man das Evangelisiert. Falls erster genannter Aufkleber fehlt, kann es sich nur einen PopeGruppie handeln. Oder so.?.Sollte eigentlich nur das Intro für: wer… dem Papst kritisch gegenüberstehen…Wir, die und ich.

  2. „Ich habe mir die Frage, was das denn ist, evangelisch zu sein, aus einem ganz anderen Grund gestellt. Es geht darum zu wissen, wer man eigentlich ist. Es geht ums Profil und um den Grund auf dem man steht. Was trägt einen und was gibt Orientierung.“.Ich bin weder Christ, noch evangelisch, katholisch, orthodox oder von den anderen Glaubensrichtungen, aber ich funktioniere und verliere niemals die Orientierung..Warum also ist es wichtig, ob man evangelisch oder sonst etwas ist?.Die richtige Frage müsste in diesem Blog dann auch einmal lauten: .Bin ich von meinem Glauben abhängig?.Wenn ja, warum lasse ich mich von einem Glauben abhängig machen?.Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren………

  3. Lieber Herr Conrads, wenn man Ihre Beiträge über verschiedenartige Themen durchliest, fällt tatsächlich immer wieder auf, dass sich ein gewisser roter Faden durchzieht: Sie wiederholen des öfteren eine Art Grundanliegen ihrerseits, man müsse erst einmal wissen, wer man ist, wo man herkommt, wie man sich definiert, wo man steht, welchen Untergrund man hat und so weiter und so fort. Schon wichtig, ja! Viele Menschen wissen dies bereits von sich, sogar manchmal zu fest und zu stur. Aber so deutlich wie diesmal haben Sie noch nie zugegeben, dass Ihnen selbst ein Profil, ein fester Grund und eine umgrenzte Definition in ihrem evangelischen Dasein fehlt. Sie schreiben manchmal enttäuscht über Ihre Vorgesetzten, von denen Sie sich mehr Charakterprofil, mehr Biss, deutlichere Definition, mutigere Slogans, klarere Umsetzung und insgesamt ein wirksameres Auftreten und In-Erscheinung-Treten wünschen, z.B. auch in den Medien.Gerade indem Sie sich ähnlich äußern wie der Fuchs, der die Trauben nicht erwischt hat und sich gerne über die Galionsfigur Papst mokieren, welche eindeutig DAS Katholische in persona darstellt, zeigen Sie sehr durchsichtig, dass Sie dieser mächtigen Figur heimlichen /neidischen Respekt zollen und nur verdrängen, dass Sie sich eigentlich auch so einen „lebenden“ und strahlenden Glaubensführer in ihrer evangelischen Konfession wünschen würden, [wie es damals Luther war], welcher eine ähnlich durchschlagende Wirkung auf Sie selbst und in der Bevölkerung zu erzielen vermöge, wie „Seine Heiligkeit“ das tut. Verständlicher Wunsch! Hätte Luther ebenso einen jeweils nachfolgenden Glaubensführer gehabt, dann könnten die Evangelischen jetzt auch mit einem Martin VII. oder Dietrich dem XVI. o.ä. aufwarten, der alle unter einen Hut bringen könnte, wie das ja mittels eines monotheistischen Gottesbildes gleichermaßen die ursächliche Intention war! Dem entgegen steht aber nun das nichthierarchische Denken der Evangelischen.Einem Katholiken wird klar und unausweichlich gesagt, was katholisch zu sein hat. Punktum. Der hat keine Definitionsprobleme in diesem Sinne! Wem aber nicht fest genug umrissen wird, oder wer anscheinend keine eindeutige Orientierung und überzeugende Bestimmung von oben her geboten bekommt, was genau denn nun um Himmels willen heutzutage evangelisch sei, kann auch keine Orientierung an seine Gemeinde weitergeben und kommt selbst ins Schwimmen… Man kriegt direkt Mitleid: denn das ist schon bitter, wenn es umgekehrt läuft, und Sie sich von anderen Kommentatoren Antworten und klare Definitionen erhoffen müssen. Erst dann, wenn Sie selbst als Pastor UNS definitiv mitteilen könnten, was eigentlich evangelisch ist, und was Sie selbst dazu zu konkret (!) zu sagen hätten, kämen Sie überzeugender rüber. Bis dahin müssen Sie wohl oder übel beinahe panische Aufrufe loslassen wie: „Jetzt, wo u n s der Papst bald besuchen wird, sollten wir darüber Auskunft geben können.“ (gute Idee, bisher weiß ich von Ihnen nur: „evangelisch zu sein bedeutet nicht, nicht katholisch zu sein.“ Danke.) oder „Lasst uns – noch rechtzeitig vor dem Papstbesuch – darüber diskutieren!“ Rechtzeitig? Vor was? Bevor ein „alte Mann in weißen Kleidern“ in Deutschland eintrifft? Was soll das helfen? Ist die katholische Macht des Papstes denn nicht immer vorhanden, egal wo er selbst sich örtlich befindet? Na, dann aber hurtig! Papa ist schon übermorgen ante portas, und bisher ist Ihnen noch kein evangelischer Kommentator zur Seite gesprungen. Vielleicht weiß von denen auch noch keiner eine Antwort oder die blättern noch eifrig in der Bibel herum und murmeln: evangelisch, evangelisch, katholisch, katholisch, pff, wieso steht da kein passender Psalm drin? Aber der Papst sorgt ja sowieso nur bei mir in München und auch in Regensburg für ein wenig Unbill durch Verkehrschaos. Das alles ist weit weg von Ihnen da oben, also nicht so aufgescheucht bitte. Wir Bayern haben schon den starken Nerv, um so eine kleine Stippvisite in aller Bierruhe wegzustecken.

