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    Start » Beleidigung als Fan-Beweis? Diskussion um die Schmährufe gegen Dietmar Hopp
    Fussball

    Beleidigung als Fan-Beweis? Diskussion um die Schmährufe gegen Dietmar Hopp

    19. August 20114 Minuten Lesezeit

    Ja, es ist wahr, gepflegte Rivalitäten und der ein oder andere böse Spruch in Richtung Erzfeind-Verein gehören im Fußball dazu. Die Schalker können nicht mit den Dortmundern, die HSV-Fans streiten sich am liebsten mit St. Pauli und die Bayern-Mannschaft wird sowieso von allen Bundesliga-Anhängern, außer den eigenen, mit Leidenschaft gehasst. Was nun aber als Debatte nach Hoffenheims Sirenenangriff vom Wochenende für eine Diskussion losgetreten wurde, und wie sich so mancher Fußball-Journalist zum Thema äußerte, gibt Schmähgesängen und Beleidigungen in der Fußballwelt eine neue Dimension. Und ganz klar stellt sich die Frage, wo denn so manches Fantum anfängt und wo gesunder Menschenverstand aufhört.

    Ruhigstellung der BVB-Fans in Hoffenheim

    Nach den unschönen Vorfällen am 2. Bundesligaspieltag, als offiziell einzelne Personen außerhalb der Vereinsführung im Hoffenheimer Stadion die mitgereisten BVB-Fans jedes Mal, als diese zu Schmähgesängen gegen Hauptsponsor Dietmar Hopp anstimmten, mit Hilfe einer Beschallungsanlage verstummen ließ, entwickelte sich ein Desaster für den Verein. Zensur, schwere Körperverletzung, Ungeheuerlichkeit – entzürnten sich unzählige, wohl zum ersten Mal in trauter Einigkeit übereinstimmende Fanforen von Schalke und Dortmund. Über Hoffenheim als Stasi-Verein, einen Club, der kommunistische Prinzipien vertrete und den bösen, immer nur um sein Image besorgten Übervater Hopp war da noch in den netteren Beiträgen zu lesen. Seit Samstag hagelte es Anzeigen wegen Körperverletzungen und Verletzung der freien Meinungsäußerung und resultierte vor allem in einem groben Imageverlust der TSG. Zugegeben werden muss, dass die Vereinsführung extrem ungeschickt agierte, nichts von einer geplanten und abgesegneten Gegen-Beschallung wissen wollte und alles auf unbekannte Einzelpersonen schob, die die Anlage gebastelt hätten. Das wiederum würde für ein erhebliches Sicherheitsproblem der Arena sprechen und schadete lediglich der Glaubwürdigkeit des Vereins.

    Rivalität gehört dazu, persönliche Beleidigung auch?

    Dass eine gewisse Rivalität, eine gewisse Leidenschaft und ein Aufeinandertreffen der Emotionen in den Fanblöcken der Fußballstadien dazugehört steht außer Frage. Denn genau diese Stimmung macht das Stadionerlebnis ja auch aus. Allerdings, und dieses allerdings ist mit Ausrufezeichen zu lesen, muss man sich auch ganz klar an den Kopf langen, wenn auf renommierten Fußballseiten Schmähgesänge wie das am Samstag gegen Hopp vorgetragene „Sohn einer Hure“ zum „integralen Bestandteil der Stadionkultur“ erhoben werden. Und was soll man denken, wenn auf einmal ein Mann – der so kontrovers seine Ambitionen die TSG Hoffenheim dank viel Geld vom Dorfklub in die Bundesliga zu führen sein mögen – vom Opfer bösester und persönlichster Diffamierungen ganz einfach zum diktatorähnlichen Täter und „dauerbeleidigten Turnvater“ gemacht wird? Dietmar Hopp selbst sagte am Samstag, dass diese Schmähgesänge auf seine Person ihm weh tun und forderte die Leute auf, sie sollten „mal darüber nachdenken, wie es ist, vor 30.000 im Stadion und Millionen Fernsehzuschauern als „Sohn einer Hure“ beschimpft zu werden.“ Man mag zu Hopp und seiner Vereinspolitik stehen, wie man will, aber man sollte sich diese Aussage zu Herzen nehmen – und sich tatsächlich einmal in seine Situation versetzen.

    Notwendige Diskussion

    Vielleicht waren die Maßnahmen der TSG an diesem Wochenende falsch, vielleicht haben sie aber auch etwas losgetreten, was seit langem zu Normalität heranwächst. Man muss unterscheiden, zwischen einem emotionsgeladenen Fußballanhänger, der am Bremer Heimstammtisch mal über die „dummen Bayern“ lästert oder einen Dortmunder, der „die Schalke-Deppen“ verspottet. Die einzelne Person Dietmar Hopp, die „auch nur ein Mensch“ ist, in solch diffamierender und verletzender Weise zusammengerottet zu Tausenden jedoch zu beleidigen, hat mit Fantum nicht mehr viel zu tun. Und all jene, die nun mit Tradition in der Fußballgemeinde ankommen, mit lang gehegten Rivalitäten und dem Urkult der Bundesliga, denen sei gesagt, dass laut ihrer Meinung Hopp und Hoffenheim dort ja sowieso nichts verloren hätte – denn Tradition gibt es im Kraichgau ja ohnehin nicht.

    Im Moment sieht es eher so aus, als ob Hoffenheim mit Konsequenzen aus der Stummschaltung zu rechnen hat – nachvollziehbar in einem Rechtsstaat, in dem freie Meinungsäußerung eines der wichtigsten Grundrechte ist. Vielleicht denkt aber der ein oder andere auch mal über Hopps Worte nach, und singt das nächste Mal statt Beleidigungen ganz einfach einen Lobgesang aufs eigene Team?

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