Das I-Ging befragen: so funktioniert es

Wenn wir das I Ging befragen, greifen wir auf die Weisheit eines Orakel-Textes zu, der seit rund 4000 Jahren weiter entwickelt wurde und der in seiner Aktualität heute noch genauso gültig ist, wie er es zu seinen Anfängen gewesen ist.

Die Praxis des I Ging und das System der Trigramme gehen vermutlich auf den chinesischen Kaiser Fu-hsi  zurück, dieser regierte um ca. 2.800 v.Chr. Seit der Entstehung des I Gings sind zahllose Kommentare dazu erstellt worden, auch der berühmte Philosoph und Politiker Konfuzius, der um ca. 500 v.Chr. lebte, hat gemäß der Überlieferungen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des I Ging gehabt.

Zunächst bestand ein Orakel im Altertum nur aus zwei Parametern, dem „Ja“ und dem „Nein„. Das „Ja“ wurde mit einer durchgezogenen Linie beschrieben, also _____,
Das „Nein“ wurde mit einer durchbrochenen Linie dargestellt, also __   __.

Später wurde traditionell eine größere Differenzierung der Parameter durch Verdopplung  und dann Verdreifachung eingeführt. Daraus erzielte man zunächst vier, dann acht Zeichen und schließlich durch die Kombination zweier Trigramme zu einem Hexagramm 8×8 = 64 Zeichen (vgl. Hexagramm Tabelle).

Diese 64 Hexagramme bilden den Kern im I-Ging Orakel, der durch Kommentare umschrieben wird und der für eine Deutung interpretiert werden muss. Das traditionelle chinesische Schafgarben-Orakel wird heute in der Regel durch die vereinfachte Form des Münz-Orakels ersetzt. Im Folgenden wird anhand eines Beispiels gezeigt, wie man das I Ging Münz-Orakel befragen kann.

I Ging befragen: Was wird benötigt

  • 3 x 1-Cent Münze
  • Einen I Ging Buchkommentar mit Hexagramm-Tabelle oder auch einen I Ging-Onlinekommentar mit Hexagramm-Tabelle (s. Tipps und Hinweise)
  • Papier und Stift
 

I Ging befragen: So wirds gemacht!

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Die Frage an das Orakel stellen – was genau will ich wissen?

Zu Beginn ist es erforderlich, eine klare Frage für das I Ging Orakel zu formulieren, entsprechend unserer Auskunftswünsche. Nehmen wir an wir wollen das I Ging befragen, wie gut unsere berufliche Situation derzeit ist und  wie deren Entwicklung weiter verlaufen wird. Um Erläuterungen zu bekommen könnten wir das wie folgt tun:

Regel Nr. 1
Wir stellen immer Fragen, die durch Umschreibung beantwortet werden können, keine „Ja/Nein“ Fragen.

So könnte unsere Frage lauten:
Wie gut ist meine berufliche Situation derzeit und wie wird sie sich weiter entwickeln?                              

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Das Werfen der Münzen – Die Möglichkeiten für Ergebnisse

Regel Nr. 2
Jedesmal wenn wir das I-Ging befragen, werfen wir insgesamt sechsmal die drei Münzen, wobei „Zahl“ eine Eins bedeutet und „Kopf“ eine Zwei. Daraus erhalten wir das „Hexagramm für den jetzigen Ist-Zustand“. Wenn bewegliche Linien (d.h. entweder 222 oder 111) geworfen werden, bilden diese durch ihre Umkehrung ein „Folge-Hexagramm für die kommende Entwicklung“, dabei werden die geworfenen fixen Linien nicht umgewandelt, sondern einfach nur in das Folge-Hexagramm übertragen.  Werden keine beweglichen Linien geworfen, gibt es für die Interpretation der Antwort auf die Frage nur ein Hexagramm.

Unsere Wurfergebnisse werden von unten nach oben aufgelistet und lauten hier beispielsweise:

  • Zeile 6  –  221 (letzter Wurf) Kopf-Kopf-Zahl
  • Zeile 5  –  222 Kopf-Kopf-Kopf
  • Zeile 4  –  111 Zahl-Zahl-Zahl
  • Zeile 3  –  221 Kopf-Kopf-Zahl
  • Zeile 2  –  112 Zahl-Zahl-Kopf
  • Zeile 1  –  222 (erster Wurf) Kopf-Kopf-Kopf

Regel Nr. 3
Es gibt nur vier Ergebnis-Möglichkeiten für den Wurf einer Linie:

  • 1. 111 – Zahl-Zahl-Zahl – durchbrochene Linie, beweglich, gekennzeichnet mit einer „Sechs“, wird zu Kopf-Kopf-Kopf
  • 2. 222 – Kopf-Kopf-Kopf  – durchgehende Linie, beweglich, gekennzeichnet mit einer „Neun“, wird zu Zahl-Zahl-Zahl
  • 3. 112 – Zahl-Zahl-Kopf – durchbrochene Linie, fix
  • 4. 221 – Kopf-Kopf-Zahl – durchgezogene Linie, fix

