Die Karriereleiter steil rückwärts runter.

Dabei hatte eigentlich alles ganz gut angefangen. Als mein Sohn ein dreiviertel Jahr alt war und ich mich noch im sicheren Schoß des Erziehungsurlaubs räkelte, bekam ich das Angebot von einer Werbeagentur als fest-freie Grafikerin zwei Tage pro Woche dort zu arbeiten. Welch ein Traumjob! Und das ohne jegliches Klinkenputzen. Ich gestehe, es war Vitamin B in Form zweier Ex-Kolleginnen im Spiel. Aber so läuft das eben.

Ich organisierte eine Kinderfrau für meinen Nachwuchs und nahm die Karriere viel früher als geplant wieder auf. Mensch, war ich stolz auf mich! Wie ich diese Doppelbelastung meisterte… Als freie Mitarbeiterin verdiente ich, wenn ich arbeitete, sehr gut. Und ich war tüchtig! Da fiel die relativ teure Kinderbetreuung und dass ich mich selbstständig über die Künstlersozialkasse versichern musste, kaum ins Gewicht. Ich weitete mein Pensum im Nu auf drei Tage aus. Man muss nur wollen!

Leider traf meine Tätigkeit den Nagel auf den Kopf der Scheinselbstständigkeit, die unter einem gewissen Herrn Schröder nicht mehr erlaubt war. Schade, schade. Ich musste daraufhin meinen festen Job, in dessen Erziehungsurlaub ich mich noch befand, kündigen und mich fest anstellen lassen. Mein Gehalt war plötzlich nur noch ein Bruchteil von dem, was ich als Freie verdient hatte. Okay, ich bekam es auch, wenn ich nicht arbeitete und war irgendwie abgesicherter. Die Kinderfrau zu bezahlen tat von da an trotzdem weh. Doch ich verdingte mich schließlich nicht nur wegen des Geldes, sondern weil es mir und meinem Werdegang gut tat.

Das Leben als arbeitende Mutter empfand ich im Laufe der Zeit als zunehmend anstrengend. Abgesehen davon, dass mich das Gefühl verfolgte, immer dort gebraucht zu werden, wo ich mich gerade nicht befand, stand ich vor allem unter dem Dauerdruck, meine Arbeitsstelle pünktlich verlassen zu müssen, da die Kinderfrau irgendwann Feierabend hatte. Manchmal konnte mein Mann sie ablösen, aber nicht immer. Pünktliches Verschwinden wird in Werbeagenturen übrigens gar nicht gern gesehen. Wenn am späten Nachmittag noch ein Meeting anberaumt wurde, verspürte ich sofort die fliegende Hitze. Dann war klar, dass ich es nicht schaffen würde, das Haus fristgerecht zu verlassen. Und die Familienväter, mit denen ich zusammen saß, die hatten vielleicht ein Sitzfleisch!

Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass Frauen mit Kind effektiver arbeiten als andere Menschen, da sie einfach keine Zeit und Muße haben um zu trödeln oder zu lamentieren. Muttertiere müssen einfach schneller auf den Punkt kommen, tun das auch und besitzen außerdem jede Menge Organisationstalent! Nur nebenbei bemerkt…

Wie das Leben so spielt, kränkelte das Unternehmen, für das ich tätig war, eines Tages. Der größte Etat stand auf dem Spiel und die Nerven lagen blank. Die Ansage der Führungsebene lauete: Geht der Kunde, rollen Köpfe! Angst ist bekanntlich ein schlechter Berater und so war der Etat ruckizucki weg. Da ich ziemlich wenig verdiente, fühlte ich mich unberechtigterweise kopfmäßig ungefährdet.

Schließlich saß ich kurze Zeit später mit ein paar Agentur-Anführern im Confi, wo mir das großzügige Angebot unterbreitet wurde, entweder Vollzeit oder gar nicht mehr für sie zu arbeiten. Was für eine Auswahl! Ich fand mich also wenig später beim Arbeitsamt wieder. Was für ein Abstieg!

Der für mich zuständige Sachbearbeiter machte mir wenig Hoffnung. Er gab ehrlich zu, dass er mir nicht helfen könnte, da Art Direktoren und Grafik Designer nicht übers Arbeitsamt vermittelt werden und in Teilzeit, mit Kindern, so wie so schon mal überhaupt nicht! Das wusste ich selber. Ich war nur der Ordnung halber dort vorstellig geworden. Der engagierte Jobverhinderer hatte scheinbar nicht im Geringsten vor, mir zu helfen und meinte, ich solle mich melden, wenn sich an meiner Situation etwas ändern würde. Und tschüs!

Tja, so sieht es aus: Selbst wenn die Kinderlein gut betreut sind, heißt das noch lange nicht, dass der Weg auf der Karriereleiter frei ist. Es gibt einfach Berufe, da ist man mit Nachwuchs nicht gerne gesehen. Die kinderlose Konkurrenz schläft nicht, ist billig und willig! Da haben die Muttis schlechte Karten, was ich beim Einschlagen meiner Laufbahn schlicht und ergreifend nicht bedacht habe. Dumm gelaufen. 

