Walmart zieht ab, geschlagen

Immerhin. Walmart ist der größte Einzelhändler der Welt und der absolute und unumstrittene Marktführer in den USA. In den USA sind insbesondere Lebensmittel teurer als hier und die Mentalität des Dienstleistens viel weiter verbreitet. Dabei sind die Arbeitskräfte billiger und der Einkauf der Waren ist zumindest nicht teurer.

Walmart wollte Service wie in Amerika bieten. Riesengeschrei am Morgen. We´re proud to be Walmart. Oder so ähnlich. Die deutschen Konsumenten konnten aber wohl in so einem Verhalten keinen Mehrwert erkennen. Ist ja auch keiner drin. Eher kam man sich vor, als wäre man inmitten einer paramilitärischen Einheit. Das funktionierte also schon mal nicht. Vielleicht kam noch dazu, dass deutsche oder besser in Deutschland arbeitende Walmarter nicht so unbedingt bedingungslose Dienstleister sind. Und vielleicht haben die Kunden das auch gemerkt. Wer sich dann irgendwie verarxxxt fühlt, kommt auch nicht mehr unbedingt täglich zum Einkauf.

Noch wichtiger allerdings: der Preis. Vom größten Einzelhändler der Welt erwartet man natürlich auch die günstigsten Preise der Welt. Die Skaleneffekte müssen ja geradezu gigantisch sein. Na ja. Auch das war nicht. Die Preise lagen im ganz normalen Bereich. Hans und Franz Supermarkt konnten da locker mithalten, Discounter konnten noch lockerer unterbieten. Wieso also zu Walmart gehen und nicht zum nächstbesten Real oder Kaufland oder Marktkauf oder Lidl oder Plus oder Aldi oder was?  Die traurige Wahrheit ist: Es gab keinen Grund.

Beide Ansätze der Wallmart-Gruppe sind in Deutschland gnadenlos gescheitert. Zu Recht. Denn der Konsument hatte keine Vorteile. Betriebswirtschaftlich korrekt quittierte er das mit Enthaltsamkeit.

Nun übernimmt die Metro mit ihrem Real-Konzept das am Boden liegende Walmart Deutschland und scheint dabei noch zu verdienen. Der Kaufpreis soll am Marktwert orientiert worden zu sein. Bloß raus hier, hat Walmart wohl gedacht. Und nur unter dieser Prämisse macht die Geschichte auch Sinn für die Metro. Hat man dort schließlich mehr altes Hackfleisch rumliegen, als man über die bestehenden Real-Filialen in zehn Jahren würde absetzen können.

Experten sind skeptisch, ob ein Sanierungsfall einen anderen Sanierungsfall sinnvoll integrieren kann. Macht Euch keine Sorgen. Am Ende ist da immer noch der gute Alte von Beisheim. Der reißt es, wenn unbedingt erforderlich, schon wieder raus.

3 Meinungen

  1. Ioannis Papapantelis

    Wenn ein Unternehmen sich geschlagen gibt heißt es nicht unbedingt dass das Unternehmen schlecht ist. Da Wal-Mart weltweit erfolgreich ist und hier in Deutschland nicht, sehe ich das Problem eher beim Konsument. Wal-Mart war nie eine Konkurrenz gegen Aldi & Co. Wer billig einkaufen will der geht zum Discounter und nicht zum Wal-Mart. Wal-Mart hatte einige gute Ideen wie Spezialitäten aus der Welt (habe ich selber gekauft) und Kunden-Service wie einpacken in die Tragetaschen oder einfach kostenlose Tragetaschen. Es wäre z.B. vorstellbar dass wenn es anfängt zum regnen, Mitarbeiter schützen die Cabrios mit Abdeckplanen oder schließen die offene Fenstern der Autos zu (soweit sie natürlich Zugang haben) wie in Amerika oft der Fall ist. Der Deutsche legt auf so was keinen Wert. Die Europäische Gesellschaft ist eben nicht so verwöhnt wie die Amerikanische; leider….

  2. Matthias Volkmann ,Alaska

    Ich bin auf den Fakt von Walmarts Ausstieg in Deutschland durch die Lokale Presse hier in Alaska aufmerksam geworden und habe darauf hin ein paar Nachforschungen im Internet betrieben .Um an den Kommentar von Ioannis Papapantelis anzuknuepfen sowie den Beitrag des Journalisten zu kommentieren kann ich nur vermuten ,das die Walmartnierderlage in Deutschland noch ganz andere Gruende als die im Artkel aufgefuehrten hat .Die aber auf jeden Fall auch mit zum Scheitern fuehrten .Wenn ich die Walmartstrategie hier in den USA mit den Bedingungen die in Deutschland vorliegen vergleiche bin ich fest davon ueberzeugt ,das es Walmart nicht gelungen ist in Deutschland Fuss zu fassen ,weil in Deutschland der Arbeitgeber vom Gesetzgeber mehr in Verantwortung genommen wird (was ich in Deutschland sehr begruesse ) z.B. Kranken und Rentenversicherung sowie Vollzeitbeschaeftigung .Was den Arbeitgeber natuerlich eine Menge Geld kostet und vom Profit abgeht .Auch gibt es bei Walmart America ein striktes Gewerkschaftsverbot ,was Arbeitskampf im Keim erstickt .Schon das erwaehnen vom Wort Gewerkschaft kann zur Kuendigung fuehren .Auch wird hier im generellen von der Firmenleitung eine sehr Arbeitnehmerfeindliche Politik betrieben .Und darum liegt es auch nicht im Interesse der Firmenleitung die waren Gruende des Scheiterns von Walmart in Deutschland in den Medien zu veroeffentlichen .Ich weiss nicht ob die Walmartmitarbeiter in Deutschland gewerkschaftlich organisiert waren .Fuer mich war es auf alle Faelle die Beste Nachricht des Tages ,das Walmart es in Deutschland nicht geschafft hat .Mir tun allerdings die vielen Menschen die jetzt zur Arbeitslosenquote dazuzaehlen leid .Aber vieleicht werden sie ja auch von der Metrogruppe uebernommen .

  3. Dieter Petereit

    Derzeit sieht es wohl so aus, dass keine Entlassungen aus der bisherigen Mitarbeiterschaft geplant sind. Die Gewerkschaft ist ja sogar erfreut über die Übernahme durch Metro, weil jetzt endlich eine tarifgebundene Bezahlung gewährleistet werden kann.Neben den genannten Gründen gilt natürlich die Tatsache zu berücksichtigen, dass gerade in Deutschland das Preisniveau der Lebensmittel im weltweiten Vergleich sehr niedrig ist.Und wenn ein weiteres Stück Amerikanisierung scheitert, sollten wir uns eigentlich alle freuen. Denn die Lebensbedingungen verbessern sich nicht durch Verschlechterungen…

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