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    Start » Was bringt der Aktionsplan gegen Übergewicht?
    Besser Leben

    Was bringt der Aktionsplan gegen Übergewicht?

    9. Mai 20073 Minuten Lesezeit

    Wer am Dienstag Sandra Maischbergers Talk-Runde zum Thema "Dick oder dünn" gesehen hat, der ahnt, wieviel Sprengstoff der Fünf-Punkte-Plan enthalten wird, den die neue Anti Fett – Anti Bewegungsmangel-Allianz bestehend aus Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Verbraucherminister Horst Seehofer gemeinsam erarbeiten will. Grund: Kein Thema ist so ideologisch besetzt wie das große und weite Feld der Ernährung. Es werden regelrechte Glaubenskriege geführt: um Theorien, Konzepte und nicht zuletzt um Geld. Es ist allerdings zu befürchten, dass die Zielgruppe wie bereits bei der Talkrunde mit Frau Maischberger auf der Strecke bleiben wird. Der sichtlich bemühten Moderatorin gelang es nicht, die undisziplinierte und dialogunfähige Expertenrunde zu bändigen. Zurück blieb ein ratloser Zuschauer, der vermutlich so verwirrt ist, dass er alles beim alten belässt. Chance vertan – sehr bedauerlich. Man fragt sich, welche Stimmen sich aus dem Chor der echten und falschen Experten durchsetzen werden, um dann mit den beiden involvierten Ministern am Plan für ein leichteres Deutschland mitzuarbeiten. Hoffen wir nicht, dass es diejenigen Vertreter aus der Industrie sind, die etwa mit Functional Food bzw. Functional Drinks sowohl falsch ernährten Menschen wie auch Gesundheitshypochondern versprechen, dass diese mit einem gesundheitsrelevanten Zusatznutzen ausgestatteten Lebensmittel und Getränke besser als "normale" Produkte sind.

    Grundsätzlich sehe ich auch Handlungsbedarf im Bereich Ernährung, denn die Deutschen scheinen in der Tat immer korpulenter zu werden. Besorgniserregend ist vor allem die Zahl der Kinder, die bereits dick in die Schule kommen, was gesundheitliche und psychische Pobleme nach sich zieht. Deshalb ist die Idee, Ernährung als Schulfach einzuführen, begrüßenswert, leben wir doch in Zeiten, in denen viele Kids nicht mehr wissen, wie eine Zucchini aussieht oder gar schmeckt. Es ist jedoch wichtig, die Eltern einzubinden, denn wenn die in der Schule vermittelte Theorie nicht auch im Elternhaus gelebt wird, verpufft die Wirkung der Nachhilfe in Sachen Ernährung.

    Es ist schade, dass der Plan des Kabinetts schon im Vorfeld von den Grünen und den Verbraucherzentralen kritisiert wird. Er sei nicht ausreichend, heißt es. Das erinnert an Leute, die über ein Essen meckern noch bevor sie es probiert haben. Jedes Projekt fängt mit dem ersten Schritt an und ein sanfter Start ist doch besser als gar keiner, oder? Ein weiterer übler Reflex sind für meinen Geschmack auch Oppositionsvorschläge, die bestimmte Produkte verbieten wollen. Hier wird wieder einmal der Holzweg mit der Sackgasse verbunden. Verbote sind hier nicht zielführend. Besser wäre eine verständliche Nährwertkennzeichnung, über die auf EU-Ebene nachgedacht wird. Was spricht gegen eine einfache farbcodierte Einkaufshilfe nach dem Ampelprinzip (grün = gut/empfehlenswert – gelb = ab und zu und rot = nur in Maßen und eher selten genießen), die jeder versteht? Die Industrie will es nicht und läuft dagegen Sturm. Ergebnis: Wie so oft knickt die Politik ein. Wer es wirklich ernst mit der gesundheitlichen Aufklärung der Bundesbürger meint, der sollte mit offenem Visier um seine Kunden kämpfen und sie nicht mit Pseudoaufklärung, cleveren Kampagnen und marketingtechnischen Wortspielen in die Irre führen. Es könnte nämlich gut sein, dass die EU diesem Spiel bald ein Ende macht …

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