Wortmeldung aus Absurdistan

Die zentrale Aussage des Herrn Kerstan ist die, dass Lehrern in Deutschland wieder mehr Achtung entgegen gebracht werden muss, sollen sich die Verhältnisse ändern. Die PISA-Gewinnerstaaten würden auf der Basis eines breiten bürgerlichen Konsenses zur Wichtigkeit von Bildung und Schule ihren Lehrkräften ein hohes Maß an Wertschätzung und Achtung mitgeben. Daraufhin würden die sich wohl auch mehr anstrengen und alles liefe besser.

Natürlich gäbe es in Deutschland schon ganz schön viele Fehlbesetzungen im Lehreramt, aber das müsse man eben langsam wandeln. Zum Beispiel indem nicht mehr alle Lehramtsanwärter in den Schuldienst übernommen würden, sondern lediglich die Besten. Schöne Idee, gibt es aber schon lange. Taugt damit also nicht mehr zur Systemwandlung. Außerdem sollten die Lehrervereinigungen Qualitätsstandards setzen und überwachen. Welche? Wie bei der Landeszuständigkeit in Bildungsfragen? Ungeklärt.

Gute Lehrer sollten vielmehr Orden und eimerweise Anerkennung erhalten, wenn sie an Schulen in problematischen Örtlichkeiten Dienst tun. Unklar bleibt, ob der Lehrer eventuell schon deshalb als gut definiert werden muss, weil er in einem sozialen Brennpunkt arbeitet?! Wichtig! Der beste Weg, die Lehrer zu entlasten: Geduld haben. Besserer Unterricht sei nicht auf Knopfdruck möglich. Außerdem bedürfe es auch politischer Begleitung, denn in Deutschland zahle es sich nicht aus, ein guter Lehrer zu sein.

Kann schön krude bis hier, sagen Sie? Finde ich auch. Besserer Unterricht muss natürlich auf Knopfdruck möglich sein. Geduld haben? Wie bitte? "Okay, mein Kind wird schlecht unterrichtet. Aber wenn ich in zehn Jahren noch einmal Nachwuchs bekomme, dann ist alles besser." Oder wie soll ich mir das vorstellen?

Schließlich werden Lehrer für ihre volle Leistung bezahlt. Mir ist nicht bekannt, dass es Abschlagsvereinbarungen gibt. "Müller, Sie waren diesen Monat nicht so gut. Sie bekommen nur 60 % Ihres Gehaltes!" Auch kann ich nicht erkennen, dass es sich in Deutschland nicht lohnt, den Lehrerberuf zu ergreifen. Besoldungen bis in den höheren Dienst hinauf ermöglichen, verbunden mit der absoluten Arbeitsplatzsicherheit, einen ganz bequemen Lebenswandel. Die Motivation, seinen Job gut zu machen, sollte dabei jeder ohnehin in sich spüren, sonst hat er den falschen Beruf gewählt!

Gute Lehrer müssen auch Karriere machen können, fordert Kerstan weiter. Nicht so gute müssen systematisch gefördert und schlechten müsse der geregelte Berufsausstieg ermöglicht werden. Der geregelte Berufsausstieg? Schlechte Lehrer müssten achtkantig aus dem Schuldienst entfernt werden! Onewayticket to Arbeitsagentur. Gute Lehrer können Karriere machen. In der Regel zwar nur als Schulleiter und diese Stellen sind spärlich und wenn besetzt, dann lange besetzt. Aber bitte. Auch das wissen Lehrer doch schon bevor sie sich entscheiden auf Lehramt zu studieren.

Die Gesellschaft, insbesondere in der Form der Eltern und ihrer Kinder kann doch nicht ernsthaft in die Geiselhaft derer genommen werden, die sich den falschen Beruf ausgesucht haben, nichts taugen oder keinen Bock haben, aber ihr attraktives Salär nicht preisgeben wollen. Nein, tut mir leid, Herr Kerstan. Wertschätzung und Geduld gegenüber und mit dem Lehreramt hat es Jahrzehnte, bald Jahrhunderte gegeben. Wertschätzung muss sich ein jeder verdienen und ein Großteil der heutigen Lehrer verdient sie sich eben gerade nicht! Geduld kann es nicht geben, da Schule speziell am eigenen Kind immer jetzt wirkt und nicht in zehn Jahren. Und bei allem Respekt: Auf zu geringe Bezahlung kann die mangelnde Qualität des deutschen Lehrkörpers nun wirklich nicht zurückgeführt werden.

Liebe Lehrerinnen und Lehrer. Macht endlich Euren Job!

(Foto: www.pixelquelle.de / Fotograf: Petra Morales)

Keine Meinungen

  1. > Auf zu geringe Bezahlung …Da werden Ihnen aber die Lehrer, die mir bekannt sind, nicht zustimmen! Was könnten die alles im Unterricht verbessern, wenn sie nur ein paar Hunderter im Monat mehr hätten! Und diese paar Hunderter sollten uns unsere Kinder doch allemal wert sein, nicht wahr?(Sie sehen: Ich blieb Ihnen gewogen!)

  2. .@MaxR: Soweit es sich um ein paar Hunderter mehr für Unterrichtsmaterialien handeln sollte. Einverstanden..Soweit es sich um ein paar Hunderter mehr Nettoeinkommen des Lehrers handeln sollte. Niemals!.Ich sehe aber auch die wie Krüppel am Wegesrand jammernde Lehrerkamarilla nach Privilegien rufen. Da haben Sie schon Recht!.

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