  4. Mein Eindruck war bisher, daß Benedikt eigentlich verhältnismäßig evangelisch ist. Er legt nämlich nicht soviel Wert auf typisch katholische Elemente wie Marienverehrung wie sein Vorgänger, sondern tut sich mehr in der Seelsorge und in der Verkündigung des Wortes Gottes hervor. Ich kann mir vorstellen, daß er Martin Luther sehr genau kennt und auch viele nützliche Gedanken von ihm übernommen hat. Die Evangelische Kirche sollte da von Benedikt lernen, statt sich von ihm abzugrenzen, dann würde sie auch wieder eigenes Profil gewinnen. Denn der Papst ist hier letztlich doch beinahe gefangen in dem dogmatischen System, daß die katholische Kirche gerade in den letzten Jahrhunderten gebaut hat, um sich von der Moderne abzuschotten.Damit kommen wir auch zu dem, was eigentlich evangelisch ist: Es geht dabei nicht darum, Führungspersönlichkeiten wie Martin Luther zu entdecken, sondern dahin zu schauen, wohin Luther auf vielen Bilder so eindringlich zeigt. Er zeigt auf das Kreuz und auf die Bibel. Es ist evangelisch, das Wort Gottes, die Bibel, als Evangelium zu hören und zu verstehen. Alles, was Luther geschrieben hat, steht auf dieser Grundlage. Er hat es wie viele andere nur geschrieben, damit wir auch lernen, selbständig mit der Schrift umzugehen und damit zu leben und zu sterben. Auch Bonhoeffer, Karl Barth und andere haben sich in diesem Sinn als Diener des Wortes verstanden. Das ist evangelisch.Die große Not der evangelischen Kirche liegt eigentlich darin, daß sich eine bestimmte Form der Theologie wie ein zweites Papstum zwischen die Menschen und die Schrift geschoben hat. Diese Theologie will die Bibel erklären, handelt aber unter der unsachgemäßen Maxime, man müsse so forschen „als wenn es Gott nicht gäbe“. So werden viele Pastoren im Studium in einen inneren Widerspruch geführt, der sich auch auf ihre Predigt und auf das Denken der Gemeinde auswirkt.

  5. @sigmar Gerade als ich ein Ratzinger-Buch kaufen wollte, purzelten mir PDF-Dateien von dreien seiner Bücher in den PC..Als zu meinem evangelischen *gg* Vergnügen er dann Benedikt wurde, habe ich mich auf eine Rotwein-Wette eingelassen und die Wette gewonnen. Wie von mir vermutet ging einer seiner ersten offiziellen Papstschritte sehr ökumenisch..*gg*Die Rotweinflasche habe ich kassiert, habe sie aber mit dem schmunzelnden Verlierer zusammen geleert. Benedikt und auch sein Vorgänger sind nicht ablehnend.Die evangelische Kirche – ähemm – pardon – müsste endlich die internen Fronten klären.

