Citroën 2CV – Zwei Bauern, Kartoffeln und Wein


Vor 25 Jahren, am 27. Juli 1990, ging im portugiesischen Citroën-Werk Mangualde eine Ära zu Ende. An diesem Tag lief der letzte 2CV, die letzte „Ente“, vom Band. Millionen von Exemplaren dieses Wagens wurden zwischen dem Produktionsbeginn 1949 und dem Aus im Jahr 1990 hergestellt. Ein Auto, das gleichermaßen vergöttert wie belächelt wurde. Unsere kleine Enten-Würdigung.

Ein visionärer Auftrag

Im Jahr 1934 erteilte Citroën-Chef Pierre-Jules Boulanger seine Konstrukteuren einen Auftrag: Diese sollten ein Auto entwickeln, das „Platz für zwei Bauern in Stiefeln, einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein“ bietet. Zudem sollte es so weich gefedert sein, dass „ein Korb voll mit Eiern eine Fahrt über holprige Feldwege unbeschadet übersteht.“ Billig sollte es sein, so Boulanger. Und: „Auf das Aussehen des Wagens kommt es dabei überhaupt nicht an.“ Ein visionärer Auftrag, wie sich Jahre später zeigen sollte.

1937 war der Prototyp fertig. Er verzichtete auf alles, was nicht unbedingt nötig war. Auch beim Namen: 2CV ist die Abkürzung für „Deux Chevaux“, französisch für zwei Pferdestärken, was die damalige Steuerklasse bezeichnete. Elf Jahre später, auf dem Automobilsalon 1948 in Paris, wurde der „Döschewo“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt: „Eine Konservendose, Modell freies Campen für vier Sardinen“, kommentierte die satirische Wochenzeitung „Le Canard enchaîné“ das neue Auto. Der erste 2CV mit einem luftgekühlten 0,375-Liter-Zweizylinder-Boxer kommt auf 9 PS, erreicht 60 km/h Spitzengeschwindigkeit und verbraucht nur vier bis fünf Liter. Die Federung ist in der Tat bemerkenswert, ebenso wie die Straßenlage. Geschaltet wird über eine so genannte Revolverschaltung. Das Dach ist aus Kostengründen nicht fest, sondern aus Vinyl gefertigt und aufrollbar.

Siegeszug durch Europa

Bald ist der 2CV überall in Europa zu finden. 1955 umrundeten vier der Wagen ganz Schweden – die 4250 km lange Stecke schafften sie in drei Tagen. Später sollten Mittelmeer- und sogar Weltumrundungen folgen. Ab 1958 war der 2 CV auch in Deutschland erhältlich – für 4650 DM und mit langen Wartezeiten. Während Citroën noch nach einem geeigneten Namen suchte, hatte sich der der Spitzname „Ente“ bereits durchgesetzt.

Überhaupt wird Anfang der 60er-Jahre der Besitz eines Automobils vom Traum zum Massenphänomen. Alle wollen raus aus dem Alltag, und da kommt ein Auto wie die Ente gerade recht: unkompliziert, anspruchslos, billig im Unterhalt, aber auch robust, geräumig und mit aufgerolltem Dach inklusive Cabrio-Feeling. Die Ente wird zum Auto der Studentenbewegung – ein vollkommen klassenloses Gefährt, mit dem man nach der Demo zum Strand fährt.

1990 ist endgültig Schluss

Mitte der Siebziger Jahre geht der Siegeszug der Ente langsam zu Ende: Zu offenkundig werden inzwischen die technischen Defizite. Zwar hat der „Döschewo“ noch eine treue Fangemeinde, aber auch die wendet sich mit dem Jahren anspruchsvolleren Autos zu. Insgesamt werden vom herkömmlichen 2CV 3.868.631 Stück gebaut. Dazu kommen noch 1.246.335 Kasten-Enten, 1.443.563 vom Typ „Dyane“ (eine Art Enten-Nachfolger und eine Reaktion auf den erfolgreichen Konkurrenten Renault R4) und 253.393 „Acadiane“ (Kasten-Dyane).

In Levallois, dem französischen Heimatwerk der Ente, rollt am 29. Februar 1988 der letzte Wagen vom Band. Am 27. Juli 1990 ist dann auch Schluss im portugiesischen Werk in Mangualde. Viele Enten sieht man heute nicht mehr im Straßenverkehr, der Rost hat die meisten zerfressen. Aber einige Sammlerstücke sind noch im Umlauf und halten den Mythos am Leben. Einen Mythos, der mit zwei Bauern, einem Zentner Kartoffeln und einem Fässchen Wein begann.


Fotonachweis: Thinkstock, 501292459, iStock, EmilHuston


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