Angespielt: ?Scarface: The World is yours!? von Vivendi/Sierra-Games für die Playstation 2 inkl. You-Tube Trailer-Video

Und zwar fängt das Spiel exakt dort an, wo der Film aufhört. Leider, denn im Vorwege haben wir uns doch alle eines gewünscht: dass wir uns von einem kleinen kubanischen Straßenkriminellen an einer Imbissbude in Miami, zu einem der größten Drogenbosse aller Zeiten in den USA hocharbeiten. Mit dem Wohlwissen, dass wir zum Ende hin ins Gras beißen müssen. Dadurch haben die Macher es zumindest erreicht, dass ein großer Handlungsfreiraum besteht und der Spieler im Endeffekt nicht denken muss, dass alles an Aufbauarbeit umsonst war. Daher verfliegt dieses wirre Gefühl bzgl. der Handlung recht schnell und Tony zieht den Spieler in seinen Bann. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass der Spieler sich mit dem begrenzten Wortschatz von Tony Montana und ähnlichen Charakterzügen „identifizieren“ kann. Da „Scarface“ mit zu meinen absoluten Lieblingsfilmen gehört, war das nicht schwer. Allerdings lege ich meinen Faible für Flüche und skrupellosen Attentaten nach dem Zocken wieder schnellst zu den Akten.

An sich beginnt ihr nach dem „misslungenen“ Attentat erneut als kleiner Straßendealer, weil ihr als erste Konsequenz vorübergehend untertauchen musstet. Ihr müsst ihr euch abermals mit kleinen Banden und deren „Geschäftspartnern“ auseinandersetzen, einige von diesen als Handlanger abwerben und den übrig gebliebenen Part ausmerzen. Durch ein mächtiges Waffenarsenal, welches sich in Tony Montanas Kofferraum befindet, fällt das „Korrigieren“ der Hirarchie-Verhältnisse ein wenig leichter.

Im Gegensatz zur ungekürzten Fassung muss der Spieler in der deutschen Fassung z.B. auf die Kettensäge verzichten, was ich äußerst frustrierend finde, weil dem Spieler somit eine der erinnerungsträchtigsten Waffen aus „Scarface“ genommen wird. Dadurch werden auch dem Spieler spezielle Moves vorenthalten. In der ungekürzten Fassung hat Tony nämlich noch eine Art „Finisher“ im petto, womit dem Gegner der Gar ausgemacht wird. Hinzu kommt, dass durch die Kürzung einige Sequenzen komplett entfernt werden mussten, weil es der „FSK“ ein bisschen zu weit ging. Es entgeht dem „Deutschen“ also einiges. Beschwerden also mal wieder bei der „FSK“ einreichen (und nicht beim Publisher Sierra/Vivendi), die dem Erwachsenen immerzu vorschreiben wollen, was/wie der zu spielen hat.

Durch den erfolgreichen Abschluss von Missionen steigt euer Ansehen. Wenn diese Anzeige voll ist, was auch durch riskante Fahrmanöver und lächerlich machen des Gegners erreicht wird, rastet Tony aus. Hier gelangt der Spieler dann in den altbewährten Bullet-Time-Modus, welcher im Gegensatz zu einigen anderen Spielen (u.a. Matrix) gut umgesetzt wurde. Der Bullet-Time-Modus versetzt euch in die Egoperspektive und eine Art Kokainrausch, wie zum Ende des Filmes, wo ihr unverwundbar scheint. Dieser Modus rettet euch durch viele ausweglose Situationen, weil einfach niemand eurer Gegner den Hauch einer Chance hat.

Umso mehr Ansehen ihr erreicht, desto mehr Wahnsinnsbräute könnt ihr aufreißen und z.B. auch eure heruntergekommene alte Villa zurück erlangen. Dies geschieht indem ihr den korrupten Beamten ein paar Scheinchen zuschiebt. Gleichwohl eure Protzvilla nicht nur dem Zweck des Ansehens dient, sondern auch den Zweck erfüllt, dass eure Lebensenergie gesteigert und eure Bullet-Time-Phasen länger werden.

Als „Scarface“ seid ihr jedoch nicht nur das Narbengesicht Tony, sondern stellt eure Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Dementsprechend schlüpft ihr also in die Rollen anderer Charaktere. Mal seid ihr ein Auftragskiller, der lästige Bandenmitglieder aus dem Weg schafft und ein anderes Mal schlüpft ihr in die Rolle eures Fahrdieners, um luxuriöse Autos zu stehlen. Allerdings muss nicht ständig die Keule ausgepackt werden. Durch euren Einfluss reichen hin und wieder auch Bargeld und herbe Drohungen den Gesetzeshütern gegenüber. Dies muss sein, weil eure Lieferanten ansonsten Panik schieben und die Lieferungen, wegen mangelnder Sicherheit, einstellen. In diesem Falle würde euer Imperium schnell den Bach runter gehen.

Im Laufe des Spiels werden die Abläufe ein wenig komplizierter. Dennoch sind sie nicht unlösbar. Nach einiger Zeit kommt sogar ein Hauch von Routine auf. Aber wie wir alle wissen: lieber mal ein bisschen Routine, als ständige Neuerungen, die den Ablauf durcheinander bringen. Zum Glück gibt es auch keine unnötige Endlandkarte, die den Spieler verwirren könnte. Miami und seine kleinen Nebenschauplätze bleiben wunderbar übersichtlich und durch die Sumpf- und Palmengebiete entstehen teilweise sehr schöne Kontraste. Spiele wie GTA San Andreas sind mir persönlich viel zu riesig angelegt.

