Deutsche Lieblingsbücher – Bücher werden immer wieder gerne nach Beliebtheitsskalen sortiert:.

Jedenfalls dann nicht, wenn man sich versucht durch die jeweiligen belletristischen Neuerscheinungenen auch nur annähern hindurchzuarbeiten oder ihre Qualität einzuschätzen. Was täten wir ohne die Vorselektierung durch die Feuilletons, Literaturbeilagen und Buchpreise, die sich zum Glück in der Regel auf ein und dasselbe Spektrum an Bücher konzentrieren? Einige erinnern sich vielleicht noch an den Hype um die Suche nach dem Lieblingsbuch der Deutschen  inszeniert zum Abschluss als große Fernsehgala und Frank Schätzing plaziert, zwar ganz hinten aber immerhin. mich hat damals beeindruckt, wie gut er die Medien zur Eigenwerbung nutzen konnte, nicht zuletzt indem er seine Freundin in peinlicher Weise abschmatzte und als Muse hervorhob. Aber lest bitte selbst was Wieland Freund schreibt:

„Zwei Jahre ist es her, da rührte ausgerechnet das Fernsehen die Werbetrommel für das gute Buch. Am Ende sahen 3,9 Millionen Menschen die "funkelnde Bücher-Gala" "Unsere Besten – Das große Lesen" im ZDF. Zuvor hatten 250.000 Deutsche waschkörbeweise über ihre Lieblingsbücher abgestimmt. In der "Finalshow" kam es dann, wie es wohl kommen musste: Vor Goethes "Faust" platzierten sich "beste Bücher" wie Noah Gordons Schmonzette "Der Medicus" oder Ken Folletts Schocker "Die Säulen der Erde". Anders als der Volksmund meint, lässt sich über Geschmack sehr wohl streiten – nur abstimmen kann man über ihn schlecht. Wir vom Feuilleton jedenfalls waren not amused. Doch dem lieben Gott der Leser sei Dank: Die Literaturwissenschaft hat mehr Sportsgeist bewiesen. Im Sommersemester 2005 nämlich widmete die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel den Top 15 des ZDF-Rankings eine Ringvorlesung, deren Vorträge nun auch als Buch erschienen sind. Dabei sind Einführungen in den "Faust" (damals Platz 15 des ZDF-Rankings) und die Bibel (Platz 2) dieses eine Mal vielleicht von geringerem Interesse – Heinrich Detering, der über die Heilige Schrift sprach, empfahl sich selbst zurecht den "stilus humilis". Umso spannender hingegen wird's, wenn Fachleute nicht länger "Was?" fragen, sondern "Warum?". Denn einerseits ist schade, dass so viele Deutsche so schlechte Bücher lesen, andererseits jedoch hat das offensichtlich Gründe.

Zwei davon: Sex und Gewalt – doch darüber breiten wir, vornehm, wie wir sind, den Mantel des Schweigens. Lieber wenden wir uns schwerer zu durchdringenden Gemengelagen zu: der quasi wagnerianischen Mythenstiftung durch J.R.R. Tolkiens "Herrn der Ringe" (Platz 1) oder Diana Gabaldons Bestseller "Feuer und Stein" (Platz 12), dem sich Herausgeber Christoph Jürgensen von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen mit bewunderungswürdiger Nüchternheit nähert. Jürgensen begibt sich gewissermaßen auf die Suche nach dem Algorithmus dieses Romans – ein, zugegebenermaßen, mühsames Unterfangen. Denn weder als Geschichte einer Zeitreise noch als historischer Roman will der Text funktionieren – diesmal erweist sich nicht das Werkzeug, sondern das Werk als viel zu stumpf.

Übrig bleibt bloß ein Liebesroman, wie er der neuen Anti-Emanzipationsbeauftragten Eva Herman ganz bestimmt gefiele: Frau reist in ein fernes Jahrhundert zurück, weil da die Kerle noch Kerle sind. Sieh einer an: Sportsgeist haben wir vom Feuilleton damals nicht bewiesen, aber Recht hatten wir, als wir die Nase rümpften, doch".

Christoph Jürgensen (Hg): "Die Lieblingsbücher der Deutschen". Kiel 2006. 384 S., 26,90 Euro. Artikel erschienen am 10.10.06 http://www.welt.de/

Eine Meinung

  1. rolldownthewindow

    Ich bin verwirrt. Geht es jetzt hier darum, ganze Artikel aus Zeitungen abzutippen? Hab ja nix gegen ein kleines Zitat hier und da, aber hier nimmt das Zitat ja zwei Drittel des ganzen Textes ein. *grummel*

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