  6. @konfirmandDas mit den internen Fronten ist ein interessanter Hinweis: Tatsächlich erscheint es mir manchmal beinahe so, als wäre mir die Katholiken näher als z.B. die Reformierten. Das war auch schon im dreißigjährigen Krieg so: Die Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern und Reformierten (d.h. Calvinisten) waren fast schlimmer als die zwischen Katholiken und Lutheranern. Auch Paul Gerhardt mußte als Propst in Berlin seinen Hut nehmen, weil er sich nicht vom Kurfürsten die Zusage abringen lassen wollte, auf der Kanzel nichts gegen die Reformierten zu sagen. schon allein deswegen ist die evangelische Kirche eigentlich nicht so führbar wie die Katholische. Eigentlich gibt es dort nämlich keinen, der eine maßgebliche Leitungsfunktion innehätte. Man kann dort höchstens ein wenig moderieren.

  7. @sigmarMeine Auffassungen scheinen Ihren ganz ähnlich zu sein.. Hier in meiner Gemeinde wird, wie schon angedeutet, traditionell Ökumene gelebt. Das entstand hier zu einer Zeit, als die Katholiken im Rheinland ihre Kirchen hinter Mauern bauen mussten. .Dem evangelischen Pfarrer war das zu dumm und so zum Beispiel riss er die Mauer zwischen den Friedhöfen einfach ab. Und siehe da: So ist es geblieben. Das wäre schön, wenn man das mit den Mauern in den Köpfen auch so machen könnte..Heute feiern wir mehrfach im Jahr ökumenisch. Die Chöre singen zusammen und der evangelische Posaunenchor musiziert an Feiertagen im Kirchturm der katholischen Kirche. Der katholische Pastor ist ein Pfundskerl, der evangelische ebenfalls. .Ich hatte das große Glück, die Frohe Botschaft von lebendigen mit großem Spektrum denkenden Pfarrern vermittelt zu bekommen und wünsche das jedem jungen Geschöpf, so etwas zu erleben. .Mit Begeisterung singe ich einmal im Jahr in der katholischen Akademie „Wolfsburg“ in Mülheim. .Schade, daß die Konfirmanden jetzt „Konfis“ genannt werden und die spirituelle Seite der Konfirmation nicht erklärt bekommen. Ich habe mich auf einer EKD-Seite mal darüber beklagt und ca. tausend zustimmende Mails erhalten.. Die Auseinandersetzungen um das Abendmahl finde ichüberflüssig, besonders die Vorbehalte, die von evangelischer (!!!) Seite neuerdings in Feld geführt wurden. . Benedikt imponiert mir immer mehr. Die eifrigen Möchtegern-Protestanten-Solisten mögen seine Bücher mal lesen. Der Mann könnte wirklich was bewegen, wenn man ihn nicht blockiert. .Aus Begeisterung habe ich Biographien und Briefe Luthers und der Reformatoren gelesen. Als junger Mann sowieso und später als Erwachsener noch einmal. Da ist soviel Power drin, daß ich mich wundere, warum die evangelische Kirche etwas blass daherkommt. Luther wollte kritische Christen, keine Querulanten. .In einigen Foren habe ich mit Theologen und Theologie-Studenten korrespondiert. Da ist Licht und Schatten, Sie wissen es wahrscheinlich selbst..Dennoch: Alles Göttliche ist einfach. Punkt..Die katholischen Dogmen sind nicht komplett von einem evangelischen Gemüt zu tragen bzw. zu verstehen.*gg*.Aber sowohl als Jugendlicher als auch als Erwachsener habe ich mit Maria und der jungfräulichen Geburt Jesu im Herzen kein Problem. Jungfräuliche Geburt, das ist ein Stilmittel aus alter Zeit. Man hat es angewendet, um die Wichtigkeit einer Person hervorzuheben. In alter Zeit hat man auch Caesar als „jungfräulich geboren“ bezeichnet. In neuerer Zeit hat man in den weiten Steppen Russlands der Landbevölkerung erzählt, Lenin sei „jungfräulich geboren“. .Das Herz lässt sich doch leichter öffnen als der Kopf. .Immer vorausgesetzt, man hat beides …*gg*

