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    Start » Clap Your Hands Say Yeah im Interview über ‚Hysterical‘
    Musik

    Clap Your Hands Say Yeah im Interview über ‚Hysterical‘

    18. September 20115 Minuten Lesezeit
    Jagged Alliance geht in eine neue Runde. Nach jahrelanger Stille kommt der Strategiehit wieder zurück auf die Mattscheibe. In 3D und mit altbewährten rundenbasierten Kampfsystem.

    Für jemanden, der Clap Your Hands Say Yeah nur vom Hören und weniger vom Fotostarschnitt kennt, ist die erste Begegnung ein wenig überraschend, denn die Zwillingsbrüder Lee und Tyler Sargent unterscheiden sich gerade mit so viel Bart, bzw. Mangel an Bart, dass man erst einmal kurz innehalten muss, zumal man immer paranormale Phänomene von Zwillingen erwartet, Filme gibt es immerhin genug darüber.

    Clap Your Hands Say Yeah im dröhnenden Interview

    Aber fliegende Möbel und Gedankenübertragung sind nicht zu erwarten, denn das Interview wird mit Lee (Gitarre, Keyboard) und Sean (Schlagzeug) geführt, 500 Meter vom Interviewraum entfernt: die große Berlin Festival Bühne und ein dröhnender James Blake.

    Vier Jahre lang haben sie für das Album gebraucht, nun, nicht so ganz, den eigentlich waren alle fünf Bandmitglieder mehr als fleißig während dieser Zeit und das eher mit anderen Projekten als Clap Your Hands Say Yeah:

    Sean: Vor ein paar Jahren haben wir versucht, ein paar Songs zu schreiben, aber es hat sich nicht richtig angefühlt und nachdem wir es ein paar Mal versucht haben, haben wir uns entschieden, es eine unbestimmte Zeit sein zu lassen. Alex hat ein Album als Flashy Python heraus gebracht, Robbie und Tyler haben ein Album als Uninhabitable Mansions veröffentlicht und Robbie spielt außerdem Schlagzeug in der Band Radical Dads, die gerade sehr erfolgreich in den USA sind. Ich habe Alben produziert von Bands wie Conversion Party, Tom McBride, Lee hat viel mit Soundtracks zu tun gehabt und arbeitet auch zur Zeit an einigen Filmen.

    Lee: Das sind alles Low Budget Sachen, ich mach Musik für Freunde, die Dokumentationen drehen, eins ist über Taxidermisten (Leute, die Tiere ausstopfen), bei der anderen weiß ich gar nicht, worum es da gehen wird.

    Auf die Frage, ob Sean überlegt hat, nach seiner Produzententätigkeit auch Hand an das neue CYHSY Album zu legen, meint er nur, dass er zwar gerne weiterproduzieren würde, aber bei Clap Your Hands Say Yeah Angst hätte, dass die andere Rolle in der Band, die er dadurch einnehmen würde, das Bandgefüge kontraproduktiv beeinflussen würde.

    Den Fans mag es nicht wirklich so vorgekommen sein, aber mit ihrem zweiten Werk „Some Loud Thunder“ war die Band nicht sehr zufrieden und das nicht nur, weil das Albumcover einige Schelte von der Musikpresse erhalten hatte. Zu ambitioniert, zu gewollt experimentell, die Rückkehr zur Band sollte auch eine Veränderung im Songwriting und in der Studioarbeit mit sich bringen, weshalb Produzent John Congleton bewusst gewählt wurde, um etwas Ordnung in die wunderbar konfusen Ideen der Band zu bringen.

    Lee: Ich glaube, genau das passiert, wenn man jemand Aussenstehenden mit einbezieht und das ist der Job des Produzenten und besonders auf diesem Album war das eine bewusste Entscheidung.

    Sean: Beim zweiten Album waren wir mehr oder weniger auf Tour und mussten viele Dinge kurzfristig entscheiden, als wir es aufgenommen haben, hatten wir gerade eine Tour hinter uns und waren in diesem etwas anderen Denkumfeld und Dave war großartig, ein fantastischer Produzent und es war wahrscheinlich nicht Daves Schuld, sondern hatte eher damit zu tun, dass wir einfach versuchen mussten, uns etwas mehr zusammenzureißen. Für das dritte Album war es daher definitiv eine bewusste Entscheidung, denn wir mochten John und seinen Enthusiasmus und wie seine Alben klingen und wir dachten, dass er ein Album nach unseren Vorstellungen produzieren könnte und das hat er auch gemacht.

    Hysterical aufgeräumter als die Vorgänger

    Das erscheint auf den ersten Blick enttäuschend, immerhin hat man doch gerade diese erratischen Ausbrüche und Albernheiten so geliebt, ein „Satan said dance“ wäre sicherlich nicht unter strenger Regie entstanden. Aber auch wenn „Hysterical“ die konfusen Spielereien eingebüßt hat, der Charme der Band bleibt dennoch bestehen, denn das Herz ihrer Musik liegt nicht in ihrer Exzentrizität, sondern in der Wärme, wie auch der Opener „Same Mistake“ beweist, der einem sonnig versichert, dass man sie immer noch lieb haben darf.

    Für das aktuelle Albumcover wurde übrigens eine Anverwandte hinzu gezogen und zwar Maya Pindyck, eine bekannte Dichterin, die rein zufällig mit Tyler verheiratet ist und großzügig ihre Sammlung an Kunstwerken zur Verfügung gestellt hat, um zu einem Cover zu verhelfen.

    Lee: Das ist Tylers Frau, ich weiß nicht genau, wie der Prozess war…

    Sean: Tyler und Robbie saßen zusammen, wir haben verschiedene Kunstszenarien in Erwägung gezogen und irgendwann saßen Tyler und Robbie zusammen und haben sich Mayas Bilder angesehen und haben sie der Band vorgestellt und das Resultat ist wirklich gut geworden, ich mag das Albumcover, es zieht die Aufmerksamkeit in angenehmer Weise auf sich.

    Es sind die kleinen Dinge im Leben – die einen in den Wahnsinn treiben

    In einem anderen Interview meinte Sänger Alec, dass es in dem Album vor allem um die kleinen Dinge geht, auf die man sich manchmal so sehr konzentriert, dass man völlig verbissen am Wesentlichen vorbei lebt. Die Frage, was für kleine Dinge denn Sean und Lee in den Wahnsinn treiben, schmunzelt Sean:

    Ich glaube, dass es sehr einfach ist, bei Bandmitgliedern Dinge komplett aufzublasen, ohne sich das Ganze aus der Distanz anzusehen und sich deshalb unnötig aufzuregen und ich denke, dass Alec genau das meint und das gilt wahrscheinlich für alle aus der Band – mit Ausnahme von Robbie.

    „Hysterical“ mag keine großen Überraschungen a la „Some Loud Thunder“ bieten, dafür ist es ein wunderbar einnehmendes Indiepop Album, dass immer noch genug Eigenheiten in sich trägt, um nicht nach drei Durchläufen gelangweilt die Skip-Taste zu strapazieren. Ganz im Gegenteil, es wächst einem ans Herz und zeigt, dass die weitschweifenden Experimente des Vorgängers nicht verschwunden, sondern kompakter und vor allem subtiler auf 12 Songs versteckt wurden – man muss sie nur finden.

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