Dave Gahan hat doch ein cooles Leben: Bewunderer so weit das Auge reicht, eine Familie, Geld noch und nöcher, private und berufliche Entfaltung ohne Einschränkungen: Was will dieser Mann mehr? Gut…Es gab da auch diese dunklen Seiten: Kreative Kastration in seiner Hauptband, Drogensucht und Suzidversuche. Letzten Endes ist Gahan einer dieser Männer, die ihr Leben im Exzess leben müssen. Und genau deswegen werden sich seine Fans noch lange an ihn erinnern – auch und gerade an seine Soloausflüge neben Depeche Mode.
Sein zweites Album "Hourglass" lässt die rockigen Elemente des Vorgängers weitgehend hinter sich. Die Songs sind wesentlich dunkler und getragener, wie bereits der elegische Opener "Saw something" unterstreicht. Diese Platte mit einem langen, sperrigen Stück zu beginnen zeugt von Mut. Langsame Beats, Streicher und ein schwarzmalerischer Frontmann entführen uns in eine schattige Welt voller Selbstzweifel und Neurosen "I sit and I wait and I stare / Still wishing for a divine intervention to lift me from my chair".
Neben dem hervorragenden Opener bestechen vor allem "Miracles", welches das poppigste Stück ist, das Sigur Ros leider niemals geschrieben haben und "Use you", das klingt als ob sich die Sneaker Pimps und Marilyn Manson zusammengerauft hätten. Weitere Anspieltipps sind das schwermütig-elektronische "Insoluble" wie der Industrial Ausflug "Endless".
Wem die letzten beiden Depeche Mode CDs zu experimentell waren und wer David Gahan am liebsten in seinen dunkelsten Stunden mag, der liegt bei "Hourglass" ganz sicher nicht daneben. Der Verlust der Gitarren mag am Anfang schmerzen, doch mehr Konsistenz und ausgefeiltere Songs machen den Zweitling im direkten Vergleich mit "Paper Monsters" zum besseren Album.