Ähnlich wie zuvor bei Saints Row und den GTA-Teilen kommt es in diesem Spiel zu der Verfolgung des Hauptcharakters seitens der Cops. Beschwichtigt ihr diese, steigt das Vertrauen der Polizisten und ihr seid weiterhin auf freiem Fuß. Seid ihr unachtsam müsst ihr mit einer Verfolgung rechnen, die es in sich hat. Vor allem wenn eure Flucht ohne fahrbaren Untersatz erfolgt. Hier stehen die Aussichten sehr schlecht und wenn ihr nicht getötet werdet, seid ihr zumindest euer Bargeld und nicht verkauften Drogen los. Im Übrigen gilt es hier schon, dass die Verfolgung bei dem ach so kleinsten Delikt startet, da auch die winzigste Autopanne die Aufmerksamkeit der Polizisten erregt. Mit dem unlogischen Einsatz eines Mobiltelefons (Hallo, wir sind im Jahre 1982) werden eure Fluchtversuche später wesentlich einfacher. Ihr braucht nur eueren Kollegen rufen, welcher euch das Auto bringt. Das Handy dient jedoch nicht nur zum Rufen eures Privatchauffeurs. Hiermit könnt ihr ansonsten auch Aufträge einholen und Bestellungen von Waffen aufgeben.

Falls sich die Filmfans unter uns noch an den Soundtrack und die Synchronstimmen (Original) erinnern können, werden sie hier allerlei Bekanntes zu hören bekommen. Die Musik spiegelt die Atmosphäre des Spiels perfekt wieder und auch die Synchronstimmen konnten zum größten Teil zusammengehalten werden. Nur Al Pacino konnte nicht verpflichtet werden. Allerdings ist der „Ersatzsprecher“ an Klang und Charisma kaum zu übertreffen, weshalb der Verlust von Pacino gar nicht ins Gewicht fällt. Überrascht hat mich die Tatsache, dass die Untertitel ziemlich derb umgesetzt wurden. Für deutsche Standards nicht üblich.

Der grafische Aspekt hat mehr oder weniger gar keinen Einfluss auf die Bewertung. Weder fällt er negativ auf, noch gerät der Betrachter ins Staunen. Ein wenig mehr Liebe zum Detail hä
tte ich mir lediglich bei der Umgebungsgestaltung gewünscht. Denn einige Stätten sind nicht allzu deutlich wieder zu erkennen. Ein dickes Plus gibt es für die Umsetzung von „Narbengesicht“. Die Animationen und Gestiken von Tony Montana wurden beachtlich gut umgesetzt. Insofern erfreulich, weil die Erinnerungen an den Film sehr schnell wieder hochkommen. Ein richtiger Ahhh-Effekt.

Im Endeffekt bleibt zu sagen, dass ich mir als Release die Uncut-Version gewünscht hätte. Keinesfalls hätte diese in die Hände von Jugendlichen geraten dürfen, aber mir haben die Schnitte dermaßen auf das Gemüt geschlagen, dass der Spielspaß darunter litt. Das ist schade, denn solche grandiosen Einfälle, wie die Fluchtaste(mit dem bekannten Vokabular von Tony Montana. Ich möchte an die berühmte Badewannenszene erinnern… Ein rhetorisches Meisterwerk family: Wingdings“>J ), haben mich begeistern können. Würde es keine Uncut-Version geben, hätte ich mich dann auch beschwert? Schließlich sind die übrig gebliebenen Szenarien nicht die Verkehrtesten, wenn man es gerne deutlich herber hat. Das Gameplay war auf der Playstation 2 sehr passabel. Ich muss jedoch darauf hinweisen, dass jeder Button meines Pads belegt war, da die Steuerung sehr umfangreich ist. Über ein zu leichtes Spiel kann bei „The World is yours“ nicht die Rede sein. Dennoch sollte der Schwierigkeitsgrad für die „Spieler“ unter uns keinerlei Hindernis darstellen. Auffallend und hervorzuheben war die übersichtliche Map. Zu keiner Zeit musste ich orientierungslos umherirren und verlor somit keine unnötige Zeit um das Drogenimperium von Tony Montana wieder aufzurichten.

4 Meinungen

  1. ich bin mit spielen wie der monkey island reihe, baphomets fluch, dott und indiana jones aufgewachsen (danke, lucas arts). hab sogar mal in der grundschule irgendson kunstpreis gewonnen, weil ich den hamstergenerator und die matschmaschine nachgemalt hab ;)will sagen: der heutigen jugend fehlt es deutlich an phantasie und kreativität. wozu auch, wenn man sich seinen weg „freiballern“ kann?

  2. woher hast du denn die information, daß die heutige jugend sich nur noch für ballerspiele interessieren würde und keine adventures oder rollenspiele mehr spielt? schon alleine die mitgliedszahlen z.b. von world of warcraft sprechen m.e. gegen eine solche theorie.

  3. @Jan:Ich bin auch mit den lässigen Adventures von LucasArts große geworden und bedauere die Entwicklung der letzten zehn Jahre sehr.Jedoch grenzt es meiner Meinung auch nicht an Genialität oder sonderlich ausgeprägter Kreativität, wenn man eine Idee aus einem Computerspiel nimmt und diese dann in der Schule als eigene „verkauft“ ;)Gruß,TOM

  4. Hab mir jetzt auch das Spiel für den PC geholt. Das Spiel ist schongeil und auch die Graphik mit ausnahme Paar kleiner Bugs läßt sich sehen nur die Steuerung find ich echt scheise und die läßt sich auch nicht umändern.

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