Christlicher Fundamentalismus

Vor einer gefährlichen Koalition zwischen Staat und christlich-fundamentalistischen Gruppen in den USA warnt jetzt auch die Direktorin des Potsdamer Einstein Forums Susan Neiman. Im Interview mit dem evangelischen Monatsmagazin Zeitzeichen erklärte die Amerikanerin: Die fundamentalistischen Gruppen in den Vereinigten Staaten „sind sehr politisch, und das in einer wirklich Angst machenden Dimension“. So hielten besonders apokalyptische Vorstellungen in die US-amerikanische Politik Einzug und würden in den Regierungskreisen ernst genommen. (Apokalyptik: Wir befinden uns am Übergang in eine bessere Welt. Jetzt kommt es noch einmal dicke, aber der Erlöser ist nahe.) Im Interview verwies die 51-Jährige auf die Gefahr, die von der Bush-Regierung ausgehe. So dürfe „die Gefährlichkeit dieser Regierung und ihrer Tendenzen innerhalb der USA“ nicht unterschätzt werden. Kritik übte die Philosophie-Professorin besonders an den Menschenrechtsverletzungen in Abu Ghraib und Gunatánamo: „Die Glaubwürdigkeit und jeder Versuch, Menschenrechte durchzusetzen, wurde durch Abu Ghraib nachhaltig geschädigt.“ Neiman forderte von den Europäern daher ein größeres Selbstbewusstsein auf internationaler Ebene ein: Aus der Menschenrechtsdebatte dürften sich die europäischen Staaten nicht heraushalten, sondern müssten vielmehr Stellung beziehen. 

Stellung beziehen sollte man auch gegen ein Verständnis des christlichen Glaubens, dass Gewalt und Krieg als legitimes Mittel zur Weltverbesserung predigt. Wer im Namen meiner Religion mit Bomben wirft, verletzt meine religiösen Gefühle.

11 Meinungen

  1. Da stimme ich Ihnen aber voll und ganz zu, denn das ist genau meine Rede. Religionen sind deshalb so gefährlich, weil es immer irgendwelche Machthaber sind und waren, sei es ein politischer Herrscher, eine ganze Partei, der Staat ansich oder die obersten Religionsführer selbst, die zu allen Zeiten es verstanden haben, die Menschen über deren Religionen und deren Treue zum Glauben zu instrumentalisieren, damit diese bereitwillig ohne Fragen zu stellen Kriege und Kämpfe führen, welche dennoch nur zur persönlichen oder wirtschaftlichen Macherweiterung dienen sollen. In dieser Hinsicht sind die Gläubigen leider grauslig dumm oder auch zu ängstlich, sich zu wehren, denn es werden ihnen oft auch mit Angstmachereien große Strafen im Diesseits und im Jenseits in Aussicht gestellt.Wer seinen Verstand benutzt und ein humanes Gewissen hat, ist als Mensch gut genug ausgestattet und braucht keine Religionen, die sein Gewissen spielen wollen. Er denkt und fühlt selbständig, übernimmt selbst für sich Verantwortung und läßt sich da keinesfalls verdrehen und mit hineinziehen!Wenn G.W. Bush wirklich ein gottgläubiger Christ wäre, würde er sich doch wenigstens an Gottes Gebot halten, wenn er schon selbst kein Gewissen hat: Du sollst nicht töten! Er aber bittet öffentlich und tränentriefend seinen Gott, ihm dabei zu helfen, Gottes eigenes Gebot zu brechen, die Absolution für seine Grausamkeiten von vornherein von Gott zu bekommen und auch noch den Sieg des Krieges einzufahren. Das ist PERVERS, das ist teuflische Verführung!!! Und wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, dass diese „Vorbilder“ ihre Funktionen mittels der Religion zutiefst weltlich missbrauchen. Sie reden das Gegenteil von dem, was sie tatsächlich selbst tun oder gar vorleben. Bush will die ganze Welt belügen und für dumm verkaufen und er tut so, als wären auch die USA ein Gottesstaat, der auf Kreuzzug geht. Nichts ist so gefährlich wie die menschliche Dummheit oder die Rafinesse, welche diese Dummheit zu gebrauchen weiß. Mir wird wirklich immer mehr Angst, wenn ich sehe, wie wir in Pseudo-Religionskriege hineingezogen werden, die die ganze Welt überziehen können. Ich bin völlig von der Rolle, fühle mich ohnmächtig und bin stinkewütend, und vielleicht verstehen Sie jetzt auch den Hintergrund meiner bisherigen Kommentare. In welchem Jahrtausend leben wir denn eigentlich? Wenn schon mystischer, irrealer Aber-Glaube, und was sind Götter und deren unendlich vielen Sekten denn sonst, dann bitte nur in privaten Interessenvereinen und von freiwilligen Mitgliedsbeiträgen getragen, wie z.B. bei den Sportvereinen auch. Zwischen Tennis und Golf hat es noch nie blutige Sportweltkriege gegeben, obwohl sich die Bälle und die Schläger und die ritualisierten Regeln äußerst unterschiedlich zueinander gestalten. ;-))Über die Gefahr der Religionskriege habe ich hier übrigens auch einen passenden Link anzubieten: http://www.trimondi.de

