Obamas Ansprache

Der Sohn eines Schwarzen und einer weißen Frau aus Kansas, aufgewachsen bei seiner weißen Großmutter, wollte diesen Wahlkampf nicht in eine Diskussion um Rasse ausarten lassen. Seit den empörenden Bemerkungen von Jeremiah Wright, der nicht nur über Rassismus in Amerika sprach (was an sich kein Verbrechen ist), sondern Amerika sogar verdammte und damit natürlich die Ängste der Weißen schürte, wartete das Land auf eine Erklärung. 

Warum ist es so wichtig, Obamas Einstellung zu diesen verbalen Ausbrüchen des Predigers zu kennen? Wenn Obama Jeremiah zustimmen würde, könnte die USA einen Rassisten ans Ruder holen … das ist ganz einfach eine Urangst (der Weißen?!).

Teilweise ist die Rede auch als Alibi zu verstehen: Obama musste sich ja dafür verantworten, den Worten Jeremiah Wrights jahrelang tatenlos zugehört zu haben. Aber natürlich konnte nachgewiesen werden, dass er sich just in den Momenten, in denen Wright ausfällig wurde, nicht in der Kirche befand.

In seiner Rede zeigt Obama, wie es um das Miteinander von Menschen verschiedener Rassen und Klassen (Black, White, Asian, Latinos, Rich, Poor) zur Zeit aussieht. Er bezieht sich meistens auf Schwarz und Weiß, gibt Beispiele aus seiner eigenen Familie, bringt sich dem Wähler so nahe.  Er streut zum Beispiel eine Anekdote ein über seine Großmutter, die freimütig zugibt, sich als weiße Frau vor schwarzen Männern zu fürchten (wenn sie also nachts allein auf der Straße unterwegs wäre usw.). Mutig, so was vor der gesamten Nation zu erzählen. Doch der auf Eliteunis ausgebildete demokratische Präsidentschaftskandidat kann damit dem Arbeitslosen auf der Strasse auch nicht weiss machen, er sei unter harten Bedingungen und Rassismus aufgewachsen. Ausserdem ist es bei seiner gemischten Identität auch ungünstig, sich als ‚spokesperson‘ für Afroamerikaner auszuzeichnen. Dessen ist sich Obama auch bewusst.

Und die TV-Sendungen laden sicherheitshalber einen Afroamerikaner in die vierköpfige Diskussionsrunde ein, damit ‚deren‘ Gesichtspunkt auch beachtet wird, bzw. Damit jemand da ist, der die Rede von ihrem Gesichtspunkt aus interpretieren kann. Deshalb weiss ich auch, dass Afroamerikaner sich von Obama ermächtigt fühlen, sprich: nicht mehr als Opfer angesehen werden sondern als Menschen mit Potential, mit Stärke, Menschen die von Bedeutung sind.

Obama schwenkt schliesslich zu anderen, dringlichen Angelegenheiten um: Krankenversicherung, Bildung – darum will er sich kümmern, wenn er Präsident wird. Keine Versprechungen mehr, wann die Soldaten aus dem Krieg heimkehren können. ..

Die Hauptbotschaft: America can change – womit wir wieder bei Obamas Trikolore wären: Hoffnung, Glaube und Veränderung. Fangen wir mal mit dem ersten an und hoffen vor uns hin …dann: der Glaube (an uns? an ihn? an das Land? an einen Aufschwung der Wirtschaft? an die Zukunft?) folgt auf den Fuß und verändern tun wir uns, wenn Obama Präsident wird und die Demokraten alles wieder richten.

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  1. Sehr geehrter Herr Hansen, da die Emailfunktion bei Germanblogs nicht funktioniert, schreiben wir Ihnen auf diese Art und Weise als Kommentar.Ich habe gesehen, dass Sie einen Kommentar bei uns auf http://www.theologisch.com verfaßt hatten. Darum sind wir auf Sie aufmerksam geworden. Wir wollten Sie fragen, ob Sie Lust hätten, ab und an Artikel auf theologisch.com zu veröffentlichen. Sie können auch Artikel, die Sie anderswo veröffentlichen, dort hineinkopieren, oder wahlweise mit ein paar einleitenden Sätzen auf Artikel (auch Ihre eigenen) im Netz verweisen. Wir haben derzeit 100-150 Besucher pro Tag. Wir bemühen uns darum, den Spagat zwischen Wissenschaft und Glauben sowie Charisma zu schaffen auf unserer Homepage. Sie erreichen mich über: mail@theologisch.com Viele Grüße,Marc Gerlach& theologisch.com Team

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