Was studieren?

Ich erinnere mich noch ganz gut. Während meines
Ersatzdienstes, ich war Rettungssanitäter, saß ich manchmal stundenlang in der
Rettungswache und blätterte in dem grünen Studieninformationsbuch, dass wir in
der Oberstufe bekommen hatten und in dem sämtliche Studienfächer aufgeführt
waren. Ich war froh, dass ich noch 18 Monate Puffer zwischen Schule und Studium
hatte, doch irgendwann musste ich mich entscheiden. Schließlich gibt es ja auch
Bewerbungsfristen etc. Klar war mir nur, dass es ein geisteswissenschaftliches
Fach sein sollte. Dass die Entscheidung schließlich auf die Fächer Politikwissenschaft
und Ethnologie fiel, war auch etwas Zufall, die Beschreibungen in dem grünen
Buch entsprachen aber wohl am ehesten meinen inhaltlichen Erwartungen. Und ich
wollte in eine andere Stadt, weg von den Universitäten Frankfurt und Gießen – und
natürlich weit genug weg vom Elternhaus. Ich wollte alleine, in einer WG oder
im Studentenwohnheim leben. Ich landete erst einmal in Marburg.
 
Das grüne Studieninformationsbuch gibt es immer noch. Und es
scheint weiterhin eine der ersten Informationsquellen zu sein, die Schüler und
Studienwillige nutzen, um sich nach geeigneten Studienfächern und
–kombinationen umzusehen. Aber auch die Angebote eines
Berufsinformationszentrums oder der Studienberatung werden oft in Anspruch
genommen sowie die Informationen aus dem Internet. Außerdem sind Erfahrungen von Freunden und Bekannten, die schon an
der Uni sind, eine Menge wert. Die endgültigen Entscheidungen scheinen dabei –
ähnlich wie bei mir – erst relativ spät zu fallen. Und die Wahl der Stadt
spielt immer wieder eine wichtige Rolle.
 
Natürlich wussten einige meiner Freunde auch schon als
Kind, was sie später mal machen wollen. Und haben es bis heute durchgezogen.
Auf die Idee, sich einen professionellen Karriereplan schon während der Schulzeit zu machen, ist damals aber noch niemand gekommen.

Keine Meinungen

  1. Karriereplanung in der 11. Klasse? Nicht schlecht. Und völlig abgedreht. Ich bin in keiner Weise die Musterschülerin gewesen, und meine Vita weist ungefähr so viele Brüche auf wie die Erde meines Gummibaumes zu Hause. Und trotzdem: heute habe ich einen abwechslungreichen und spannenden Beruf und entscheide selbst, wer mit ins Team darf und wer nicht. Also, Ausnahmen bestätigen die Regel und: nicht alle stehen auf aalglatte Lebensläufe 😉

  2. Christoph Berger

    Ich habe auch Bedenken, falls sich diese Karriereplanung durchsetzen sollte, dass wir zu einer Art eindimensionalen Gesellschaft werden, dass nur noch Fächer studiert werden, die einen wirtschaftlichen Nutzen bringen.Es ist ja schon heute so, dass kleine Fachbereiche, die sogenannten „Orchideenfächer“, ums überleben kämpfen.

  3. Sandra Wondarg

    Es zeigt sich einmal mehr, dass unsere Söhne und Töchter bereits in jungen Jahren im Moloch der Bürokratie zermalmt werden sollen. Wenn íhre Eltern noch das Glück hatten erst im Rentenalter an den Finanzbehörden, Gesundheitsbürokraten und sonstigen Gutmenschen zerbrechen zu müssen .. so geschieht dies mit unseren Kindern an den Bürokratieverseuchten Hochschulen genauso, im Glanze ihrer Jugend. Sie sterben einen geistigen Tod früh und sinnlos Es ist geradezu perfide, dass sie dafür ab sofort auch noch bezahlen müssen. Es klingt noch in den Ohren: Wir brauchen mehr Studenten, Deutschland der Dichter und Denker hat ansonsten keine Chance . Agenda 2010 ein dummdreistes Possenstück von Ex-Kanzler Gerhard Schröder inszeniert.

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