Castlevania Lords of Shadow: Konami bringt wieder Schwung in die Serie

Der Himmel wurde vom Reich der Menschen getrennt, wodurch ein Ungleichgewicht zwischen gut und Böse entstanden ist, welches unter anderem verhindert dass die Seelen der Toten die Welt der Lebenden verlassen können. Aber dieses Ungleichgewicht überschwemmt das Land auch mit Werwölfen, Vampiren, Trolle, Goblins und allerlei anderer Monster. Die Bruderschaft des Lichts sendet Gabriel Belmont aus, um die Ursache für das Übel zu finden und das Gleichgewicht wieder herzustellen. Gabriel hat aber auch seine ganz persönlichen Gründe um die Herrscher der Finsternis zu finden, denn die Mächte des Bösen habe seine Frau umgebracht, wofür es Belmont nach Rache dürstet. So macht sich der Held auf den Weg um sich den Herrschern der Schatten zu stellen.

Überraschend facettenreiche Story

Zu Beginn des Spiels bekommt man die Befürchtung, dass es sich bei der Story um eine belanglose Gut-gegen-Böse Geschichte handelt, in der der makelose Held seine Frau verloren hat und aus Rache die bösen Jungs verdrescht und den Tag rettet. So ist es aber nicht, denn im Lauf des Spiels erweist sich die Geschichte als facettenreich und bringt auch Tiefe mit sich. So zeigt sie gegen später auch die Kehrseite der Medaille und geht auf Persönlichkeit von Gabriel ein. Um die Geschichte voranzutreiben, gibt es vor jedem Level eine Einführung die von Patrick Stewart (Dune, Star Trek, X-Men) vorgelesen wird, die wirklich toll sind und die Atmosphäre unterstreichen.

Die Story von Lords of Shadow ist unabhängig zu den bereits erschienen Teilen und ordnet sich auch nicht in die bestehende Zeitlinie der Serie ein. Dadurch kann das Spiel sich ungehindert entfalten und muss sich weder in die Story noch in die etwas unschlüssige Zeitlinie der Serie reinpressen, was dem Spiel deutlich zu Gute kommt. Natürlich gibt es aber auch die einen oder anderen freudigen Momente für Fans der Serie und vor allem der Schluss wird da interessant.

Gameplay und Steuerung

In Castlevania Lords of Shadow liegt der Focus zwar auf der Action aber die Mischung mit Rätseln sowie Kletter- und Balancier-Abschnitten stimmt das ganze Spiel hindurch. Die Kämpfe gehen sehr gut von der Hand und auch die Tastenbelegung wurde sinnvoll umgesetzt. Ihr habt zwei Standardangriffe für Gabriels Kampfkreuz welche sich im Zusammenspiel mit Springen und Blocken zu mächtigen Combos zusammen reihen lassen. Anfänglich stehen euch natürlich nur begrenzt Angriffe zur Verfügung, welche ihr aber mit Erfahrungspunkten erweitern könnt. Auch das Kampfkreuz wird in Verlauf des Spiels immer wieder aufgerüstet, wodurch ihr neue Fertigkeiten erlangt. Da das Kreuz wie eine Peitsche funktioniert, hat es zwar eine ordentliche Reichweite, aber für den Angriff auf Distanz stehen Gabriel auch Wurfmesser zu Verfügung, welche ebenfalls aufgemotzt werden können.

Ein bisschen Magie ist ebenfalls im Spiel, welche ihr auch erst im Verlauf des Spiels erlangt und nicht von Anfang an besitzt. Mit aktivierter Lichtenergie regeneriert sich Gabriels Gesundheit bei jedem getroffenen Gegner ein wenig. Apropos Gesundheit: Euer Gesundheistbalken lädt sich nicht automatisch auf, sondern entweder durch die erwähnte Lichtenergie oder ihr könnt sie an Lebensbrunnen absorbieren. Das Gegenstück zur Lichtenergie ist natürlich die Schattenenergie, welche euch stärker macht. Beide Energien könnt ihr natürlich auch in Combos verwenden. Habt ihr einen Gegner erledigt, so hinterlässt dieser sogenannte neutrale Energie, welche ihr entweder in Licht- und Schattenenergie umwandeln könnt. Dabei könnt ihr entscheiden wie ihr die neutrale Energie aufteilt, was einen nicht zu unterschätzenden strategischen Einfluss auf das Spiel hat. Ihr müsst die Energien nämlich clever Einsetzen um gegen eure Feinde bestehen zu können und etwas strategisches Geschick beweisen, denn nur so ist der Einsatz eurer Kräfte effektiv.

Die Rätsel haben einen ansprechenden Schwierigkeitsgrad und machen wirklich Spaß. Da müsst ihr mal eine Partie Fantasy-Schach spielen oder verschiedene Hebe-Rätsel lösen. Sollten euch die Aufgaben zu knifflig sein, so könnt ihr euch auch die Lösung anzeigen lassen, was aber Abzug bei den Erfahrungspunkten gibt. So hängt man aber auch nicht ewig an einer Stelle im Spiel fest, was für mich immer wichtig ist. Natürlich muss es anspruchsvoll sein aber dabei darf kein Frust aufkommen. So verhält es sich auch bei den verschiedenen Endgegnern, die ebenfalls zu bewältigen sind. Generell lassen sich die größeren Gegner in drei Kategorien einordnen: Groß, größer und riesige Gegner. Bei den ersten beiden Kategorien müsst ihr die Schwachstellen eures Gegenüber erkennen und ihn dann ausschalten. Bei den wirklich riesigen Gegner, den Titanen, müsst ihr erst Ausweichen, dann die Schwachstelle angreifen um anschließend auf den überdimensionalen Koloss zu klettern. Meistens wiederholen sich die Aktionen zwar, aber durch die gute Mischung zwischen Klettern und Quick-Time-Events wird es aber nie langweilig.

