Freaks

SIE war einfach nur unglaublich dick… aber nicht auf die Weise, wie es heutzutage viele Menschen sind, die Obst und Gemüse nur von den kleinen Bildchen kennen, die als "Serviervorschlag" auf Maggi-Tüten eine völlig falsche Vorstellung von deren Inhalt geben. Nein, diese Frau fiel nicht nur durch ihr gewaltiges Körpergewicht ins Auge, sondern sie bewegte sich auch auf eine Weise, wie es Nilpferde in frühen Disney-Cartoons tun (das graue T-Shirt und die silberfarbenen Leggins, die sie trug, leisteten dieser Assoziation noch unnötig Vorschub). Den zugehörigen Begatter hätte ich beinahe übersehen: ein schätzungsweise 1.60 großes Männchen, das seiner Physiognomie zufolge vermutlich zur Gruppe der Nagetiere gehörte. Er war bis auf einen blondgefärbten Seitenscheitel beinahe völlig kahlrasiert, hatte ein Hitlerbärtchen im Gesicht stehen und war zu allem Überfluss mit einer Art Clownskostüm bekleidet. ER schob den Kinderwagen, in dem zu meiner Überraschung ein völlig normal aussehendes Kind saß, während SIE das Band der Supermarkt-Kasse mit Unmengen von billigem Plunder belud: blaugefärbte Getränke und saure Apfelringe reihten sich an Wurst mit Bärchen-Motiv, Pokemon-Aufkleber lehnten an einer ganzen Kiste Knoblauch-Dressing, und den krönenden Abschluss dieses Panoptikums der Geschmacklosigkeiten bildete eine abstoßend hässliche Diddl-Maus-Spardose.

Der Anblick dieser Szene versetzte mir einen schweren Schock. Mein Magen begann zu rebellieren, denn von meinem morgendlichen Kaffe mal abgesehen hatte ich noch kein Frühstück zu mir genommen. Wo kamen diese Leute her? Hatten die Wächter der Finsternis vergessen, die Pforten zur Hölle zu schließen, oder wurde ich gerade das Opfer einer besonders geschmacklosen Ausgabe der "versteckten Kamera"? Argwöhnisch sah ich mich um. Schweiß stand auf meiner Stirn. "Wer erlaubt solchen Leuten eigentlich, Kinder großzuziehen" schoss es durch meinen Kopf, und ich malte mir aus, welche schrecklichen Traumata das unschuldige Kind davontragen musste, wenn Mutti und Vati beim gemeinsamen Bad vergaßen, die Tür abzusperren…

Ich wurde jäh aus dieser quälenden Vorstellung gerissen, als ich plötzlich bemerkte, wie vorbildlich die beiden mit ihrem Nachwuchs umgingen. Das Freak-Pärchen gab eine perfekte Vorstellung von dem ab, was man vermutlich sonst nur in erziehungswissenschaftlichen Büchern liest oder in den Lehrvideos des Jugendamtes sieht. Sie waren fürsorglich und liebevoll zu ihrem kleinen Sohn und versprachen ihm, dass er sofort aus dem Kinderwagen raus dürfe, wenn die Mutti bezahlt hat. (Mir fiel auf, dass die beiden perfektes Hochdeutsch sprachen, und das ausgerechnet im tiefsten Thüringen!)

Ich fühlte mich schmutzig. Gerade hatte ich mich selbst dabei ertappt, wie ich zwei fremde Menschen nur aufgrund ihres Aussehens in die unterste Schublade verfrachtet hatte. Schweigend bezahlte ich meine Zeitung und ging nach Hause.