  8. Papst Benedikt´s Rede an der Uni Freiburg bestätigt mir, was ich ahnte: Benedikt wird zum Schrittmacher der Ökumene.

  9. @ Konfirmand: Sie müssen ein komplett anderes Informationssystem in Ihrem Leben haben als ich. Der Papst war in Freiburg? Wußte ich gar nicht. Und er hat eine Vorlesung gehalten, bei der es sich auch nur annähernd über um ökumenische Annäherung handelte? Also mein Informationssystem sagte mir das Foldende: Der Papst war an der Uni Regensburg und hat eine Vorlesung gehalten, bei der es sich ausschließlich um das Verhältnis der Wissenschaft zur Religion handelte. Er versuchte, die Wissenschaften dahingehend zu beeinflussen, die religiösen Aspekte des menschlichen Seins in ihre rein „mathematischen“ Ergebnisse einbauen zu sollen, indem er tatsächlich behauptete, der Ausschluß der „großen Erfahrungen und Einsichten der religiösen Traditionen der Menschheit, besonders aber des christlichen Glaubens“ sei eine UNZULÄSSIGE Verengung des Vernunftbegriffes. Gleichzeitig wollte er verklickern, dass Religion ja Vernunft sei: „Gott handelt mit Logos. Logos ist Vernunft und Wort zugleich – eine Vernunft, die schöpferisch ist und sich mitteilen kann, aber eben als Vernunft. Im Anfang war der Logos, und der Logos ist Gott. “ Es ging ihm in diesem Vortrag ausschließlich um die Ausweitung eines Vernunftbegriffes und Vernunftgebrauches, und um die Verquickung von Religion und Wissenschaft, die jedoch mehr der Religion dienen soll, denn Wissenschaft darf nicht ohne Religion stattfinden, bzw. die Welt darf nicht erklärt werden ohne den Schöpfergott, meint er. Er versucht, das Rad zurückzudrehen, obwohl er das zu dementieren versucht hat, und die Religion wieder in die Wissenschaft hinein zu zwängen, die sich mit Recht von ihr gelöst hatte, um beweisbare Erkenntnisse gewinnen zu können. Wenn er mit seiner Kernaussage durchkäme, wäre dies das Ende jeder unabhängigen wissenschaftlichen Arbeit..aber von Ökumene war da kein Wort, außer, dass er das Hellenistische z.T. akzeptierte, da es mit dem Christentum zusammen angeblich Europa erst geschaffen hatte, und dass er einen gewalttätigen Islam verteufelte. Dass das Christentum die gewalttätigste Religion überhaupt gewesen ist, ließ er -lieber Andere anklagend- geflissentlich unter den Tisch fallen. Das war geradezu peinlich, was man auch den Gesichtern der wissenden Zuhörer ansah.Ansonsten meinten Sie vielleicht nicht Freiburg, Herr Konfirmand, sondern Freising. Das ist in der Nähe von München und da kommt er erst morgen hin auf seiner Rundreise, aber einen entsprechenden forstwirtschaftlichen oder gar mikrobiologischen Vortrag wird er an der dortigen Uni kaum halten wollen.

  10. Hallo Herr Conrad,um auf Ihren Beitrag zurückzukommen: Ich halte den Protestantismus für eine Fehlentwicklung. Ich sage als jemand, der sich ausdrücklich nicht für einen theologischen Experten hält, der selber evangelisch ist, aber doch desöfteren über die Rolle des Protestantismus in Politik und Gesellschaft nachgedacht hat. Als Luther sich gegen die Kirche gewandt hat, seine Thesen vertrat, wollte er die Spaltung der Kirche gewiss nicht. Dennoch hat er einen Flächenbrand entzündet, in dessen Verlauf abertausende Menschen sterben mussten. War es das wert? Kann man eine solche Frage überhaupt stellen? Ich meine schon. Allerdings ist Luther lange her. Heutzutage haben wir eine wirtschaftliche Spaltung in Nord- und Südstaaten in Deutschland. Die einen verfügen über ein definitiv höheres BIP als die anderen. Die einen sind mehrheitlich sozialdemokratisch geprägt, die anderen mehrheitlich christsozial. Sicherlich lässt sich der Rückgang der Mitglieder der evangelischen Kirche in Ostdeutschland auf 50 Jahre Sozialismus zurückführen. Aber wäre dieser drastische Rückgang auch zu beobachten gewesen, wenn die „neuen“ Bundesländer katholisch gewesen wären? Nein, weil Katholiken in der Masse offenbar fester im Glauben stehen als Protestanten. Ich meine, das Katholische, wie Sie sagen, kommt der Natur des Menschen näher als der kühle, nüchternde Protestantismus, mit seinen kahlen Kirchen. Der Mensch ist eben nicht nur Verstand, auch in seinen Gefühlen muss er angesprochen werden, und das leistet der Protestantismus nicht. Aber die katholische Kirche. Mit ihrer Liturgie, ihren Reliquien zum Anfassen und zum Teil prächtig ausgestatteten Kirchen. Für viele ist das Kitsch. Vor allem solche Superintellektuelle, die dies für überflüssig auf dem Weg zum Glauben halten. Aber erfreulicherweise gibt es unter den Katholiken genug einfache Menschen, denen das entgegenkommt und die im Übrigen auch viel wichtiger sind für eine funktionierende Gesellschaft – und Glaubensgemeinschaft.Je länger ich darüber nachdenke, desto eher halte ich die Spaltung der Kirche für fatal. Zumindestens kommt sie etwa 500 Jahre zu früh. Der Mensch ist einfach noch nicht so weit, wie ihn die Aufklärer unter den Christen gerne haben würden.Die katholische Kirche vermag offenbar gerade in diesen Zeiten der Globalisierung den Hilfesuchenden mehr Trost zu spenden, gleichermaßen wird die Auflösung von Sozialstrukturen weniger sichtbar. Und deshalb sollte die katholische Kirche vorerst so bleiben, wie sie ist, und die Ökumene nicht länger suchen.

