Bundesliga Rückblick auf den 7. Spieltag

Totgesagte leben länger. Das könnte das Motto am 7. Spieltag der Bundesliga sein. Am vergangenen Wochenende schafften sich mehrere Teams Erleichterung und schossen sich aus der Krise. Die größte Baustelle der Liga war bislang in Hamburg auszumachen. Der katastrophale Saisonstart mit nur einem Punkt aus sechs Spielen und saisonübergreifend 13 sieglosen Partien führte schließlich zum Aus von Trainer Michael Oenning, der erst seit dem Frühjahr an der Elbe unter Vertrag stand, den massiven Spielerumbruch aber nicht in den Griff bekam. Nun ist die Trainersuche in vollem Gange. Währenddessen schaffte die Mannschaft mit Interimscoach Rodolfo Cardoso einen überraschenden Auswärtssieg in Stuttgart. Nachdem die erste Halbzeit mit dem 1:0 durch Harnik ganz nach Plan des heimischen VfB verlaufen war, kamen die Hamburger mit einer guten kämpferischen Leistung völlig überraschend zurück. Zwei Eckballsituationen reichten in der zweiten Hälfte gegen eine seltsam lethargische Stuttgarter Mannschaft zum 2:1-Erfolg. Die mutige Maßnahme Cardosos, vollkommen auf junges Personal zu setzen, ging dabei voll und ganz auf. Der Argentinier macht sich damit selbst interessant für eine dauerhafte Anstellung als HSV-Trainer.

7. Spieltag: Teams aus dem Tabellenkeller rücken auf

Neben den Hamburgern konnte auch das andere auf einem direkten Abstiegsplatz befindliche Team punkten. Der FC Augsburg holte ein etwas überraschendes, aber nicht unverdientes Unentschieden gegen Europa-League-Teilnehmer Hannover 96. Das Spiel war dabei allerdings so schwach wie es das Ergebnis von 0:0 aussagt. Dem FCA kann man allenfalls zugute halten, dass die kämpferische Einstellung stimmte und die Defensive relativ gut stand. Hannover kam erst in der zweiten Hälfte zu einigen guten Torchancen, wusste aber insgesamt ebenso nicht zu überzeugen. Während bei den Niedersachsen damit aber weiterhin eine Position im oberen Tabellendrittel zu Buche steht, müssen die Augsburger weiterhin auf den ersten Bundesligasieg warten. Es wird also eng im Klassenerhaltskampf für den Aufsteiger.
Augsburg Remis gegen Hannover

Aus dem Keller befreit hat sich mittlerweile der 1. FC Köln. Die Rheinländer waren noch schlechter in die Saison gestartet als der HSV. Doch ausgerechnet in Hamburg starteten sie ihre Aufholjagd, siegten letzte Woche auch in Leverkusen und fügten am 7. Spieltag noch ein souveränes 2:0 gegen Hoffenheim hinzu. Die Wende in Köln hat wieder einmal sehr viel mit dem Namen Lukas Podolski zu tun. Seinem Galaauftritt beim rheinischen Rivalen Leverkusen ließ der streitbare Publikumsliebling nun auch eine einwandfreie Leistung gegen die Kraichgauer folgen. In diesen beiden Partien war er durch 3 Tore und 2 Vorlagen an 5 von 6 Kölner Treffern beteiligt und sorgte so dafür, dass seine Mannschaft ins beruhigende Mittelfeld vorstoßen konnte.

Ebenso erleichtert konnte Wolfsburgs Coach Felix Magath sein. Zwar ist die Situation für den VfL noch lange nicht zufrieden stellend, doch das knappe und ziemlich krampfhaft heraus gespielte 1:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern ermöglicht erstmal ein tiefes Durchatmen. Bemerkenswert war in der niveauarmen Partie, dass Wolfsburgs Sieg in Unterzahl zustande kam. Kurz vor der Pause musste Abwehrchef Kyrgiakos wegen einer Notbremse vom Platz gestellt werden. Ein einziger blitzsauberer Angriff, den Dejagah mit einem Flugkopfball abschloss, reichte dann zum Sieg.

Ruhrpottclubs schwimmen sich frei

Die beiden großen Rivalen des Westens, Borussia Dortmund und der FC Schalke 04, konnten sich am 7. Spieltag für den mäßigen Saisonstart rehabilitieren. Der BVB hatte im Gegensatz zur Vorwoche, als er in Hannover kurz vor Schluss verlor, diesmal den Lucky Punch in der letzten Minute selbst gesetzt. In Mainz zeigte sich dennoch das alte Problem der Dortmunder: hoch überlegen nutzten sie zu wenige Möglichkeiten, ließen einen unglücklichen Gegentreffer zu und mussten deshalb bis in die Nachspielzeit hinein zittern, ehe Rechtsverteidiger Lukas Piszczek mit einem abgefälschten Schuss die schwarz-gelben Fans erlöste und seinem Trainer Jürgen Klopp vor der nächsten Europapokalwoche etwas Ruhe verschaffte.

Unruhig ging es in der vergangenen Woche auch auf Schalke zu. Völlig überraschend hatte Coach Ralf Rangnick wegen eines Erschöpfungssyndroms seinen Rücktritt bekannt gegeben und damit eine neue Debatte über die psychischen Belastungen im Profifußball aufkommen lassen. Die Spieler des FC Schalke mussten am Samstag natürlich dennoch ran und zeigten gegen den SC Freiburg endlich bekannte Offensivqualitäten. Nach drei Pflichtspielen mit nur einem Tor kam die Tormaschine wieder einmal richtig ins Rollen: 4:2 hieß es am Ende durch vier unterschiedliche Torschützen, was die Variabilität der Schalker Vordermannschaft unter Beweis stellt. Nun fehlt nur noch Konstanz… und natürlich ein neuer Trainer. Ralf Rangnick kann man dagegen nur alles Gute und baldige Genesung wünschen!

Die Tabellenspitze bleibt in bayerischen Händen

Bei all diesen Befreiungsschlägen gab es jedoch auch Gewohntes zu beobachten. Vorn in der Tabelle halten drei Vereine den Rest der Liga auf Abstand. Wenig überraschend ist die Führung des FC Bayern. Verwundern darf dabei aber dennoch die unglaubliche Frühform der Münchener. Erst ein einziges Pflichtspielgegentor steht zu Buche. Manuel Neuer beklagt bei der bärenstarken Hintermannschaft meist große Langeweile. Vorn funktioniert die Kombinationsmaschinerie ebenfalls fast perfekt. Das 3:0 gegen Mitfavorit Leverkusen war ein Highlight des Spieltags. Nun muss man sich also ernsthaft fragen, wer die Bayern in dieser Saison stoppen will und ob der Angriff auf den Champions-League-Titel im eigenen Stadion nicht tatsächlich realistisch ist.

Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach heißen die direkten Verfolger. Beide Teams sind vom Spielermaterial her eigentlich nicht in der Lage, dauerhaft mit den Bayern mitzuhalten, haben derzeit aber eine herausragende Form. Doch während die Gladbacher versuchen, auf dem Boden zu bleiben und erst einmal von Spiel zu Spiel zu denken, spricht Bremens Goalgetter Claudio Pizarro mutig von Platz 1. An der Weser soll das schwache letzte Jahr endgültig vergessen werden.

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