Zürich 1

Das Fraumünster ist zurzeit allerdings eine Baustelle. Man kommt nicht rein und so kann man auch die Chagallfenster nicht anschauen. Ich finde eh, dass die etwas blass sind, immerhin war der Meister schon über 80, als er sie gemacht hat.

 

Das Fraumünster selbst gehörte vor der Reformation zu einem Frauenkloster. Die letzte Äbtissin, Katharina von Zimmern, hatte aufgrund ihres Amtes den Status einer deutschen Reichsfürstin und war damit eigentlich die mächtigste Person der Stadt. Als sie ihr Kloster nach der Reformation freiwillig dem Rat der Stadt übergeben hatte, zog sie in ein Haus in der Altstadt, das heute noch steht. Das Vermögen ihres Klosters wurde zu einer wesentlichen Grundlage für den Wohlstand der Stadt Zürich.

 

Die wunderbaren Chorfenster im Grossmünster stammen von Augusto Giacometti. 1933 hat er sie gemacht. Zentral ist Maria mit dem Christuskind zu ihren Füssen. Sie, als Himmelkönigin gekleidet in ein blaues Gewand, ist umringt von den drei Königen und von Engeln. Das verwundert, denn Maria als zentral Figur in einer reformierten Kirche ist schon sehr ungewöhnlich.

 

Zwingli, der grosse Schweizer Reformator, hatte hier seine Kirche. Zürich war neben dem Wittenberg Martin Luthers das zweite Zentrum der Reformation in Deutschland. Das Grossmünster war bis zur Reformation ebenfalls eine Stiftskirche, und zwar der Augustiner Chorherren. Im ehemaligen Stiftsgebäude liess Zwingli eine Schule für die Züricher Pfarrer einrichten, die sogenannte Prophezei. Dort sollten sie auf „Reformation“ umlernen. Heute ist dort die Theologische Fakultät untergebracht. Ich hab’ dort selbst einpaar Semester studiert und aus dieser zeit stammt die Sache mit den Fenstern.

 

Die beiden grossen Kirchen in der Altstadt, das Fraumünster und das Grossmünster bilden sozusagen eine liturgische oder spirituelle Achse. Das Südportal des Grossmünsters zeigt auf das Portal des Fraumünsters auf der anderen Seite der Limmat. Möglicherweise führte von hüben nach drüben ein Prozessionsweg, denn in beiden Kirchen wurden Reliquien der Züricher Stadtheiligen Felix und Regula aufbewahrt. Das Hauptportal des Grossmünsters liegt auf der Nordseite, was auch wieder merkwürdig ist. Aber so konnte man von Norden nach Süden durch die Kirche hindurch „auf die andere Seite“ gelangen.

Morgen mehr.

3 Meinungen

  1. Schön, dass die beiden Kirchen noch mehr zu bieten haben, als nur zwei Freunde über Jahre hinweg untereinander mit Krach zu versorgen. Liest sich so im Zusammenhang. Auch musste ich sofort, als mir die Wichtigkeit dieses langen Streitfalles ins Bewusstsein drang, an einen bekannten Spruch des Kabarettisten Bodo Bach denken, der da so passend lautet: „Guten Tag, ich hätte gerne mal ein Problem…..“ Es gibt doch sowohl im Grossmünster die berühmten Giacometti-Fenster zu bewundern, als auch im Fraunmünster zwei der Giacometti-Fenster zu bestaunen. Zusätzlich hat das Fraunmünster auch noch große Chagall-Fenster und eine Rosette, welche, wie empfohlen wird, „best in morning light“ wirken. Und diese etwas zurückgenommenere Darstellungsfülle oder einheitlichere Farbgebung Chagalls, (der übrigens gerade in seinem hohen Alter noch einmal eine neue Herausforderung und die veränderbare Entwicklung seiner Schaffenskraft begrüßte), im Vergleich zu einer gemischteren Buntheit oder dichteren Fülle der künstlerischen Stilgebung Giacomettis, ist ja wohl keine Sache, über die zwingend eine Meinungseinigkeit einkehren müsste!! Jeder Künstler hat zweifellos seine eigene besondere Art, die man gänzlich unabhängig voneinander würdigen kann. Sie streiten da also seit Jahren vergleichend zwischen Äpfeln und Birnen herum. Man müsste doch, sofern man etwas Toleranzfähigkeit walten ließe, erfassen können, dass ein jedes einzelne Ding auf der Welt für sich genommen schön und gut sein kann, ohne dass ein anderes dafür gleich als weniger schön oder schlechter abgewertet werden müsste. Und man müsste auch erkennen, dass eine andere Meinung als gleichberechtigte Einheit neben der eigenen stehen gelassen werden kann, ohne deren Wert schmälern zu wollen.Na, aber dann streiten Sie sich halt wegen der Fenster immer munter weiter in aller Freundschaft, wenn es so viel Spaß macht, und bitte versäumen Sie nicht, uns Leser daran teilhaben zu lassen, wie die spannende Geschichte ausgegangen ist. In ein paar Jahren dann…. Danke.

  2. Sie haben recht. Das blaue Schöpfungsfenster von Chagall ist wirklich Klasse. Bei den anderen Fenstern ist er aber unter seinen Möglichkeiten geblieben. Das Feuer der Giacomettifenster trifft mich dagegen ins Herz. Was den „Streit“ anbelangt – den würde ich lieber als kleines Hobby zweier völlig verschiedener Menschen beschreiben, die einander helfen, das sehen zu lernen.Eine gute Zeit wünschtF.C.

  3. liebe iris, drücke dir die daumen, dass es nur das rührei war. wo doch das fiese noro-virus (magen-darm) kursiert, was sich ja angeblich zu einer epidemie ausweiten soll. aber auch hier entspannung: riskant wirds nur, wenn die kleinen nicht genug trinken und die gefahr der austrocknung besteht. und daran sollte in europa eigentlich niemand mehr sterben, meinte unser kinderarzt gerade heute. den habe ich mit meinem sohn heute auch konsultiert – insgesamt zweimal. das erste mal wurden wir aufgrund ellenlanger wartezeit noch einen kaffee trinken geschickt. nachdem mein sohn ebendieses cafe nebenan schnurstracks und stilvoll vollgekotzt hat, durften wir doch wieder rein zum arzt (um eine geschlagene stunde in dem behandlungszimmer ohne teppich (!) auszuharren.) diagnose: abwarten! und besser kamillentee trinken. in diesem sinne – alles gute!

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