Angerichtet von Herman Koch: Thriller serviert mit einer großen Portion Humor

Er ist „Angerichtet“ ein Abend im Kreise der lieben Familie

Zwei Brüder und ihre Frauen treffen sich im Rahmen von „Angerichtet“ in einem hochgelobten Restaurant zum Abendessen. Einer, Serge, ist Politiker, ganz kurz vor dem großen Durchbruch, der andere, Paul ist davon reichlich angekotzt. Und nicht nur davon. Das Verhalten seines Bruders an sich geht ihm auf die Nerven und das nicht erst seit gestern. Zunächst plätschern die Gespräche, man redet ein wenig um den heißen Brei herum und es ist amüsant, Pauls Gedankengängen zu folgen. Dann aber kommt der Autor zur Sache und holt eine Leiche nach der anderen aus dem Keller. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Hermann Koch eröffnet Schattenseiten des öffentlichen Lebens

Denn die Söhne der beiden haben sich etwas geleistet, was ihr ganzes Leben zerstören könnte und letztendlich geht es bei diesem Gespräch darum, wer die Hosen an hat und entscheidet, wie es mit den Jungs weitergehen soll. Eine interessante Rolle spielen die beiden Frauen, deren weiblicher Einfluss nicht ohne ist und die die Dynamik, die sich entwickelt, entscheidend verstärken. Stück für Stück kommen immer mehr Puzzleteile eines Familiendramas zutage und man schämt sich als Leser fast schon, so viel über die Abgründe der einzelnen Personen zu erfahren. Aber nur fast. Denn dafür ist das Vergnügen an der spannend aufgebauten Geschichte von „Angerichtet“ zu groß, als dass man aus Anstand das Buch aus der Hand legen könnte. Da hat er wahrlich was angerichtet, der Koch.

Es nennt sich Roman, dieses Buch, aber eigentlich ist es ein Thriller. Und zwar einer mit einer großen Portion Humor. Es ist zu köstlich, wie sich der Maître d'hôtel bemüht, seinen Job zu machen und von Paul und nicht nur von diesem, sukzessive fertig gemacht wird. Man möchte dem Kerl am liebsten selbst in den Allerwertesten treten und dann eine Currywurst mit Bier in der Kneipe bestellen.

Herman Koch: Angerichtet, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch im August 2010, zu haben für rund 20 Euro als gebundene Ausgabe.

Jetzt gehört dieses Buch noch zu denjenigen, die ein reizvolles, interessantes Cover haben. Aber wer viel liest, wird zustimmen, dass es so manches Buch gibt, dessen Inhalt gar nicht schlecht ist, dessen äußerer Einband einen aber immer ein wenig beschämt schauen lässt, wenn man sich mit dem Buch in die Öffentlichkeit begibt und Blicken begegnet. Für solche Fälle, aber auch einfach als ganz persönliche Note gibt es bei edition ebersbach – einem Verlag, der es eigentlich nicht nötig hat, seine Bücher von Frauen für Frauen zu verstecken – Buchhüllen aus festem Stoff, mit aufgestickten Stichwörtern wie Schundroman, Mordstitel oder Strandlektüre. Natürlich keine absolute Neuigkeit, aber trotzdem gut gemacht. Ein nettes Geschenk für Vielleser, die sich ihre bibliophile Privatsphäre erhalten wollen.

Die großen Buchhüllen, die auch um den dicksten Schmöker passen, kosten 14,90 Euro, die kleinen 12,90 Euro.

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