Daniel Libeskind und sein Werkbezug zum Judentum

Daniel Libeskind begann seine aktive Karriere als Architekt vergleichsweise spät. Nachdem er zunächst als überaus begabter Akkordeonspieler professionell Geld verdiente, wandte er sich in den 70er Jahren der Architektur zu, studierte in New York und auf der Eliteuni in Essex, wo er sich auch promovierte. Sodann arbeitete er sieben Jahre lang, bis 1985, als Dekan an der Fakultät für Architektur in Bloomfield Hills, Michigan.

Sein erstes großes Werk folgte erst 1998 mit der Eröffnung des von ihm gestalteten eelix-Nussbaum-Hauses in Osnabrück. Bereits bei diesem Gebäude zeigen sich die für Libeskind typischen Formen, die Formsprache.

Daniel Libeskind und seine Verbindung zur jüdischen Geschichte und Gesellschaft

Die Lebensgeschichte des jüdischen Malers Felix Nussbaums aufgreifend, konzipierte er ein Gebäude, das eben diesem Weg entspricht. Nussbaum kam im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben, Libeskind schuf demnach ein „Museum ohne Ausgang“. Seine nächste Arbeit, bzw. seine nächste Fertigstellung (bereits 1989 gab es den Auftrag zur Konzeption des in der Folge beschrieben Museums), sollte aber ungleich bekannter werden, und sein Anspruch aus der Verbindung von Architektur und jüdischer Vergangenheit blieb weiterhin bestehen.

Das Jüdische Museum Berlin zog bereits ohne Exponate, also als leeres Konstrukt, unzählige Interessierte an. Gut anderthalb Jahre lang konnte das Museum ohne Museum besucht werden. Daniel Libeskind erhielt hierfür 1999 den Deutschen Architekturpreis. Wer sich damals die leeren Räume und all das, was dazugehört, anschaute, der wird diese Entscheidung nur allzu gut nachvollziehen können.

Das Jüdische Museum Berlin als bislang vielleicht größtes Werk Libeskinds.

Der in Polen geborene und dann nach Israel und in die USA emigrierte Libeskind schuf ein Gebäudekomplex in Mitten der deutschen Hauptstadt, der seines gleichen sucht. Libeskind schuf einen zweiten Gebäudekomplex, der das alte, barocke Kollegienhaus ergänzt.

Dieser Libeskind-Bau sieht anders aus, als herkömmliche Neubauten anderer Museen. Neuartig gestaltete Fenster, Böden in Schieflage und ein Zink-Mantel, der das ganze umgibt. Besonders sind es zwei Konstruktionen, die das Jüdische Museum zu einem ganz speziellen Ort machen. Zunächst der Holocaust-Turm. Dieser spitz zulaufender Raum, in den einzig durch eine schmale Spalte am oberen Ende etwas Licht fällt symbolisiert vielleicht in einzigartiger Weise Libeskind Anspruch aus der oben angesprochenen Verbindung zwischen Architektur und jüdischer Geschichte. Beklemmender, erdrückender und eindrücklicher lässt sich der Bezug zum Holocaust kaum herstellen. In diesem Raum muss man gestanden haben, die Atmosphäre spüren, um Libeskind Idee nachzuempfinden.
Der weitere, wirklich beeindruckende Ort des Museums ist der „Garten des Exils“. Außerhalb der Räumlichkeiten und Umgeben von Betonmauern, sieht sich der Besucher in Wirren und von der Welt außerhalb abgeschnitten. Der Boden ist schief, auf der quadratischen Fläche stehen insgesamt 49 Stelen aus Beton, sie sind sechs Meter hoch. Im Garten umherlaufend, soll dem Besucher die Erfahrung des Exils nahegebracht werden. Orientierungslosigkeit, Fremde, Unwohlsein. Ein wenig erinnert auch das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das einige Jahre später errichtet wurde, an diesen außergewöhnlichen Ort.

Die Zeit danach: Libeskind und sein heutiges Schaffen

Wie bereits deutlich wurde, schafft Daniel Libeskind stets Gebäude, die sich auf den späteren Inhalt oder den Entstehungsgrund derer beziehen. So auch bei einem seiner vielen Projekte derzeit, dem 1 WTC (One World Trade Center) in New York. Das Gebäude wird, wenn es 2012 fertiggestellt ist, genau 541,3 Meter messen. Keine ungewöhnliche zahl, will man meinen. Doch in der amerikanischen Maßeinheit „Feet“ sind das umgerechnet 1776 (Feet) – das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der USA. Dass den Entscheidungsträgern der Stadt New York diese Idee schmeichelte, mag angesichts des ausgeprägten Patriotismus der Amerikaner nicht verwundern.

Daneben laufen zig weitere Projekte auf der ganzen Welt. Nachdem er eingangs seiner Schaffensphase vor allem in Europa konzipierte, hat sich sein Können längst herumgesprochen. Hongkong steht ebenso an wie Mexiko, in den USA ist er aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken.
Ein großer Künstler. Unzweifelhaft.

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