Barcelona bietet dem Massentourismus die Stirn

Barcelona bietet dem Massentourismus die Stirn

Die katalonische Hauptstadt Barcelona ist seit jeher eines der beliebtesten spanischen Reiseziele.
Jährlich zieht es über sieben Millionen Besucher in die Metropole am Mittelmeer, doch seit Ende vergangenen Jahres sind die Umsätze durch den Tourismus um rund acht Prozent zurückgegangen.

Mehr Stadt für die Bürger

Laut der spanischen Zentralregierung liegen die Gründe für die rückläufigen Besuchszahlen zwar beim missglückten Unabhängigkeitskurs Kataloniens, zusätzlich ist aber Barcelona selbst daran interessiert, die Besucherscharen einzudämmen. Zumindest ist dies der Plan der Oberbürgermeisterin Ada Colau – sie will den Bürgern die Stadt zurückgeben und fordert tragbare Mietpreise für die Bewohner und eine Einschränkung bzw. bessere Verteilung der Touristenmassen. Das sehen aber noch lange nicht alle so: Auch wenn die Einwohner nicht direkt vom Tourismus leben, liegt es durchaus im Interesse der Geschäftswelt den Besucherstrom am Leben zu halten, immerhin schafft diese Branche etwa 2,5 Millionen Arbeitsstellen. Rund 80 Prozent der Bewohner sind der Überzeugung, Barcelona profitiere sehr vom Tourismus – Ein Umstand der Colau nicht gerade in die Karten spielt.

Aktionen von linksradikalen Gruppen

Während auf der politischen Ebene noch diskutiert wird gibt es aber auch Gruppierungen die zur Tat schreiten und mit Gewalt versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. So sorgte beispielsweise die linksradikale Jugendgruppe „Arran“ für internationale Schlagzeilen, als sie einen Reisebus stoppte, die Reifen zerstach und „Tourismus zerstört die Stadtviertel“ auf die Scheiben sprühte.

In einem Manifest, welches im Internet veröffentlicht wurde, prangern sie das derzeitige Tourismusmodell an: „Der Massentourismus führt zu prekären Arbeitsverträgen, zur Vertreibung der alteingesessenen Bewohner, der Verdrängung traditioneller Läden durch Geschäfte und Bars für Touristen.“ Derzeit würde der Staat ein Modell unterstützen „in dem sich wenige bereichern, während es für die Mehrheit Nachteile bringt.

Stadtentwicklungsplan verspricht Besserung

Der unter Ada Colaus Leitung erstellte Stadtentwicklungsplan enthält viele Maßnahmen gegen den Massentourismus. So soll künftig statt auf Massen- mehr Wert auf Qualitätstourismus gelegt werden – bei gleichbleibenden Umsätzen. Konzentrieren will man sich vor allem auf drei Bereiche: Weniger Betten, Lärmschutz und Nachtruhe sowie Einschränkungen für Kreuzfahrtschiffe.

Als erste Amtshandlung machte Colaus die Genehmigung für 30 große Hotelbauprojekte rückgängig und auch die Vermietung von Privatwohnungen wurde mit strikten Reglements versehen. Trotzdem fehlt der Stadt derzeit schlicht und ergreifend das Personal, um flächendeckend dafür zu sorgen, dass Regelungen dieser Art auch wirklich eingehalten werden.


Bild: Thinkstock, 158308055, iStock, Mapics

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