  11. Der Schutzheilige der katholischen Kirche ist eben eigentlich Aristoteles. Die Vernunft ist zwar wichtig, aber nicht die letzte Instanz. Leider wird sie so aber auch heute noch in vielen Wissenschaften gesehen. Man kann damit offensichtlich ganz gut arbeiten. Aber es gibt Fälle, wo die reine Vernunft überhaupt nicht weiterhilft.Übrigens war die Erklärung der Welt, „als wenn es Gott nicht gäbe“, auch nur eine Notlösung, die sich dann verselbständigt hat.

  12. @sowiesoJa, klar: Regensburg!*gg* Was denn sonst?Es gibt ca. 14.000 Universitäten in der Welt, keine hat einen Lehrstuhl für Vernunft.. Also: Was vernünftig ist müssen wir jeden Tag selber herausfinden. .Wenn Sie von Ökumene (Ratzinger/Benedikt nichts mitgekriegt haben, kann das daran liegen das Sie Ratzinger nicht verstehen können/wollen und Benedikt einfach ignorieren. .RP-Online hat den Predigt-Text veröffentlicht. Ich hoffe, daß der Text der Uni-Rede folgt. .

  13. @Konfirmand: Ganz im Gegenteil, ich „studierte“ Ratzinger während seines Aufenthaltes hier bei mir besonders intensiv. Seine Reden standen keine 10 Minuten später (beinahe) wortgetreu auf der Seite des Bayerischen Rundfunks im Internet. Daher konnte ich ihn ja zitieren. Es ist eine ganz andere Erfahrung, den Papst ruhig und manchmal milde reden zu hören oder aber seine Texte nüchtern durchzulesen. Es erschließt sich die Brisanz. Keineswegs habe ich nichts von Ökumene mitgekriegt, nur in der Vorlesung kam rein gar nichts davon vor. Punkt. Aber das, was mitzukriegen war, war äußerst dürftig, enttäuschend. Die Vertreter der anderen Konfessionen wurden zwar herzlich von ihm begrüßt, aber ansonsten wirkten sie nur wie Wasserträger und Stichwortgeber.

  14. Wasserträger und Stichwortgeber, das sind sie ja auch. Weil sie sich in seinem Glanz sonnen wollen.Wobei ich gerade seine Fähigkeit zu leisen Tönen als sehr positiv empfinde. Das ist die Souveränität eines Menschen, der weiß, woran er glaubt und wovon er redet.

  15. @ sowieso + sigmarDie evangelische Kirche hält sich mit Debatten über die Interna der verschiedenen evangelischen „Varianten“ auf.Das geht schon viel zu lange so..Aber ich bin (60 J.) jung, ich kann noch warten. .Als wir uns seinerzeit als junge Leute bundesweit ein neues Gesangbuch „bestellt“ haben, hat es ja auch glatte 40 Jahre gedauert, bis das neue herauskam..

  16. @sowiesoDanke für den Hinweis auf den Rundfunk des Königsreiches Bayern!.Auf das Naheliegendste kommt man ja oft zuletzt!*ggg*.Da habe ich auch die Uni-Rede gefunden, die mir so gut gefallen hat.

  17. @Konfirmand, gern geschehen!Aber bitte doch lieber Freistaat Bayern, denn in einem Königreich würde man einen gestandenen bayerischen König benötigen. Und ää den Stoiber ää…ää.., den kann ich mir gar nicht mit einer Krone vorstellen, der hält auch den Kopf immer so schief und hat so etwas Ruckartiges, da fällt ihm die Krone ja runter.

