Aggressor oder Sündenbock?

Ein Coachee berichtete mir von einer üblen Streitigkeit zu Hause. Man saß im Kreise der Familie um den Wohnzimmertisch herum und hatte gut gegessen und dabei eine gute Flasche Wein getrunken. Sein Bruder und Ihr Mann zündeten sich noch eine Zigarette an, er hatte für Espresso gesorgt.  Alle waren eigentlich zufrieden mit dem Abend, wenn da nicht fast unmerklich dieses schreckliche Thema mit den Ansprüchen an einen gemeinsamen Urlaub gewesen, den sie für den Sommer geplant hatten. Man konnte sich einfach nicht einig werden und es kam – ohne, dass jemandem das bewusst klar geworden war – bei dem einen oder anderen der Verdacht auf, er sei in den letzten Jahren übervorteilt worden. Das an sich wäre ja nicht so schlimm gewesen, aber die kleinen und großen Spitzen wurden größer. Beim zweiten Espresso behauptete seine Schwägerin, dass er seit Jahren immerzu den Urlaub nach seinem Gusto geplant und durchgesetzt hätte. Dies war in seinen Augen nicht der Fall, alleine letztes Jahr waren sie an die See gefahren, obwohl er viel lieber in die Berge gefahren wäre. Während einer Bemerkung über den angeblichen kindlichen Egoismus meines Coachee war er dann ausgerastet. Er stand abrupt auf und warf dabei vor lauter Aufregung den Teewagen um, das darauf befindliche Geschirr und die Gläser gingen zu Bruch, seine Frau lief weinend aus dem Wohnzimmer und Bruder und Schwester hieben mit aller rhetorischen Gewalt auf ihn ein. Er warf schließlich alle vor die Tür. Nun hatten sich einige Tagespäter alle Beteiligten gegenseitig beieinander entschuldigt. Trotzdem plagten meinen Coachee Schuldgefühle und die Angst, er würde bei nächster Gelegenheit wieder "ausrasten" und dann würde es womöglich schlimmer enden. Er war selber entsetzt über seine Reaktion gewesen.

Wir bekamen die Sache im Laufe des Gesprächs "in den Griff", als er folgende Umdeutung des Geschehens akzeptierte.

Alle Beteiligten hatten sich nicht gerade vorbildlich benommen. Alle hatten zunehmend gestichelt und die anderen verletzend kommentiert. Dass alle nach ihrer eigenen Meinung ihren Anteil am Geschehen hatten, zeigte alleine die Tatsache, dass sich alle gegenseitig entschuldigt hatten.

Mein Coachee war lediglich der erste gewesen, bei dem die Sicherung durchgebrannt war. Das war ja schon schlimm genug, aber er brauchte sich nicht die Beschuldigungen der anderen zu Herzen zu nehmen, die durch seine Tat zu Opfern wurden, kurz bevor sie vielleicht selber ausgerastet wären. Er war lediglich schneller gewesen und hatte sich damit als Sündenbock geradezu angeboten. Seine erste Idee war dann, bei nächster Gelegenheit gespannt darauf zu warten, was be einer ähnlichen Situation passierte und sich so selber daran zu hindern, wieder "auszurasten". Ganzim Gegenteil, er hatte sich vorgenommen, vorher schlichtend einzugreifen,bevor ein anderer soausrastete wie er. Mit dieser Strategie entließ er mich strahlend aus unserem Coachinggespräch.

Herzlichen Gruß,

Ihr

Detlef Scheer

Eine Meinung

  1. Man kann auch durch Lesen gesunden ……?.das letzte mal als ich ein Buch lass bekam ich fasst einen Herzinfarkt……Es war mein Sparbuch…..lol

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