7 Meinungen

  1. Also bei uns hier im Süden hat man durchaus von Carrières Aktion Notiz genommen und von seiner Ankündigung zu dieser Aktion strotzten vorher bereits alle großen Zeitungen landesweit, selbst in Österreich. Ich hatte heute vormittag nämlich bereits ein Bild gesehen, wo er tatsächlich an einem Kreuz aus hellen Baumarktlatten hing, bzw. stand, die Oberarme mit Paketband umklebt und mit einem Blume-2000 Strauß auf dem Kopf. Ebenso umwickelte seine Hüften ein langes Leintuch, wobei er eines seiner schlanken Beinchen (diesmal ohne Strumpfhose) dennoch medienwirksam herausstreckte. Nach dem Blitzlichtgewitter der Fotografen soll er gerufen haben “Vater, Vater, warum hast du mich verlassen”. Die katholischen und evangelischen Kirchenvertreter haben sich bereits aufgeregt und den vorsichtigeren Umgang mit christlichen Symbolen angemahnt. Man ist zunächst eventuell schon etwas pikiert oder findet es lächerlich und denkt an Oberammergau, wenn man so etwas sieht, dennoch ist das Thema Sorgerecht und Besuchsrecht für Väter zu ernst und schon zu lange verschleppt, um es hier nur an der Art und Weise von Carrières Protest fest zu machen. Immer noch bekommen eher die Mütter automatisch das Sorgerecht. Man muss aber auch zweierlei sehen: Es gibt Väter, die sich auch in der Ehe schon viel und gerne um ihre Kinder gekümmert haben, und es gibt andere, die vielleicht kein Interesse am Wohlergehen und an der Entwicklung ihrer Kinder gehabt hatten und diese womöglich misshandelten. Da muss man eben gut abwägen, was den Kindern nützt oder schadet. Grundsätzlich aber bin ich auch für ein gut funktionierendes Besuchsrecht. Den Kindern darf man den Vater doch nicht entziehen, bloß, weil die Eltern sich untereinander nicht mehr verstehen. Was allerdings das gemeinsame Sorgerecht betrifft, kann es mehr Probleme geben, wenn man jede kleine Entscheidung immer erst zu zweit absegnen und unterschreiben muss. Schwierig, wenn einer vielleicht in einer anderen Stadt wohnt oder die verkrachten Eltern, die gar nicht mehr miteinander reden wollen, dann mehr miteinander zu tun haben müssen und zu besprechen haben, als je zuvor in der kriselnden Ehe, und die Streithanseln dann auch noch eine gütliche Einigung erzielen sollen. Das kann dann auch eine Zmutung sein oder gar gefährlich, wenn eine Blitzoperation beim Kind vonnöten ist und man erst die schriftliche Zustimmung des Partners einholen muss. So einen Fall gab es einmal in dem Elternkreis, den ich leitete. Grundsätzlich bin ich FÜR Carrières Engagement (auch wenn er für mich nicht gerade der Typus ist, der in mir große Sympathien erwecken könnte), denn mir tun diese ausgebremsten Väter sehr leid, die gerne Umgang mit ihren Kindern haben wollen. Die Zurückweisung muss ein unglaublich tiefer Schmerz sein, den auszuhalten ich mir auch nicht vorstellen könnte. Die Wahl der Mittel muss eben manchmal spektakulär und provokant sein, sonst guckt wieder kein Schwein und keiner horcht auf. Und friedlich muss so eine Aktion auch immer sein, denn Gewalt würde schließlich das Gegenteil von Zustimmung bewirken.

  2. p.s. Ihr link “Väteraufbruch für Kinder” funktioniert leider nicht, aber man kann ihn ja googeln und viel dort erfahren.

  3. Dank für Ihren Kommentar! Ich war und bin mir selbst nicht sicher, was ich von der Aktion halten soll. Mit Ihren Ausführungen kann ich diesmal nur d’accord sein. Schade für unser Publikum ;-)F.C.