  2. Übrigens, klicken Sie doch bitte einmal selbst auf den von Ihnen gesetzten link „Zeitzeichen“ (hihi).Vielleicht googelt man besser selbst unter dem Stichwort Zeitzeichen und findet dann sogleich das evangelische Magazin. Mit Klick auf die aktuelle Ausgabe kann man dann im Inhaltsverzeichnis den von Ihnen gemeinten Beitrag finden.

  3. So langsam werden Sie mir ja so richtig sympatisch. Aber ich denke auch, dass der christliche Glaube (nicht Religion) eine kohärente Strategie sein könnte, Werte wie Gewaltfrei, Personwürde, Solidarität zu etablieren. Man hat dann – wissenschaftstheoretisch betrachtet – den Vorteil, dass man ohne ein optimistisches Weltbild auskommt, das permanent falsifiziert wird, wusste auch schon der alte Kant. Was hält die Vernunft davon ab, dass sie die Menschen dauernd dazu antreibt, sich zum eigenen Vorteil die Köppe einzuhauen. Ich treue den Menschen da weniger zu als Sie.Übriegens: Ich habe gerade – anlässlich des Bonhoefferjahres – die religionslose Interpretation des Christentums von Dietrich Bonhoeffer wieder ausgegraben. Ist ja eigentlich ein alter Hut, aber zur Zeit spricht er wieder zu mír. Sehr schön nachzulesen in „Wiederstand und Ergebung“ in den Briefen.Und vielen Dank auch für den Hinweis mit dem Link. Sehr peinlich!Schöne Woche!F.C.

