Zwei Ölfässer und ein Halleluja für Kaizers Orchestra

Kaizer- und Hallelujarufe (eine der wenigen Textpassagen, die jeder mitsingen kann, auch der des Norwegischen Unkundigen) schallen durch das kleine „Übel und Gefährlich“, das brechend voll ist. Wohl niemand hatte erwartet, dass das Konzert ausverkauft sein würde, aber der Ruf einer der besten Life-Bands überhaupt, eilt den Kaizers voraus. Ihre Mission: Die „Grand Finale Tour“, die hoffentlich nicht ihre letzte sein wird. Dabei werden sie von dem ebenso norwegischen Duo HGH als Vorband unterstützt, die einen mit ihrer „Trash Grass“-Musik beglücken.

Die Herren Kaizer:v.li. Geir „Hellraizer“ Kaizer,(Gitarre), Rune „Mink“ Kaizer (Schlagzeug), Janove „The Jackal“ Kaizer(Gesang) Terje „Killmaster“ Kaizer, (Gitarre), Øyvind „Thunder“ Kaizer (Kontrabass) und mit Gasmaske: Helge „Omen“ Kaizer (Pumpaorgel/Hamonium)

Die Familie Kaizer besteht aus sechs durchgeknallten Norwegern, die ihre Begeisterung für ihre Musik meisterhaft auf das johlende Publikum übertragen. Wer dabei ruhig stehen bleiben kann, muss blind und taub sein. Dabei spielen, Ölfässer, Brechstangen und Radkappen eine entscheidende Rolle. Die bei den Auftritten mit Brechstangen bearbeiteten Tonnen haben es nun sogar in ein Museum geschafft. Vom 11. November 2006 bis 28. Januar 2007 wird im Museum für Kommunikation in Berlin die Ausstellung „Nicht nur Lachs und Würstchen – Hundert Jahre deutsch-norwegische Begegnungen“ zu sehen sein. Die Wanderausstellung wurde bereits in Oslo, Bergen und Trondheim gezeigt.

Aber zurück zum Konzert. Nach dem Motto „Ompa till du dør!“ (Tanz bis du stirbst!) legt die Band gleich so richtig los. Dem bald schon völlig schweißdurchtränkten Publikum wird kaum eine Pause gegönnt. Dies geht allerdings nicht nur uns Zuhörern so, wie Janove, Sänger und Konzertshowmaster, anschaulich beweist, in dem er sein durchgeweichtes Hemd auszieht und auswringt. Und da kommt so einiges heraus geflossen. Hätte man einen Eimer darunter gestellt, wäre er wahrscheinlich halb voll geworden. Doch auch bei den ruhigeren Liedern gibt es keine Verschnaufpause. Janove bringt dem Hamburger Publikum bei, was White Russian auf Norwegisch heißt: kvit russa (ausgesprochen: rüssa). Das neu Erlernte wird natürlich sofort angewendet, so dass das Publikum den Refrain des Liedes mitsingen darf. Die Männer singen la la und die Frauen den anspruchsvollen norwegischen Namen eines Cocktails. Derweil spielt sich Helge mit Gasmaske im Gesicht und ausladenden Gesten auf der Pumpaorgel warm, standesgemäß auf einem Blecheimer sitzend.

Nach fast zwei Stunden ekstatischem Konzert und vier Zugaben wankt und schwankt man nach Hause. Müde und heiser aber glücklich. Halleluja.

Mehr Infos und vor allem Musik zum reinhören findet man auf der ausführlichen und mit Herzblut gemachten Fanseite: Save me Kaizer! Dort hat man sich auch die Mühe gemacht, die norwegischen Liedtexte zu übersetzen.

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