Schauen wir uns nun die Ausprägung unserer Wurfergebnisse genauer an:

Zeile 1 – 222- Kopf-Kopf-Kopf führt zu einer durchgehenden beweglichen Linie mit einer „Neun-unten“ und wird in der Entwicklung zu einer durchbrochenen Linie („Neun unten“ bezieht sich auf die Kommentare zu den einzelnen Linien des Hexagramms, die im Haupt-Kommentar nach der Gesamtdeutung des Hexagramms gesondert ausgeführt zu finden sind)

Regel Nr. 4
Wenn in einem Wurf dreimal die gleiche Münzseite geworfen ist (also entweder 222 oder 111), handelt es sich um ein bewegliches Zeichen, das sich in der Entwicklung in sein Gegenteil umkehrt. Bei „Kopf“ wird es mit einer „Neun“, bei Zahl mit einer „Sechs“ gekennzeichnet, jeweils zuzüglich der Platzierung in den sechs Zeilen (z.B. „Neun an zweiter Stelle“= Neun in Wurf 2) [Anmerkung: Die Verwendung der Zahlen „Sechs“ und „Neun“ ist traditionell entstanden, die Zahlenwerte haben außer der überlieferten Linien-Kennzeichnung keine weitere Bedeutung]

Zeile 2 – 112 – Zahl-Zahl-Kopf führt zu einer fixen, durchbrochenen Linie

Regel Nr. 5
Alle übrigen Wurfergebnisse werden als unveränderliche „fixe“ Linien in der Entwicklung des Folge-Hexagramms einfach übertragen.

  • Zeile 3 – 221 – Kopf-Kopf-Zahl führt zu einer fixen, durchgezogenen Linie
  • Zeile 4 – 111 – Zahl-Zahl-Zahl führt zu einer beweglichen, durchbrochenen Linie mit einer „Sechs an vierter Stelle“ (vgl. Kommentar) und wird zu einer durchgezogenen Linie
  • Zeile 5 – 222- Kopf-Kopf-Kopf führt zu einer durchgezogenen, beweglichen Linie mit einer „Neun an fünfter Stelle“ und wird zu einer durchbrochenen Linie
  • Zeile 6 – 221 – Kopf-Kopf-Zahl führt zu einer fixen, durchgezogenen Linie      
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Die Auswertung unseres Münz-Wurfes – die Ergebnis-Hexagramme

So erhalten wir als Ausgangsdiagramm:

6            _____                                           >
5            _____  – (Neun an fünfter Stelle)> das obere Trigramm
4            __  __  – (Sechs an vierter Stelle)>
3            _____                                                           >
2            __  __                                                           > das untere Trigramm
1            _____ – (Neun-unten)                                  >

Dabei bilden die drei oberen Linien das Trigramm, dass wir in der oberen Zeile der Hexagramm-Tabelle nachschlagen und die drei unteren Linien zeigen das Trigramm, dass wir in der linken Spalte der Hexagramm-Tabelle finden. Die Kreuzung der Linien in der Hexagramm-Tabelle bringt das Ergebnis-Hexagramm, welches durch die vergebene Nummer aus den 64 Hexagrammen dargestellt ist.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Was (in der Hexagramm Tabelle nachsehen) dem Zeichen „37 – Die Familie“ entspricht.
Aus diesem wird nach Umkehrung der beweglichen Linien:

6            _____
5            __  __
4            _____
3            _____
2            __  __
1            __  __

Was (s. Hexagramm Tabelle) dem Zeichen „56 – Der Wanderer“ entspricht.

Damit ist die Berechnung für das I Ging Orakel fertig gestellt, nun muss der Kommentar zu Rate gezogen werden, um eine Interpretation zu gewinnen.        

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Was der Kommentar sagt – die Wurzel der Interpretation

Schlagen wir im Kommentar nach finden wir:

„37 – Die Familie“
Die Ordnung der Familie ist durch die festgelegte  Rangordnung bestimmt (z.B. Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Großvater usw.). Jedes Familienmitglied nimmt auf die Anderen Einfluss und hat eine Vorbildfunktion. Daher ist festes, konsequentes Handeln notwendig, damit die übrigen Familienmitglieder einem auch Glauben schenken können. Die Worte sollen sachlich sein und diesen müssen auch die entsprechenden Taten folgen.

Nun lesen wir die Kommentare zu den Linien, die dem Kommentar des Zeiches hinten angestellt sind:

1 – „Neun unten“

Mit der Erziehung der Kinder muss früh begonnen werden, wenn sie Nutzen bringen soll. Bevor die Kinder verwöhnt werden, sollte ihnen Disziplin beigebracht werden.

4 – „Sechs an vierter Stelle“

Der treue Haushalter kontrolliert Einnahmen und Ausgaben des Haushalts und schafft ein entsprechendes Gleichgewicht. Er fördert durch seine Maßregeln das allgemeine Wohl.

5 – „Neun an fünfter Stelle“

Ein „König“ hier: Vater, handelt in Liebe und die Familie kann sich ihm anvertrauen. Durch sein Wesen übt er ganz von selbst positiven Einfluss auf die Familie aus.

