Zeitdiebe

Sie alle meinen es nicht böse, klauen aber die rar gewordene Freizeit, die wir Mütter unseren Kindern oft trickreich abschwatzen müssen. Jüngstes Beispiel: Die Telefongesprächspartnerin meiner Nachbarin, die drei Anläufe brauchte, bis sie es geschafft hatte, einen zu hoch abgebuchten Mitgliedsbeitrag mit den künftigen Monaten zu verrechnen. Zwischenzeitlich meinte die Anruferin ganz lapidar, wenn meine Nachbarin die für einen geringeren Mitgliedsbeitrag noch benötigte Kopie der Geburtsurkunde ihres Sohnes nicht faxen könne, weil sie nicht im Büro sei, dann solle sie sie eben schnell auf den Scanner legen und mailen. Bitte??? Wo kein Fax ist, da steht selbstverständlich ein Scanner, aha. Dieser grotesken Unterhaltung ging noch ein Zeitklau voran, denn die verlangte Geburtsurkunde lag der betreffenden Person längst vor, sie hatte sie nur verschlampt. Fazit: Energie für Gespräche wie diese können wir uns wirklich sparen. Naja, und seltsam auch, dass die betreffende Person, die Urkunde plötzlich doch noch fand, zunächst aber lieber die Zeit meiner Nachbarin verplemperte als die eigene beim Suchen…
 
Unnötig Zeit und Geld verpulvern
 
Der nächste Zeitdiebstahl steht einer Freundin und Mutter noch bevor. Schon zwei Tage vor dem bevorstehenden „Verbrechen“ grämt sie sich deswegen. So sehr, dass sie den Brief, der den Zeitklau ankündigt, ad hoc zerrissen hat. Besagter Brief, fordert sie nämlich zu einem ganztägigen Seminar auf. Der Termin ist fix und den ganzen Tag kann sie ihr Kind natürlich auch nicht mitnehmen, sondern muss einen Babysitter bezahlen. Unun sie muss wieder bei ihrem Arbeitgeber anrufen und bitten und betteln, dass ihr die betreffenden Infos zugemailt werden und sie von dem Seminar „befreit“ wird, damit keine Babysitterkosen in Höhe von 70 Euro entstehen.
 
Wiederholungstäter
 
Ärgerlich daran ist, dass eine vergleichbare Situation schon mindestens viermal vorgekommen ist, und meine Freundin eigentlich dachte, für das nächste Mal – also bis sie einen Kita-Platz gefunden hat und wieder richtig arbeitet – sei alles geklärt. Bis dahin wollte sie nicht ohne Eigeninitiative an ganztägigen Seminaren teilnehmen. Jedes Mal hat sich der Arbeitgeber einsichtig gezeigt, allerdings musste die Freundin jedes Mal anrufen, ihre Situation  zum x-ten Mal darlegen und um Seminarverschonung betteln… Und nun ist es bei weitem nicht so, dass die Freundin nicht an ihrem Job interessiert wäre.
 
Nur Abstimmungsschwierigkeiten?
 
Abstimmungsschwierigkeiten dieser Art sind überflüssig und auch der ignoranteste Arbeitgeber müsste doch irgendwann kapieren, dass ein Baby nicht innerhalb von drei Wochen sechzehn Jahre alt wird und keiner Betreuung mehr bedarf. Auch in diesem Fall hätte es erheblich Zeit gespart, wenn eine einzige Erklärung genug gewesen wäre. Doch es scheint immer noch Leute zu geben, die selbst genug Zeit haben. Vielleicht gerade deshalb, weil sie die der anderen stehlen…

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.