  4. Nein, gar nicht peinlich, nur menschlich *schmunzel*. Ich persönlich weiß nicht einmal, wie man einen Link überhaupt setzt! Aber das ist auch nicht lebensnotwendig. Und es gibt weitaus Schlimmeres, was der Menschheit wirklich peinlich sein müsste und was lebensnotwendig wäre. Darin würde mir Bonhoeffer sicherlich heftig nickend zustimmen. Bewundernswert dieser Bonhoeffer, in der Tat. Der hatte das, was man eben bezeichnenderweise „Zivil“courage nennt, nicht notwendigerweise „Christ“courage. Denn er befand sich ja in einer Widerstandsgruppe, welche ein Attentat auf Hitler ausübte. Das heisst, er war bereit zu töten. Das ist eher unchristlich, so gesehen, denn ein Christ soll ja seine Feinde lieben. Und er ging dafür im KZ in den Tod, wie viele andere auch. Stauffenberg, der sogar persönlich handelte und die Bombe selbst legte, um dem Rad in die Speichen zu fallen, wurde aber z.B. nicht wie Bonhoeffer von der Evangelischen Kirche dem katholischen Papst zur Heiligsprechung vorgeschlagen, weil diese nun heuchlerisch und unverdientermaßen auch wie die Katholiken einen oder zwei Kriegsheilige aus ihren Reihen haben wollte (seht, wie wir Widerstand geleistet haben!). Und Stauffenberg war „nur“ ein sekularer Held, der Heiligkeit nicht würdig. Das ist der Punkt.Es gefällt mir sehr gut, dass Bonhoeffer das ähnlich sah: er wollte garantiert nicht zum Heiligen gemacht werden, das war sogar dem katholischen Papst klar. Bonhoeffer sah die Notwendigkeit, im Hier und Jetzt dieses überflüssige, kleinliche, frömmelnde und verklärte Brimborium aufzubrechen, das die Leute aus den Kirchen treibt, weil es nicht mehr überzeugen kann.Er wünschte sich aufgeklärte, mündige Christen, die sich nicht ängstlich hinter Ritualen verstecken und warten, bis alles vorbei ist, sonder solche, die Christentum als Herausforderung zum wertvollen „Mensch“-Sein verstehen. Sicherlich war ihm daher eine Kirche zuwider, die ihren Einfluß nicht nutzt, um einen Sturm von öffentlich sichtbarem Widerstand zu entfachen.Jetzt könnte man meinen, ich würde mir selbst widersprechen, denn einerseits beklage ich den (falschen) vorbildhaften Einfluss der Religionen auf die Gläubigen (Krieg im Namen des hauseigenen Gottes führen, oder Stillhalten gegenüber faschistischen Regimen und einen Pakt mit ihnen schließen, oder den Abwurf der Atombombe mit Weihwasser absegnen), andererseits hätte ich mir den kirchlichen Einfluss auf die Gläubigen im Widerstand gegen Volksverderber, Massen- und Rassenmörder gewünscht. Aber Bonhoeffer ging es wohl genau so. Er musste eine eigene „Bekennende Kirche“ gründen, weil er sehr enttäuscht war von den sogenannten Christen und Kirchen, die in den Gottesgebäuden deutlich gegen die Juden und für Hitler Stimmung machten. Er nahm die Schuld jedes Individuums und gleichzeitig die Schuld der ganzen Kirchen auf sich. Er, der Unschuldige, er der tiefgläubige Christ und Mensch, begibt sich hier ganz in die Nachfolge Christi. Sein stellvertretendes, schriftliches Schuldbekenntnis hätte die Kirchen zutiefst beschämen müssen. Diese aber haben sich niemals öffentlich entschuldigt. Kirchen als Wirtschaftsorganisationen und Machtansprüchler sowie Religion per se vom eigentlichen Glauben und Handeln nach Christi Denkweisen zu differenzieren, ja damit könnte ich mich arrangieren. Zumindest insofern die Haltung Christi, der ja auch ein Reformator der alten, oft menschenverachtenden Glaubeninhalte im Namen der alten Religion war, als couragiertes, mündiges Menschsein verstanden wird, das grundsätzlich den Menschen und der Menschlichkeit als solcher nützt und nicht oberflächlich „der Religion“ als solcher. Der Sabbat ist für den Menschen da, sagte Jesus, nicht der Mensch für den Sabbat und seine knechtenden Gebote und unmenschlichen Verbote, z.B. am Sabbat zu heilen, worin man ihm ja schließlich seine Menschlichkeit geradezu vorwarf! Als Mutter zweier inzwischen sogenannter „erwachsener“ Söhne, habe ich diese einfach nur zur Menschlichkeit und deren Werte erzogen, nicht zur Unterwerfung unter irgendeine Religion. Und sie sind freie, selbständig denkende, zivilcouragiert handlungsfähige, wertvolle und wertetragende Jungs geworden.Was glauben Sie, wie hätte der KZ-Häftling Bonhoeffer heutzutage zum Beispiel auf den „Christen“ George Bush und seine Gefangenenlager reagiert? Wäre Bush für ihn ein Christ gewesen, der berechtigt dem Rad der islamischen Welt in die Speichen greift, um die Welt vor Diktatoren und Unfreiheit zu befreien. Hätte er sich identifiziert? Oder wäre er seinerseits George Bush in die Speichen gefallen? Von den Kirchen ist ja wieder einmal kein deutlicher Einspruch gegen die Kriegstreibereien zu erwarten, geht es doch wieder einmal nur um die Erhaltung und Erweiterung der eigenen Religion und deren Machtanspruch in der ganzen Welt.

