CSI ist ein Scheiß

Bekannt, oder? Das haben wir doch alle schon mal gesehen, so oder anders. In Vegas, Miami oder New York. Das ist CSI, die Urszene. Das ist das besondere an der Serie. Diese eigenartigen Aufnahmen, die wie Kamerafahrten aussehen, es aber natürlich nicht sind. Das sind am Computer hergestellte Aufnahmen, so etwas wie ein animiertes Spiel, vermute ich. (Ich bin keine Spielerin, sorry.) Doch das ist natürlich sensationell. Das haut vom Hocker, beim ersten wie beim fünften Mal.

Aber dann?

Ich gebe zu, auch ich habe so manche Folge gespannt verfolgt. Diese Exaktheit, diese Präzision. Diese klugen, schönen Menschen, ohne nennenswertes Eigenleben. Diese sauberen, großen Räume überall, ob es nun Labore sind oder Frühstücksetablissements. Das alles ist so beruhigend, so einfach. Am Ende steht keine einzige Frage mehr offen. Das besticht, auf den ersten, den zweiten und den dritten Blick. Das gezielt eingesetzte Licht. Dazu die Musik, das Hämmern und Schlagen, das Schmeicheln und Flüstern. Mal ist es ein altbekannter Song, dann wieder ein Geheimtipp, oft auch nur Untermahlung oder Sound. Alles da. Muss ich mehr sagen? So wird das Tempo bestimmt, dem man so schnell nicht entkommt.

Vegas habe ich geliebt. Schon Miami fand ich irgendwie eigenartig, auch wenn das der erfolgreichste Ableger sein soll. Und New York jetzt, ich weiß nicht. Ich komme einfach nicht rein. Dazu sind vor einer Weile die neuen Vegasfolgen angelaufen, und auf einmal sah ich da eine gemütliche Ermittler-Abschlussrunde mit Moraldiskussion. Der klassische Diskurs mit Argument und Gegenargument, Rede und Gegenrede. Was würdest Du in dieser oder jener Lage tun? Wie würdest Du das rechtfertigen? In dem Moment, in dem die Debatte an den Punkt kam, wo die Mutter herhalten muss, die, um ihr Kind zu retten, gegen jegliches Gesetz verstoßen darf, stößt Sokrates-Grissom dazu und hält ein Abschlussplädoyer. Tenor: Es gibt immer andere Möglichkeiten. Wir leben Kultur, nicht Barbarei. (Vor mir an dieser Stelle einmal recht knapp zusammengefasst. Ist ja auch nicht gerade neu, die These.) Darauf wagt dann natürlich niemand etwas zu erwidern. Alle schwiegen betreten, die Runde löst sich auf. Niemand sagt, dass das alles natürlich immer nur ein Versuch sein kann, ein Bemühen, das mit der Kultur.

Das ist mir eigenartig aufgestoßen. Sollen da jetzt etwa auch noch die letzten Rätsel begradigt werden? Das, was eine gute Gesichte, auch eine gute Kriminalgeschichte simpelster Who-done-it-Art, ausmacht? Die Ambivalenz des Lebens, die Vieldeutigkeit eines jeden Geschehens. Die Gewissheit, dass alles immer auch ganz anders sein könnte. Und die Tatsache, dass es die reine Wahrheit niemals geben kann. Zum Glück.

Ich bin wirklich keine Krimiexpertin, aber ich weiß, was Spannung ist. Und CSI, nein danke, das habe ich jetzt durchschaut. So einfach geht das nicht, das ist mir zu platt. Bei aller Raffinesse, das ist trotzdem Scheiße. Nur eben so gut gemacht, dass man es nicht sofort merkt.

[Foto: www.microsiervos.com]

 

7 Meinungen

  1. CSI hat mich bisher auch nicht vom Hocker gehauen. Nach ein paar Versuchen hab ich aufgehört, die Serie zu schauen.

  2. Ich denke mal der Erfolg von CSI (Las Vegas) begründet sich unter anderem auf eben diese Effekte, die Art wie die kurzen Animationen gezeigt werden und – letztendlich – die Darsteller als solche.Medizinisch angehauchte Serien mit Toten gibt es ja nun schon etwas länger – allen voran wohl Quincy – doch eben nicht so wie „CSI Las Vegas“ damals. Das war neu, das war faszinierend – dank Computerhilfe.Ich schaue auch alle drei Serien (Las Vegas, Miami, New York) und genau in dieser Reihenfolge gefallen sie mir auch. „Miami“ ist mir an sich zu aalglatt – David Caruso als Big Boss der Spürnasen kommt zu durchgestylt und cool daher. „New York“ strahlt viel zu viel Kälte aus – und die Charaktere tun so, als würden sie sich jeden Morgen neu kennenlernen.Auf beide könnte ich wohl getrost verzichten. „Las Vegas“ hat zumindest im Ansatz den Schauspielern Farbe gegeben, weil auch etwas vom Hintergrund gezeigt wurde. Warrick mit seinen Spielproblemen, Catherine und ihre Tochter, Sara und ihre Alkoholsucht – selbst Grissom hat diesen Hörschaden. Selbst der Polizeiinspektor(?) hat eine drogenabhängige Tochter und ist geschieden.Das gehört nicht zur Handlung, macht aber für mich eine gute Serie aus – das macht die Darsteller menschlich und vertrauter. Und das fehlt mir alles bei den beiden Ablegern. Diese merkwürdige „Beziehung“ zwischen Horatio und seiner Partnerin ist ein Witz (und kein guter zudem) und bei „New York“ fehlt sowas meines Erachtens komplett. Dann doch lieber „Criminal Minds“ – das ist etwas peppiger und zeigt meines Erachtens erneut ein paar interessante Charaktere. Letztendlich hat so aber jede Zielgruppe „ihre“ Serie. Es gibt sicherlich auch einige, die finden „CSI:New York“ super und die anderen blöd. Nichtsdestotrotz freue ich mich schon auf die neuen Folgen aus Las Vegas. Bald ist es wieder soweit.

  3. Ah, Criminal Minds, hab ich gestern zum ersten Mal gesehen. Gar nicht so schlecht, auf den ersten Blick. Der Profiler als Wissenschaftler der Seele oder so ähnlich. Zumindest lebendiger als CSI, das stimmt.

  4. Ja, das auf jeden Fall. Zumindest sind die logischen Schlussfolgerungen nicht so aufgesetzt wie bei CSI. Neulich bei „CSI:Miami“ in einem Hotelzimmer mit weissem Teppich: „Schaut mal“ – mit Fingerzeig auf den Boden wo drei roten Punkte waren – „das wird Blut sein…HIER IST WAS SCHLIMMES PASSIERT!“Ob das die Synchron-Sprecher sind, die die Pointe verhauen? 😉

  5. Vielleicht hatte da ja auch nur wer einen SCHLIMMEN Finger. 😉

  6. Ja SuElln, das wird es gewesen sein. 😀

  7. Diese ganzen Crime-Serien kann man in die Tonnetreten, egal welche. Immer das selbe Strickmuster.Kennst Du eine Folge, kennst Du alle. Dieser Mistbreitet sich im TV wie eine Seuche aus. Bitte, bloßnicht mehr davon.

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