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In jedem Level findet ihr Schriftrollen bei gefallenen Ordensbrüdern, welche euch auf Informationen zu Gegnern oder auf versteckte Goodies im Level hinweisen. Es lohnt sich auf jeden Fall die Rollen zu lesen. Habt ihr dann eines der Verstecke gefunden, so kann es euch passieren, dass ihr die Tür, Truhe oder ähnliches nicht öffnen könnt, da ihr noch nicht die nötigen Fähigkeiten habt oder euer Kampfkreuz noch nicht die benötigten Erweiterungen erhalten hat. So macht es durchaus Sinn auch mal ein bereits gespielten Level nochmals zu starten. Zusätzlich gibt bei jeder abgeschlossenen Level eine Zusatzmissionen, welche ein weiterer Anreiz zum erneuten Spielen ist.

Präsentation, Grafik und Sound

Die Level und Landschaften im Spiel sind wahnsinnig toll gemacht und begeistern einen von der ersten Minute an. Im ersten Level müsst ihr in einem dunklen und verregneten Dorf kämpfen, welches sehr stimmungsvoll in Szene gesetzt wurde. In den darauf folgenden Abschnitten geht es durch Winterlandschaften, Sümpfe, Gebirgsabschnitte, herbstliche Wälder und vieles mehr. Jede einzelne Landschaft ist absolut überzeugend, was sicherlich auch an der Liebe zum Detail liegt. So fliegen in den Winterabschnitten die Schneeflocken gegen die „Kamera“ oder der Waldboden ist mit einzelnen Blättern bedeckt wodurch eine wirklich tolle und überzeugende Welt geschaffen wird. Aber auch die Gebäude und Ruinen, sowie die Statuen die man in den Levels wiederfindet sehen super aus. Besonders gut gefallen haben mir auch die Lichteffekte und der Einsatz von Licht und Schatten, so strahlen mal einzelne Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen hindurch oder die Sonne verschwindet hinter einem Titanen und scheint durch dessen durchsichtige Teile. Auch das Spiel mit der Kameraperspektive, welche nicht beeinflusst werden kann, schafft nochmals ein ganz besonderes Erlebnis und gerade bei den Kämpfen mit den größeren Gegnern hat man als Spieler tatsächlich das Gefühl einem Riesen gegenüber zu stehen.

Technisch gibt es dabei nichts zu bemängeln, denn ich konnte kaum einen Ruckler oder irgendwelche anderen Schnitzer bei der Grafik erkennen, was sicherlich auch mit der statischen Kamera zusammenhängt. Insgesamt sind auch die Effekte und Animationen sehr gelungen und geben keinen Grund zur Kritik.

Die Synchronsprecher sind wie bereits erwähnt erste Klasse und ein wirklicher Genuss, sofern man der englischen Sprache mächtig ist. Wenn nicht, dann gibt es deutsche Untertitel. Ich persönlich bevorzuge eh eine gute englische Synchronisation einer leider viel zu häufig vorkommenden miserablen deutschen! Somit hat Konami hier alles richtig gemacht. Aber zurück zum Sound. Die Waffensounds, sowie die Monster- und Umgebungsgeräusche sind ebenfalls bestens. Ein wirkliches Highlight im Spiel ist aber der Soundtrack, welcher das komplette Spiel lang die Stimmung unterstreicht und nicht langweilig oder eintönig wird, dabei kommen die leisen eher emotionalen Stücke genauso wie die orchestralen zum tragen.

Mein Fazit:

Castlevania Lords of Shadow ist für mich einer der Überraschungshits 2010 gewesen und ist ein sehr gelungenes Spiel und das Review zum Spiel hat wirklich Spaß gemacht. Allein schon die wunderschönen Landschaften und unglaublichen toll gemachten Titanen rechtfertigen einen Kauf. Aber auch die Spieldauer von knapp 20 Stunden suchen in diesem Genre momentan ihres gleichen. Ich hatte wirklich viel Spaß mit dem Spiel und kann es nur jedem der auf Action-Adventure steht empfehlen. Sicherlich ist der neue Teil anders als alle anderen der Serie, aber das ist meiner Meinung nach nicht tragisch – eher im Gegenteil. Alle sprechen immer davon, was die Fans der Serie erwarten und wollen ihnen gerecht werden, was natürlich absolut in Ordnung ist und auch so sein muss. Es gibt aber auch Spieler, die bisher mit Castlevania noch nichts anfangen konnten, für die aber Lords of Shadow trotzdem interessant ist – gerade weil es anders ist.

Negativ ist eigentlich nur, dass durch die feste Kamera man teilweise die Gegner aus dem Blickfeld verliert und, das die eine oder andere Gesichtsanimation nicht so schön ist.

Ansonsten gilt: Castlevania Lords of Shadow ist eine Ausnahmeerscheinung im derzeitigen Action-Adventure Genre und kann spielerisch und optisch absolut überzeugen.

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