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    Start » Bierwerbung: keine Werbung für Frauen, oder trinken Frauen einfach kein Bier?
    Finanzen & Handel

    Bierwerbung: keine Werbung für Frauen, oder trinken Frauen einfach kein Bier?

    6. März 20114 Minuten Lesezeit

    Zumindest, wenn es um die „ordentlichen“ Biersorten geht, denn wenn man gepanschte Alkopop-Mischungen mag, zuckrig süßes Cola-, Lemon- und Apfel-Bier trinken möchte, dann wird man auf jugendlichen Werbespots mit lauter schönen, feiernden Menschen freundlich willkommen geheißen. Aber richtiges Bier für richtige Männer? Richtige Frauen sollten davon fern bleiben.

    Frauen und Bierwerbung – Willkommen in den 60ern

    Während sich die Welt also weiter dreht, bleibt die Bierwerbung tief in den Prä-68ern stecken und besinnt sich auf Rudi Assauer und sein Stepford Weibchen, die sich einfach alles gefallen lässt, so lange Herrchen fein die Moneten rüber wachsen lässt, sogar die Tatsache, dass er anscheinend mehr in sein Bier verliebt ist, als in sie.
    Nun kann man mir ja vorwerfen, dass ich hier mit Alice Schwarzer Feminismus vom Leder ziehe und stark übertreibe, aber überlegen Sie einmal, ob es eine Bierwerbung gibt, in der ausschließlich Frauen eine gute Zeit haben, oder ob es sogar eine Bierwerbung gibt, in der der Mann das Lockobjekt ist und die Frau die Oberhand behält.

    Merkwürdig, dabei wirkt Bier bei Frauen sogar anregend, ganz im Gegensatz zu den Männern, deren Libido vielmehr schlapp macht, sobald das Hefegetränk seine Wirkung zeigt. Wäre es demnach nicht sogar von Vorteil für beide Geschlechter, wenn auch Frau etwas Aufmerksamkeit gegönnt wird?

    Zugegeben, im Gegensatz zu den durchschnittlich 92,3l Bier die Männer pro Jahr schlucken (Nationale Verzehrstudie), schaffen es Frauen gerade einmal auf 14,2l, aber das wäre doch eher ein Gegenargument, immerhin braucht man wohl keinen Mann mehr vom kühlen Nass zu überzeugen, wohl aber all die Wein- und Sektrinkerinnen.

    Wenn aus dem Witz ernst wird

    Nun gut, positive Bierwerbung für Frauen ist also ein Tabuthema, aber selbst wenn das noch amüsant besprochen werden kann, ist die Frauenrolle in an Männer gerichtete Werbespots weitaus weniger witzig.
    Aus einer feministischen Sicht darf man sich wundern, die andauernde Objektifizierung, die so weit geht, dass die Frau mit einem Genussmittel verglichen wird, also zum Objekt herabgestuft wird, ist daher nicht nur kontraproduktiv für das Geschäft, sondern vielmehr sexistisch und gefährlich für die weiterhin hohe Zahl an Gewaltverbrechen an Frauen. Auch wenn es auf den ersten Blick oftmals witzige Werbung ist, so geht das Bild der willigen Frau gegenüber dem betrunkenen Mann schneller in das Unterbewusstsein über, als man denkt, Witze wie „40 Gründe, warum Bier besser ist als Frauen“, sorgen dafür, dass der Respekt vor dem anderen Geschlecht sinkt, die Hemmschwelle sinkt da gleich mit.

    Der Bierindustrie alleine kann man die Schuld natürlich nicht in die Schuhe schieben, aber die Kombination von Alkohol und einem negativen Frauenbild ist nun einmal nicht sehr ideal, im Gegensatz dazu kommt der Mann in an Frauen gerichtete Werbespots sehr viel besser weg, sehr selten avanciert er zum Sexspielzeug oder Bierersatz.

    Mehr Info zu Geschlechterrollen in der Werbung gibt es übrigens von Jean Kilbourne und ihrer „Killing Us Softly“ Reihe, darin werden übrigens auch negative Repräsentationen von Männern dargestellt, denn auch die müssen sich mit heiklen Werbe-Vorbildern messen.

    Werbung ist nicht harmlos, sondern spiegelt die Gesellschaft in einem Zerrbild wieder, aber beeinflusst sie auch, daher sollte sie nicht unterschätzt werden. Was wir in der Werbung sehen, sind Ideale denen wir nachstreben sollen. Die Produkte, die beworben werden, sollen uns dabei helfen, das Ideal zu erreichen. Aber weder helfen uns die Produkte tatsächlich, noch sind diese Ideale realistisch, so dass wir am Ende vor unserer eigenen Unzulänglichkeit kapitulieren müssen, wenn wir Werbung nicht bewusst wahrnehmen und kompetent verarbeiten können.

    Versöhnendes Schlußwort:

    Ach Bier, eigentlich bist du doch gut zu uns, solange wir es nicht mit dir übertreiben, sorgst du für Energie und ein wenig Lustigkeit, aber wenn sich die Werbeindustrie nicht langsam mal ein neues Konzept ausdenkt, müssen wir Frauen unsere Lieblingssorten bald aufgeben und auf Geschlechts-neutrale Marken umsteigen, oder noch besser – alles selber brauen.

    Weiterführende Links:

    http://video.google.com/videoplay?docid=5695422070182142487# – Frauen und Werbung

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