  18. @SowiesoTja, aufgrund der mir vor 37 Jahren verliehenen bayrischen Ehrenbürgerwürde (Bierdeckel-Zeremonie, Oktoberfest …) kommt mir das Wort Freistaat nicht so recht über Lippen/Tastatur. .Da wurde doch der „Kuni“ recht sehr betont, so daß ich anderweitige Politiker nur als Interims-Lösung sehen kann..Der Stoiber hat es ja momentan nicht leicht mit dem Islamrat für Deutschland. .Der Islamrat schreibt Stoiber und auch allen andren im Lande gern vor, wie er und die anderen mit Problemen umzugehen haben, die er und andere nicht hätten, wenn es keine Muslime im Freistaat … neee … Königreich … äääh … in der Republik … ähemm … nicht gäbe. .Dabei hat Stoiber laut RP vom 9. d. M. nur auf kleine Unterschiede zum Christentum verwiesen, was aber dem Herrn Ali Kizikaya nicht gefällt, weil die Unterschiede gar so deutlich sind. .Aber … mit „evangelisch“ hat das nix zu tun.

  19. Evangelisch ist, wenn man trotzdem glaubt!

  20. @ von ZillmannGenau!@sowiesoKlarstellung zum Freistaat-Thema:Ich wurde auf der Wies´n nicht zum Ehrenbürger, sondern weit ehrenvoller zum „Ehren-Bayern“ ernannt.

  21. @KonfirmandGratulation.Aber ich habe mich erst nach langem schmerzlichen „Ringen“, um ein gerne genommenes Wort in Glaubensdialogen zu benutzen, entschlossen, Sie zu warnen, damit Sie Ihre Ehren-Bayernschaft bei Ihrem nächsten Wies’n-Besuch nicht gleich wieder verlieren: Sagen Sie lieber nicht „der Kuni“ für das Wort König, sondern „der Kini“. Nur zu Ihrem eigenen Schutz. Sehen Sie, ich kann ja doch ganz nett sein.

  22. @sowiesoHab ich doch immer gewußt: Der Sowieso der ist nicht so … *gg*.O je, klar: Der „Kini“. „Kuni“ klingt ja wie Comic. tzzzDer Sturm der Entrüstung wäre ja ähnlich stark wie nach dem Benedikt-Zitat. Meine Bierdeckel-Urkunde wäre in viele Teile zerrissen worden….

  23. @ Kofirmand“ Der Sowieso der ist nicht so..“ Sie sind ja ein Dichter! Und Recht haben Sie obendrein, der Sowieso der ist nicht so, also der ist gar kein männlicher DER sondern eine höchst weibliche DIE.

  24. @sowiesoJetzt reiche ich schnell mal ein „n“ nach, damit Sie mich nicht zum Kofirmanden machen müssen..Obendrein sind Sie eine Sie, aha so so so …Nichts ist wie es war, von einem Moment auf den anderen.Na, gut. Ich will mich bemühen im Rahmen des hier Möglichen nett und aufmerksam zu sein. .Eine Einschränkung:.Ich schraube meinen Charme aber höchstens um 1,5 % herauf, weil sonst meine Nebenbuhler immer so aufjaulen!

  25. @KonfirmandOh, danke für das „n“, auf das habe ich ja schon so lange gewartet. Ich wußte immer, dass mir etwas Entscheidendes in meinem Leben fehlt. Aber in Französisch spricht man Ihren Namen K o firmand aus. Tja, das werde ich jetzt in Zukunft leider nicht mehr schreiben können.

  26. @SowiesoTja, das Leben ist voller Defizite.Das Äußerste, was ich jetzt für Sie tun kann, ist Folgendes:.In Anbetracht Ihrer Verdienste um mitternächtliche Unterhaltung verleihe ich Ihnen die Nachteulen-Lizenz..Die Lizenz ist kostenlos, ehrenvoll und konfessionsunabhängig. Immerhin. .

  27. @KonfirmandAbgelehnt!Akzeptiert wird höchstens eine Nachtigall-Lizenz. Ich kann nämlich auch wunderschön singen. So, und jetzt tirili. Auch Nachtigallen werden müde.

  28. So, jetzt ist mal Schluss! Kommentare, die inhaltlich nichts mit dem obigen Artikel zu tun haben, werden gelöscht. Der letzte Kommentar von Konfirmand ist dem auch schon zum Opfer gefallen. Persönliche Kabbeleien werden bitte wo anders ausgetragen!

  29. @glaubensblogInteressant, daß mein letztes Posting mit „Pfarrerin“ und „Evangelisch in Düsseldorf“ gelöscht wurde.

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