  5. Übrigens, hier noch eine leicht ironische Bemerkung: das mit den Sportweltkriegen könnte mit Hilfe der Religionen doch noch klappen! Hurra!! Ins Berliner Olympiastadion wird zur Zeit von der Evang.Kirche (EKBÖ) und dem Erzbistum Berlin eine Designerkapelle eingebaut, Vertragszeit vorerst 11 Jahre, rechtzeitig noch zur Weltmeisterschaft, (dpa-Meldung wörtlich:) „damit die Fans um göttlichen Beistand für ihre Mannschaft bitten können“. Haha, die Geheimwaffe! Wenn es nicht tatsächlich wahr wäre, wäre’s so wundervoll lächerlich. Dann schießen also nur die christlichen Spieler aller Nationen die Tore, Halleluja! Diese ‚kohärente Strategie‘ muss einfach funktionieren, sonst wäre das Beten im Stadion ja ein rechter unnützer Schmarren! Und der Iran kann gleich zu Hause bleiben. Oder er wird ganz schön sauer wegen dieser provokanten Übervorteilung der Christen. Vielleicht geht es ja doch noch unblutig ab, wenn man noch flugs eine Mini-Moschee mit einbaut. Aber bitte nicht auf Platzkosten der anderen stillen Örtchen. Man kann nur hoffen, dass sich Christengott da nicht total verarscht fühlt und sich für diesen Missbrauch seines erwarteten Eingreifens gehörig rächt!! Für so einen blasphemischen Scheiß ist Jesus bestimmt nicht am Kreuz verendet.

  6. Im Gegensatz zu Sowieso kann ich Ihnen leider nicht voll und ganz zustimmen. Denn im Wesentlich kolportieren Sie in Ihrem Beitrag Vorurteile, die nicht stimmen: G.W. Bush führte noch nie (!) Kriege im Namen des Christentums. Wenn Sie aber Ihre religiösen Gefühle verletzt sehen, weil ein christlicher Politiker auch Kriegseinsätze befehlen muss, dann ist das eher ein Problem Ihrer Religiosität und nicht der von G.W. Bush.Bushs Religiosität ist bestimmt nicht meine. Aber als Lutheraner glaube ich, dass auch Schwärmertum dem Christentum keinen Dienst erweist.Es würde mich freuen, wenn wir uns in Deutschland mehr Gedanken machen würden, welche Gefahr von einem radikalen Antisemiten wie dem iranischen Präsidenten ausgehen, stärker die Problematik eines Einsatzes von europäischen Truppen im Kongo diskutieren oder auch uns Fragen, wie man genau mit den Rückschritten in der Demokratie Russlands umgeht. Ich glaube nicht, dass ich G.W. Bush gewählt hätte, wäre ich Amerikaner. Doch glaube ich, dass die Anti-Bush-Bewegung verkennt, dass sie genau das macht, was sie dem Präsidenten vorwirft: In einfachen schwarz-weiß Kategorien in gut und böse einzuteilen und damit ihren Kreuzzug gegen den US-Präsidenten zu begründen.

  7. Es ist ein bisschen wie mit dem Besuch beim Psychotherapeuten: Der galt früher auch als extrem peinlich und heute gehört es fast zum guten Ton jemanden für die Mentalhygiene aufzusuchen. Ein bisschen unglücklich finde ich das Charlie Sheen-Beispiel. Wenn ich das richtig weiß, ist der Kerl spielsüchtig, säuft, geht fremd und haut gern mal zu. Auf so einen bei der Online-Partnersuche zu treffen ist doch wohl ein Alptraum-Szenario.

  8. @ Sommerregen: Mir ging es nicht so sehr um die Qualitäten von Charlie Sheen als Partner. Sondern darum, dass mittlerweile auch Hollywood Celebrities ihren Partner im Netz suchen. Hierzulande weiß man das ja nur von Jörg Wontorra – das klang aber irgendwie nicht so „catchy“ 😉

  9. Man ist keinesfalls ein Looser, wenn man online nach einem Partner sucht. ich kenne viele, die sich darüber gefunden haben und glücklich sind, allerdings lastet einem immer der Stempel der „Verzweifeltheit“ an. Den gilt es noch loszubekommen, dann kann wirklich ohne Grenzen geflirtet werden. Jörg Wontorra wurde soweit ich weiß bei http://www.friendscout24.defündig..

  10. Ike (der ewige Kritiker)

    Hallo zusammen,vielleicht interessieren euch in Bezug auf Onlinedating auch, was Hans, der Protagonist und Weiberheld in deiner kleinen Welt, so erlebt hat.Oder mal ein Blick hinter die Kulissen.http://www.in-deiner-kleinen-welt.deVielen Dank für die AufmerksamkeitIke

  11. Ich habe auch letzlich irgendwo gelesen das diese Branche ihren gewinn um über die Hälfe als im vorjahr verdoppelt haben.

    Da haben halt die großen Firmen blutgeleckt.

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.