Der gute alte Tag der Liebe

…und dabei würde ich es doch immer so gerne! Zumindest dann, wenn ich Single bin und mir vollends sicher sein kann, NICHTS an diesem Tag zu finden, weder das mit einem Herzchen bemalte Frühstücksei, noch ein mit „Ich liebe dich“ beschriebener Post-it Zettel am Badezimmerspiegel.. Das ist schon deprimierend genug. Dass mich dann auch noch die ganze Welt daran erinnern muss, wie einsam ich bin, geht mir gehörig auf die Nerven.

Eines morgens stehe ich wirklich gut gelaunt auf, mache mich fröhlich auf den Weg zur Arbeit, bis – bis ich zum ersten Mal die Worte höre: „Weißt du was ich von meinen Schatz heute bekommen habe? Er ist ja wirklich so süß. Dass er an den Valentinstag gedacht hat (..)“. (Hallo?! Wie sollte er das auch bei dem ganzen „daraufaufmerksammachen“ der Läden vergessen.. Egal.) Ist ja sooo süß von ihm. Und meine gute Laune ist dahin. Wie ich mich darauf freue, mir dies den ganzen lieben langen Tag noch anzuhören. Erstmal den MP3 Player anmachen und die Lautstärke so laut drehen, dass ich wirklich kein Wort von der Außenwelt mehr wahrnehmen kann.

Ich bin froh, den Tag ohne wirklichen seelischen Schaden überstanden zu haben, als ich mich auf den Weg nach Hause mache, um dort dann gemütlich bei einer Tasse Tee in meinem neuen Lieblingsbuch zu lesen und ganz darin zu versinken. Wie jeden Tag, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, schaue ich ich in meinem Briefkasten, der meist immer nur Werbung oder Rechnungen enthält (manchmal auch eine Ansichtskarte von meiner Oma – danke dafür liebe Oma ) – und ich erstarre mitten in meiner Bewegung! Kann das sein? Habe ich richtig geschaut? Ich glaube, meine Fantasie spielt mir schon Streiche.. Aber als ich noch mal hinsehe, da erkenne ich, dass ich mich nicht getäuscht habe – eine Schachtel Pralinen! In meinem Briefkasten befindet sich – am 14. Februar – eine Schachtel Pralinen. Kurz kommt mir der Gedanke, dass sich der werte Herr im Briefkasten geirrt haben könnte, aber als ich die Schachtel in den Händen halte, sehe ich dort meinen Namen. Klar und deutlich. Ich kann mir das Grinsen nicht länger verkneifen. Ein Valentinsgeschenk – für mich! Ich fange ein bißchen an zu tanzen im Hauseingang und bin froh, dass grad niemand mich sehen kann, als ich mir über mein kindisches Verhalten bewusst werde.
Hastig renne ich die drei Stockwerke nach oben zu meiner Wohnung (wieso gibt es hier eigentlich keinen Fahrstuhl!!!) und wähle, noch völlig außer Atem, die Telefonnummer meiner Freundin. Ich verzettel mich zwischen atmen und sprechen, indem ich ihr zu sagen versuche, was mir grad wunderbares widerfahren ist!
Unfassbar – ein Valentinsgeschenk.
Ich komme also langsam wieder zu Atem und auch meine erste Euphorie beginnt sich zu legen. Auch wenn die Schachtel Pralinen von einem Verehrer aus dem letzten Sommer ist (! – er hat mich noch nicht vergessen… ;)) und ich mir rein gar nichts aus dieser Person mache, bleibt das Grinsen den ganzen Abend über bestehen.

Ich fange an, ein wenig zu verstehen wieso sich immer alle so auf diesen Tag freuen, aber gleichzeitig auch wieder nicht. Denn wenn ich ein Geschenk erwartet hätte, dann wäre meine Freude nicht mal halb so groß gewesen. Und da wird mir klar, dass ich nicht diesen 14. Februar brauche, um anderen Menschen eine Freude zu machen oder selbst eine zu erhalten – nein, denn die kleinen unerwarteten Dinge werden immer die Schönsten sein. Dann, wenn man gar nicht damit rechnet, haben Überraschungen ihre größte und strahlendste Wirkung.

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