  4. Herzlichen Dank für Ihr feed back. Hier ein paar up-dates: inzwischen bin ich 55 Jahre alt und meine Tochter Elena wird im September 10. Inzwischen sehe ich sie dank eines Urteils des OLG Venedig, ca eine Woche pro Monat und 50% aller Ferien- und Feiertage. Ich kämpfe für die Menschenrechte von Kindern, die in Deutschland weiterhin mit Füßen getreten werden. Anbei ein offener Brief an Frau Zypries. Die ja “inhaltliche Auseinandersetzung” vermißt. Mehr dazu auf meiner home page http://www.mathieu-carriere.com Alles Gute, Mathieu Carriere Hamburg, 200606Festung DeutschlandSehr geehrte Frau Zypries,auf den Knien meines Herzens flehe ich Sie an, die Kindschaftsrechts-Festung Deutschland aufzubrechen. Befreien Sie die 35 Millionen Betroffenen aus dem Ghetto, in welches diese seit Bestehen der Bundesrepublik abgeschoben werden. 5 Millionen Trennungskinder, jedes Jahr 230 000 mehr, 10 Millionen Trennungseltern, 20 Millionen Trennungs-Opas und-Omas leiden unter den Folgen unserer Rechtssprechung. Ganz zu schweigen von den auch betroffenen Geschwistern, Freunden, Partnern und Helfern, die den Mut, die Hoffnung und ihre Lebenslust verloren haben und dennoch weitermachen.Schaffen Sie mit einem Federstrich den Paragraphen 1626 a BGB ab. Sie haben nichts zu verlieren. Alle werden gewinnen. Sie kriegen den Friedensnobelpreis, den sie allerdings mit Jürgen Rudolph teilen müssten. Schaffen sie mit einem Federstrich die Gleichberechtigung von Vätern und Müttern, geben Sie unseren Kindern ihre Menschenrechte, welche das Grundgesetz und die UNO Charta fordern, und die Kuh ist vom Eis.„Wer die alleinige Sorge anstrebt und einen Elternteil ausgrenzt mißbraucht sein Kind, mit verheerenden Folgen für die seelische Entwicklung dieser Kinder und für die ausgegrenzten Eltern.“Wer trägt die Verantwortung für diesen staatlich verordneten Kindesmißbrauch? Für diesen Staatsterror? Sie, Frau Bundesministerin, natürlich nicht. Sie können ja nichts tun, denn „all das ist Ländersache.“ Da trifft es sich ja gut, daß die Föderalismusreform ins Haus steht.Ende November 2003 wurde in Genf von hohen Israelischen und Palestinensischen Politikern, mit der Unterstützung von über 100 Präsidenten, Premierministern, UNO Vertretern und anderen Entscheidern, ein umfassender Friedensplan für den Nahen Osten und insbesondere für Palestina ausgehandelt. Mein gelegentlicher Schachpartner Otto Schily, Vater von zwei Töchtern und Ihr Mentor, sagte mir vor ein paar Jahren: „Es ist leichter im Nahen Osten Frieden zu schaffen, als in Deutschland den Finger in das Schlangennest Kindschaftsrecht zu stecken.“ Soll er Recht behalten?Bereits am 12.12. 2003 fand in der französischen Botschaft in Berlin, auf Einladung des Botschafters, seiner Exzellenz Claude Martin, eine Veranstaltung mit dem Thema „Zerrissene Familien im vereinten Europa“ statt. Ziel dieser Veranstaltung war es, einen Friedensplan zu entwickeln, der die Familienpolitik- und -Rechtssprechung der europäischen Länder einander angleichen sollte. Die über 30 anwesenden Menschenrechtler, Konfliktforscher, Richter, Mediatoren, Anwälte, Betroffenen, Soziologen, Psychiater, Bindungsforscher und Kinderpsychologen waren sich einig: In Deutschland herrscht im Familienrecht „La loi de la jungle“ (Jaques Chirac). Leider konnten Sie bei der Veranstaltung nicht anwesend sein. Ihre Vertreter sahen keinen Handlungsbedarf. Schade.In den Humanwissenschaften besteht heute Konsens über die Interpretation der Forschungsergebnisse der letzten 50 Jahre, insbesondere über Folgendes: Trennungskinder, deren Eltern kooperieren, deren Eltern das oberste Gebot nach Trennung, nämlich