Es folgt der Kommentar zum zweiten Hexagramm, „56 – Der Wanderer“

Der Fremdling darf sich nichts herausnehmen in seinem Benehmen, da er auf die
Gastfreundschaft der Menschen angewiesen ist, auf Reisen. Er muss vorsichtig und zurückhaltend sein um sich vor Gefahren zu schützen. Er muss den Menschen zuvorkommend begegnen, um Sympathie zu gewinnen. So lange er auf Reisen ist, muss er dafür sorgen, nur an guten Plätzen zu verweilen und nur mit guten Menschen umzugehen. Dann kann er seinen Weg ungehindert fortsetzen.

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Das Verständnis des Kommentars auf unsere anfängliche Frage bezogen

Die Interpretation:

„37 – Die Familie“

Das Symbol der Familie weist auf eine vertraute Situation hin, in die man eingebunden ist und die einem Halt und Stellung gibt. Man hat eine Vorbildfunktion und leitet auch die Jüngeren an, sich ordentlich zu Verhalten. Den Haushalt führt man sorgfältig. Unser Handeln ist von Liebe geprägt und strahlt so einfach von uns aus.

Auf unsere Arbeitssituation bezogen, befinden wir uns in einer vertrauten Stellung, in der wir Anderen weiterhelfen, den Etat verwalten und eine durch Freundlichkeit geprägte Vorbildfunktion für die Anderen haben. Eine Situation in der wir uns glücklich fühlen.

„56 – Der Wanderer“

Dieses Zeichen deutet daraufhin, dass wir unsere Position auf Dauer nicht behalten werden und dass wir uns dann in einer längeren ungewissen Situation befinden werden. Wir haben keine besondere Stellung mehr und müssen uns Vertrauen erst verdienen. Wir sind auf Andere angewiesen und müssen auch sehr darauf achten, mit welchen Leuten wir umgehen und in welcher Umgebung wir verweilen.

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Die zusammengefasste Antwort auf unsere Frage in der Interpretation

Der Rat – Zusammengefasste Interpretation:

Wenn wir wissen, dass unsere glückliche berufliche Situation auf Dauer nicht bleiben wird, können wir uns innerlich bereits darauf einstellen. Statt uns vor dem Neuen zu fürchten, können wir gelassen und bewusst auf die veränderten Lebensumstände zu gehen und wir können durch besondere Achtsamkeit jederzeit Herr der Lage bleiben. Da das Buch der Wandlungen eine immer voranschreitende Entwicklung beschreibt, wird auch unsere Zeit auf Reisen in der Fremde nicht von Dauer sein und es werden sich wieder behaglichere Umstände ergeben. Solange wir aber auf Wanderschaft sind, können wir die damit verbundenen Freiheiten und Vorzüge auch auskosten und genießen. Wir werden später vielleicht wieder feste Verpflichtungen zu erfüllen haben und können die Phase des ungebundenen Wanderns jetzt nutzen, um uns persönlich weiter zu Entwickeln. Wir können Erkenntnisse über andereOrte, die dort lebenden Menschen und deren Verhalten sowie, nicht zuletzt gesagt, über uns Selbst gewinnen, die für uns im späteren Leben sicherlich noch nützlich und von Bedeutung sein werden.

Tipps und Hinweise

  • I Ging Online-Kommentar: (z.B. http://www.schuledesrades.org/public/iging/buch/?Q=5)
  • Dort findet man auch eine I Ging Online-Hexagramm-Tabelle
  Zeitaufwand: 30-60 Minuten Schwierigkeitsgrad:  

4 Meinungen

  1. werde mir die Motive in Ruhe anschauen und bin überzeugt das ich was passendes finde

  2. Schöne, gut verständliche Kurzanleitung! Danke & Grüße Torsten

  3. Hallo,ein wirklich guter und informativer Beitrag der einen soliden „Grundüberblick“ über das I-Ging Orakel bietet. Auch ich beschäftige mich mit dem I-Ging und werde ein jedes Mal aufs neue über die vielfältigen I-Ging Wandlungen (insgesamt gibt es übrigens 8192 (!)) überrascht.Übrigens hat der Großherrscher Fu-Xi die Grundlagen des I-Gings definiert, aber richtig verfeinert wurde es dann vor allem während der Han-Dynastie. Etwas später, während der Shang-Dynastie wurde das I-Ging ebenfalls weitreichend eingesetzt; so gibt es z.B. 2000 Jahre alte Knochen die auf zahlreiche Orakelanwendungen in der damaligen Zeit hinweisen.Zusammenfassend ist das I-Ging ein tolles Orakel nur ist es in der westlichen Welt leider nicht so weit verbreitet wie in Asien.Grüße,Marlis

  4. Also ich kann nur empfehlen, die Kinder zu Beginn zu fragen was sie denn schon wissen. Oder ob es etwas gibt, das sie fragen möchten. Ansonsten gibt es auf http://harri-wettstein.de/
    wirklich gute Artikel, die man den Kindern gut näher bringen kann und ihnen somit schon eine Grundvorstellung vermittelt.

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