Biographie oder Biografie

Es ist ein weiteres klassisches Beispiel, wie die Rechtschreibreform so vieles nicht wirklich vereinfacht hat, sondern nur dafür sorgt, dass man vollends verunsichert ist und noch weniger Bescheid weiß. Das Wort Biografie oder eben auch Biographie taucht in beiden Schreibungen regelmäßig in den Medien auf, und scheint ohne Probleme mal mit „f“ und mal mit „ph“ verwendbar zu sein.

Ursprung des Wortes

Biographie mit „ph“ lässt sich eindeutig auf sein griechisches Ursprungswort zurückleiten. Es stammt nämlich aus dem Altgriechischen und bedeutet soviel wie „Lebensbeschreibung“ und setzt sich im Deutschen aus den beiden Wörtern Bio- und -graphie zusammen. Bio- stammt vom griechischen Wort βίος bíos ab und bedeutet schlichtweg „Leben“. Das Grundwort -graphie stammt dabei vom griechischen Verb γράφειν gráfein ab, was übersetzt soviel wie „zeichnen“ oder „schreiben“ bedeutet. Als Substantive bedeutet es dementsprechend „Schreibung“ und wurde ins Deutsche in zahllosen Fremd- und Fachwörten übernommen. Dabei entschied man sich für die Schreibung mit „ph“, um den Ursprung, nämlich das Griechische, erkennbar zu machen. Es gibt unzählige Wörter aus allen möglichen Fachbereichen, die bis heute das Grundwort -graphie beinhalten:

Für meine Doktorarbeit musste ich eine seitenlange Bibliographie erstellen.

Die Kalligraphie ist eine wahre Kunst.

Die Demographie unseres Landes hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt.

Die Rechtschreibreform und ihre Hintergründe

Mit der Rechtschreibreform von 1996 entschied man sich vor allem die Ortographie (oder seitdem eben auch die Ortografie) im deutschsprachigen Raum der Aussprache anzupassen, das bedeutet vereinfacht: Ein Wort soll so geschrieben werden, wie wir es auch aussprechen. In diesem Fall, wo „f“ gesprochen wird, sollte auch „f“ stehen. Und so wurde die Wortgruppe, die das aus dem Griechischen abgeleitete „-graphie“ beinhaltete, wegen seiner Aussprache zu „-grafie“ umgewandelt. Die gut gemeinte Vereinfachung klingt logisch, führt aber bis heute zu einem Wirrwarr und Unsicherheiten im allgemeinen Gebrauch.

Faustregel für viele Gelehrte ist, Fachwörter und in den Bereichen der Wissenschaft verwendete Fachtermini mit „ph“ zu schreiben, wohl um die griechische Nähe und die Bedeutsamkeit zu betonen, in anderen, mittlerweile nicht mehr als Lehnwörter wahrgenommene Begriffe wie Fotografie oder eben auch Biografie werden mtitlerweile sehr oft die Schreibungen mit „f“ bevorzugt, da sie eben der deutschen Aussprache entsprechen. Dies ist der Fall, da diese Wörter mittlerweile für unsere Ohren schon so deutsch und alltagsgebrauchlich geworden sind, dass wir sie ohnehin nicht mehr als „ursprünglich griechisch“ wahrnehmen.

Summa summarum: Erlaubt ist, was gefällt

Eine wirkliche Falschschreibung gibt es also nicht wirklich, sämtliche -graphie/-grafie Wörter können je nach gusto mit „ph“ oder „f“ geschrieben werden. Wer die griechische Nähe zum Ausdruck bringen will, sollte bei der alten Schreibung bleiben, wen Ursprünge nicht interessieren oder die „f“-Schreibweise als stimmiger in deutschen Texten empfindet, darf auch gerne über die Bibliografie die Kalligrafie und die Demografie sprechen.

Und für all die, die nun immer noch keine Ahnung haben, ob es denn nun schöner aussieht, über eine Biographie oder eine Biografie zu schreiben, können ja auch einfach stattdessen das Wort Lebensgeschichte verwenden. Das ist nämlich deutschen Ursprungs, und wurde auch schon vor der teils so ungeliebten Rechtschreibreform genauso geschrieben.

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