Colonia Dignidad: Albtraum in Chile

Die Colonia Dignidad wurde laut ihren Gründern offiziell als Christlicher Zufluchtsort gegründet, wo man ein „urchristliches Leben im gelobten Land“ führen könne. Die Gründung erfolgte nachdem der ehemalige evangelische Jugendpfleger Paul Schäfer und der aus der Gronauer Baptistengemeinde ausgeschlossenen Prediger Hugo Baar ein Erziehungsheim in der Nähe von Siegburg namens „Private Sociale Mission“ eröffneten.

Das Erziehungsheim war nur für die Kinder von Gruppenmitgliedern gedacht. Doch nachdem die Staatsanwaltschaft die Ermittlung gegen Schäfer wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs an den Kindern aufnahm, flohen er und einige Gruppenmitglieder nach Chile. Dort gründeten sie dann 1961 die Colonia Dignidad. Um zusätzliche Anhänger unter den Eltern der Gemeinde zu gewinnen, prophezeite er eine Invasion Deutschlands durch Russland. Dass diese Vorhersage nicht wahr wurde, braucht man heute nicht mehr zu erwähnen, doch zu Zeiten des Kalten Kriegs war dies eine schaurige Ansage, die nicht auf die leichte Schulter genommen wurde.

Politische Menschenrechtsverletzung

Eine Menschenrechtsverletzung folgte der anderen auf dem Grundstück der Gruppierung ereigneten. Sie waren weitaus schlimmer als das, was man von dem ein oder anderen katholischen Priester kennt. Verbindungen zur rechtsextremen politischen Gruppierung Patria y Libertad wurden nachgewiesen und die Kommune unterstütze mehr oder weniger indirekt den Militärputsch 1973. So wurde neben zahlreichen Vergehen an den Kindern der Mitglieder selbst auch eine Folterkammer für politische Dissidenten eingerichtet. Dort wurden oft und gerne Chilenische Dissidenten in dem riesigen Areal versteckt, welches insgesamt 300 Quadratkilometer umfasste.

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Die lokale Bevölkerung

Doch so schlimm sich das Lager von der relativen Sicherheit der Zeit und Ferne betrachtet anhört, hatte es durchaus auch positive Auswirkungen. Unter der lokalen Bevölkerung war die Colonia anfangs hauptsächlich dafür bekannt, dass sie ein Krankenhaus betrieben, wo sich die Menschen aus der Umgebung umsonst behandeln lassen konnten. Zusätzlich gab es eine Schule, die Bildung und Essen für die lokalen Kinder anbot. Dass die Kinder oft mit Geschichten von physischer und sexueller Misshandlung nach Hause kamen, wurde von den Eltern meist als Lüge interpretiert und bestraft. Zudem fungierte die Schule auch als Rekrutierungszentrum für die Armee von Sektariern, die benötigt wurden, um das riesige landwirtschaftliche Projekt zu tragen.

Bestrafung

Schließlich wurden die zunehmenden Beschwerden der Kinder ernst genommen, was höchstwahrscheinlich mit dem wandelnden politischen Klima und dem Ende der Pinochet Diktatur verbunden war. Der Komplex der Colonia Dignidad wurde zunehmend zu einem Militärlager, sodass der Gründer Hugo Baar, desillusioniert mit der „Berufung“ seines Kollegen, nur noch mit Mühe fliehen konnte. Das geschah erst 1985. Seine Aussagen halfen einen Gerichtsprozess gegen Schäfer vorzubereiten. Der Haftbefehl ging jedoch erst zehn Jahre später aus und er verschwand nochmals zehn Jahre, bevor er dann in 2005 endlich gefasst wurde. Er wurde in 25 Fällen des Missbrauchs an Kindern für schuldig befunden und musste eine Haftstrafe von 20 Jahren absitzen sowie insgesamt 770 Millionen Pesos (ungefähr 1,2 Millionen Euro) an seine Opfer zahlen. Er starb jedoch 2010 im Gefängnis im Alter von 88 Jahren. Mit ihm starb auch der Kult, der sich um die Colonia Dignidad gebildet hatte.

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