Bindungstoleranz, beachten und gleichberechtigten Kontakt des Kindes zu beiden Eltern leben, haben es besser. Sie werden zu leistungs- und bindungsfähigen Erwachsenen, während bedauernswerte Opfer unserer Rechtssprechung im Knast, in psychiatrischen Anstalten oder gar im Grab landen. Sogar Immunsysteme entwickeln sich besser bei gleichberechtigten Kindern. Die Untersuchung von Professor Proksch hat Ihr Ministerium selbst in Auftrag gegeben! Ist es nicht entsetzlich, daß wir herausgefunden haben, daß die Erde rund ist und daß Ihre Richter sie immer noch zu einem Teller breitschlagen? Warum werden diese Forschungsergebnisse von den Richtern mehrheitlich ignoriert? Warum gibt es in Deutschland keine spezifischen Qualifikationskriterien für Familienrichter? Deren Urteile bestimmen Millionen Kinderschicksale. Warum werden diese Schicksalrichter nicht angehalten, sich weiterzubilden? Warum nicht? Würden Sie Ihre Gebärmutter von einem Arzt entfernen lassen, der auf dem Wissensstand von vor 20 Jahren operiert? Sie kennen die Zahlen:63 % aller jugendlichen Selbstmörder sind vaterlos oder müssen ihn entbehren.70 % aller Jugendlichen in staatlichen Einrichtungen sind vaterlos oder müssen ihn entbehren. 71 % aller schwangeren Teenager sind vaterlos oder müssen ihn entbehren.71% aller Schulabbrecher sind vaterlos oder müssen ihn entbehren.75 % aller Jugendlichen in Drogenentzugszentren sind vaterlos oder müssen ihn entbehren. 85 % aller jugendlichen Häftlinge sind vaterlos oder müssen ihn entbehren.90 % aller Ausreißer und aller obdachlosen Kinder sind vaterlos oder müssen ihn entbehren. Auf den Knien meines Herzens flehe ich Sie an: Helfen Sie uns. Sie sind eine Frau. Sie sind Mutter. Sie haben die Macht zum Guten. Waschen Sie ihre Hände nicht in Unschuld, sondern werfen Sie den ersten Stein! Gegen den Paragraphen 1626a BGB. Mathieu Carriere PS. Sehr dankbar bin ich Ihnen allerdings dafür, daß Sie unsere Aktion am Tag der deutschen Einheit vor Ihrem Ministerium als „Effekthascherei“ bezeichnet und damit aufgewertet haben. Denn dies geschah eine Woche nachdem der Kommandant von Guatanamo, General Harris, den Selbstmord von drei arabischen Folteropfern als „PR Aktion“ abqualifizierte. Sie haben durch ihre Bemerkung, die sicher ironisch gemeint war, darauf hingewiesen, daß auch im Kindschaftsrechtsbereich die Opfer zu Tätern gemacht werden. Ein indoktriniertes und in die Elternentfremdung getriebenes Kind sagt: „Ich will meinen Vater, meine Mutter nicht sehen“ und die Richter antworten ihm: „Tja, dann erfüllen wir deinen Wunsch, selber schuld.“ Das Opfer wird zum Killer seiner Eltern gemacht. Jesus ist übrigens wegen effekthascherischer Gotteslästerung liquidiert worden. Das Opfer wurde damals schon zum Täter gemacht.

  5. Vielen Dank für den schönen Beitrag. Ich kann das Gefühl sehr gut nachvollziehen. Und denke mir oft: bei allem Streben danach ein besserer Mensch zu werden, gelingt es mir manchmal.

  6. Lieber Mathieu, ich fand die Aktion mit der Kreuzigung große Klasse. Ich weiß viele sagen es wäre peinlich gewesen, aber da bin ich anderer Meinung. Ich fand deinen Auftritt super. Edmond Stoiber ist peinlich für mich, armes Bayern. Ich komme aus Bayern. Kämpfe weiterhin für die Rechte der Kinder, du machst es Spitze. Alles was du anfaßt gelingt dir. Weiterhin viel Glück und Erfolg wünscht dir Tigerlady

  7. Lieber Mathieu, ich stehe voll hinter dir und unterstütze dich sehr gerne bei deinen Aktivitäten, auch freue ich mich für dich das es dir jetzt so gut geht und das soll auch weiterhin so bleiben. In Liebe deine Tigerlady

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