So lange in den Chef-Etagen nicht familienfreundlich gedacht wird, muss mir keiner was von fehlenden Kinderbetreuungsangeboten erzählen. Passend zur Diskussion wurden gerade die Kindergartenbeiträge erhöht und in der offenen Ganztagsschule, die mein Sohn besucht, bekommt nur das Kind einen Platz, dessen Eltern Arbeitsstellen nachweisen können oder allein erziehend sind. 

Ich kann mir nicht helfen, aber irgendetwas läuft doch da verdammt verkehrt, oder?

10 Meinungen

  1. Frau Merkel schafft es ja auch nicht Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen, warum sollte es uns besser gehen?-m*sh-

  2. In langen Agenturjahren konnte ich – egal in welcher Agenturgröße – feststellen, daß Agenturen zu 50% vom labern u meeten leben. Ungeheuer viel Leerlauf, wenig Effizienz. Und wer sich vor der Sekflasche ab 16Uhr nachmittags davonstiehlt, hat schlechte Karten.

  3. Na wie man es macht ist es halt immer falsch. mhhhh Viele können es sich halt nicht LEISTEN Kinder zu bekommen, mhhhh.LG Anke

  4. Bettina Schipping

    Naja, mit dem nicht LEISTEN können, das kann ich irgendwie nicht gelten lassen. Die Bedingungen, Kinder in die Welt zu setzen waren nur selten besser als heutzutage. In den 60er oder 70er Jahren sah die Zukunft vielleicht rosiger aus, aber vorher? Die Leute haben sich trotzdem vermehrt ohne lange zu quatschen. Sonst wären wir heute nicht hier und das wäre doch doof, oder?

  5. Das Problem aus meiner Mannessicht ist, das die meisten Menschen heute auf nichts mehr verzichen wollen. Ihenen ist Geld und Reichtum mehr wert als geliebt zu werden und Liebe abzugeben!Gruß Mirko

  6. frauen sollen das bruttosozialprodukt massgeblich mit erhöhen, zu sehen z.B. an der überproportional steigenden kurve bei gründungen/weg in die selbstständigkeit, nebenbei mal so eben noch die rentenkassen der zukunft durchs kinderkriegen sichern, relaxxt dem patner haus und heim sauber und schön halten, gut aussehen und natürlich keine hautunreinheiten oder augenringe haben, immer recht freundlich sein und bloß nie gestresst reagieren.ähmm, wie machen die männer das bloß?

  7. Natürlich kann sich nicht jede Frau einfach den Kindertraum erfüllen, aber deswegen ist sie noch lange keine Karrirebestie.

  8. Ich kann dem Vorgenannten nur beipflichten. Ich habe für mich einen Weg gefunden beides also Mutter und Karriere mit einander zu verbinden, da ich den Sprung in die Selbständigkeit gewagt habe. Heute nur noch in abgewandelter Form mache was ich vor Jahren gelernt habe, aber ich würde es immer wieder so machen. Als gelernte Industriefachwirtin habe ich über 12 Jahre im Verkauf gearbeitet, jetzt bin ich geprüfte Nageldesignerin und führe mein eigenes Studio und einen dazugehörigen Onlineshop, dessen Schwerpunt bei Profi Produkten rund um Hand- und Nagelkosmetik für den Heimbedarf liegt. Ich weiß das das natürlich nicht der Weg für jede Frau ist, aber vielleicht ermutigt es einwenig auch wenn der Staat es uns nicht leicht macht.

  9. „Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass Frauen mit Kind effektiver arbeiten als andere Menschen, da sie einfach keine Zeit und Muße haben um zu trödeln oder zu lamentieren. Muttertiere müssen einfach schneller auf den Punkt kommen, tun das auch und besitzen außerdem jede Menge Organisationstalent! Nur nebenbei bemerkt…“

    Nimms mir bitte nicht übel, aber ich habe auch eine zeitlang in einer Agentur gearbeitet und weis, ebenso wie mein Vorredner, dass dort Leerlauf ist. Wenn das deine Argumentation sein soll, dass du diesen Leerlauf effektiver gestaltest als andere, heist es noch lange nicht, dass du auch besser arbeitest. Und nur weil du davon überzeugt bist, dass alle Mütter effektiver sind, müssen es noch lange nicht alle sein (Supernanny??). Empirisch ist nichts bewiesen und subjektive Erfahrungen hat jeder. Und glücklicherweise ist Glaube kein Beweis, denn ansonsten wären laut Alice Schwarzer alle Männer Mörder, Vergewaltiger und Bestien.
    Das ist jetzt nicht gegen die gerichtet, aber das stiess mir bei deinem Artikel auf. Ansonsten entspricht der Rest etwa dem, was ich schon oft im Bekanntenkreis erlebt habe.

    Was ist denn eigentlich nach dem Eintrag mit dir passiert?

  10. @Jens
    Ich arbeite mittlerweile in einem Verlag. Die Tätigkeit ist zwar nicht besonders lukrativ, aber mir und meinem Mutterdasein wird Toleranz entgegen gebracht. Ich bin damit sehr zufrieden.

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