…and the winner is: Camilla – oder doch nicht?

Das nenn ich ja mal echt die freie Auswahl. Es ist unglaublich, wie viele Bücher in diesem Jahr die Prinzessin von Wales zum Thema haben. Klar, sie war schön, sie war unglaublich beliebt und sie hat das Mitleid auf sich gezogen – die Rehaugen, der schmale, von Bulimie gezeichnete Körper, ihre wohltätigen Aktionen, dazu noch der tragische frühe Tod. Camilla konnte da wohl kaum gut abschneiden dagegen. Pferd ist noch eines der freundlicheren Schimpfwörter, die die Diana-verliebten Engländer für die Dame parat hatten. Doch wer ist diese Frau, die der vielleicht zukünftige König Englands so sehr liebt, dass er glatt ihr Tampon sein wollte? Wie stark hat die Regenbogenpresse die allgemeine Meinung bestimmt und wie groß muss die Liebe zwischen zwei Menschen sein, um so viel durchzustehen und so viele Jahre zu warten, bis man endlich auch offiziell ein Paar sein kann? Oder war doch alles nur Berechnung einer hinterhältigen Hexe, die „die Königin der Herzen" zugrunde richtete?

Irgendwie war ich mir da nie so sicher und jetzt wollte ich es doch mal genauer wissen. Von dem  Buch „Camilla – die Geschichte einer großen Liebe" des englischen Journalisten Christopher Wilson erwartete ich mir die notwendigen Hintergrundinformationen um mein Bild zu vervollständigen.

Interessant ist es. Wilson versucht doch relativ neutral, beide Seiten zu beleuchten und die Frau hinter der Dauergeliebten des Köngissohnes zu sehen. Sie hat was. Und sie weiß, was sie will. Wilson vermutet sogar, das lässt er immer wieder anklingen, dass Camilla bereits als junges Mädchen den Plan hatte, den Prinzen zu verführen und ihn sich hörig zu machen. Bei ihm sowohl die liebende Mutter als auch die heißblütige Geliebte zu geben. Genau das also, was ein unerfahrener, wohl etwas verklemmter Prinz mit einer dominanten Königin als Mama braucht. Ob die wohl etwas spröde aber anscheinend doch aufgrund ihrer Lebenslust und Erfahrung reizvolle junge Frau das aus Liebe tat oder aus reinem Ehrgeiz, das lässt der Autor offen, seine Vermutung allerdings schwingt zwischen den Zeilen.

Aber Wilson zeigt auch die Leidensgeschichte, die eine Frau mitmachen muss, die lange nicht so schön und auf den ersten Blick sympathisch ist wie ihre Konkurrentin. Die sich Dinge von der Presse um die Ohren hauen lassen muss, die wahrlich weit unter die Gürtellinie gehen und die doch eigentlich nichts anderes getan hat, als zu einem Mann zu halten. Egal, in welcher Situation.

So wirklich sicher, wer Diana war und wie Camilla tatsächlich ist, bin ich mir nach wie vor nicht, aber ich bin auch nicht gewillt, mich durch mehr Bücher zu diesem Thema zu lesen. Denn beim Vergleichen sind mir nicht wirklich große Unterschiede aufgefallen. Abgesehen von der Perspektive des Autors ist es doch etwas mühselig, letztendlich immer wieder die gleichen Spekulationen serviert zu bekommen, gespickt mit so vielen Titeln und eigentlich unwichtigen Persönlichkeiten, bei denen die Autoren einen glauben lassen, es sei eine Schande, wenn man diese oder jene feine Dame nicht kenne. Und damit ja doch bloß etwas aufplustern, was man auf deutlich weniger Seiten auch hätte sagen können.  

Völlig überflüssig finde ich persönlich die wortwörtliche Wiedergabe der so genannten Camillagate-Bänder. Letztendlich ist es doch nichts anderes als die intime Unterhaltung eines Paares, das sich alleine glaubt.

Und eigentlich kann es der Welt und mir ja auch egal sein. Diana ist tot, die Prinzen erwachsen, Charles und Camilla ein offizielles Paar. Fertig. Hinter die Mauern kann man nie sehen. Weder bei Otto-Normalverbrauchers noch bei Herrn und Frau König. Aber vielleicht trägt ein Buch wie das Wilsons zu etwas mehr Verständnis und Toleranz in der persönlichen Sicht der Dinge bei – und dann ist es ja gut.

Christopher Wilson: „Camilla – Die Geschichte einer großen Liebe", erschienen 2006 beim Marion von Schröder Verlag in Berlin. Das Buch kommt jetzt im Juli als Ullstein-Taschenbuch heraus und wird 8,95 € kosten. Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von Jutta Lützeler.

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