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    Start » Waldorf ? ein Kindergartenkonzept, oder?
    Bildung & Beruf

    Waldorf ? ein Kindergartenkonzept, oder?

    3. August 20064 Minuten Lesezeit

    Ich will hier mal ein paar Worte zum Waldorfkindergarten
    loswerden, den ich meinen Kindern immerhin vier Jahre lang zugemutet habe.
    Abgrenzen hiervon muss man die Waldorfschule. Dazu könnte man noch mehr sagen.
    Vielleicht schreibe ich ein andermal darüber. Für heute nur soviel:
    Waldorfkindergarten vielleicht, aber Waldorfschule niemals!!

    Das Konzept des Waldorfkindergartens geht zurück auf die
    Lehren des Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Steiner hat,
    ähnlich wie zB Hubbard eine komplette Lebenswelt aus dem Hut gezaubert. Zu
    jedem Lebensabschnitt, zu jeder Frage menschlichen Daseins hat sich Herr
    Steiner unumstößliche Weisheiten überlegt. Und ähnlich wie Hubbard und seine
    Scientology-Lehren sind auch Steiners Thesen wissenschaftlich nicht begründbar
    und daher auch nicht zu widerlegen. Versteht man die Lehren des Steiner nicht,
    dann „ist man noch nicht so weit.“

    Gut, dieser Steiner also war der erste Schulleiter einer
    nach seinen Lehren durch den Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik 1919
    gegründeten Schule.  Aus den zugrundeliegenden
    Bildungsideen, wenn man sie denn so nennen will (was man wirklich nicht muss),
    wurde nach seinem Tode das Konzept der Waldorfkindergärten entwickelt.

    Da Steiner der Auffassung war, dass sich der menschliche
    Geist erst ab dem 14. Lebensjahr entwickelte, kommt es im Kindergarten nicht
    auf die Förderung des kindlichen Intellekts an. Vielmehr will man die Kinder
    weitestgehend in Ruhe aufwachsen lassen, ihnen Zeit geben, sich Blumen und
    Bäume sehr genau zu betrachten. Das auffälligste am Waldorfkonzept ist dabei
    zunächst der feste Ablauf, der jeden Tag, aber auch den Jahreslauf betrifft.
    Feste, von denen Sie mit Sicherheit noch nichts gehört haben, werden mit
    Gesängen und Tänzen gefeiert, als würden Weihnachten und Ostern auf einen Tag
    fallen.

    Den meisten Kindern wird es in einer solchen Einrichtung
    sehr schnell langweilig. Schließlich erfolgt keine intellektuelle Förderung. Laut
    Steiner soll sich nur der Leib entwickeln. Im Übrigen müssen die Erfahrungen,
    die die Kinder in einem früheren Leben gemacht haben, erstmal verarbeitet
    werden.

    Durch die aufkommende Langeweile lässt sich recht häufig
    aggressives Verhalten der Kinder untereinander beobachten. Die fehlende
    Förderung ist auch immer wieder Hauptkritikpunkt der Eltern, die in der Regel
    nicht die theoretischen Hintergründe des Waldorfkonzeptes kennen.

    Rein rechtlich ist praktisch jeder Waldorfkindergarten eine
    Elterninitiative, also ein eingetragener Verein.  Es werden also neben den Kindergartenbeiträgen
    teils erhebliche zusätzliche Elternbeiträge erhoben. Darüber hinaus müssen sich
    die Eltern als pädagogische und sonstige Handlanger verdingen. Besonders
    beliebt sind auch die regelmäßig stattfindenden Arbeitstage, an denen Eltern
    beispielsweise den Sandkastensand austauschen, die Regenrinnen säubern, den
    Gruppenraum renovieren und sonstige haustechnische und –wirtschaftliche Aufgaben
    erledigen.

    Eltern, die ihre Kinder in den Waldorfkindergarten schicken,
    sind höchst unterschiedlich motiviert. Da gibt es den Müslifresser, für den nix
    anderes in Frage kommt (Musse verstehn, Du), aber auch den Unternehmer, der in
    seiner Haifischwelt lebend, glaubt, er täte seinem Kind etwas Gutes, wenn er es
    in den Schutzraum der Zwerge und Trolle und selbst gebackenem Dinkelbrot
    schickt. Die Elternstruktur ist also durchaus explosiv durchmischt.

    Die rechtliche Organisation als Elterninitiative führt
    darüber hinaus zu dem schwierigen Umstand, dass sich jedes Vereinsmitglied
    irgendwie als Chef empfindet. Das kennen Sie vielleicht aus dem
    Kaninchenzüchterverein… Diese stets lautstark ihr Ego vor sich hertragenden
    Eltern, die allerdings über 90 % der gesamten Elternschaft ausmachen, sorgen
    bisweilen sogar dafür, dass sich vakante Erzieherinnenstellen nur schwer
    besetzen lassen. Wer will da schon arbeiten?

    Mobbing ungeliebter Mitglieder, aber auch Erzieherinnen ist
    an der Tagesordnung. Dabei helfen dann auch gerne sog. WaldorfexpertInnen aus
    anderen Einrichtungen, die Lesezirkel und Bastelkreise oder Eurhythmie
    veranstalten und dabei die weiteren Lehren des Steiner, insbesondere diejenigen
    „zur Erlangung von Kenntnissen der höheren Welten“ verbreiten.

    Wenn heutzutage Innovationen im Bereich der frühkindlichen
    Bildung gefordert werden, wenn auch die Betreuung der Unter-Dreijährigen stark
    zunehmen soll; und all dies mit dem Ziel, den Kindern zum einen Wissen zu
    vermitteln und zum anderen eine bessere Sozialisation unter anderem als
    Kriminalitätsprevention zu gewährleisten. Dann denkt dabei nicht über den
    Waldorfkindergarten nach. Denn dies ist nicht im Entferntesten seine
    Zielrichtung. Leider.

    Dort wird man allerdings zur Erlangung von Fördergeldern
    (Waldorfkindergärten sind in der Regel klamm; die Initiativen sog. Arme Träger)
    jederzeit Gegenteiliges behaupten.

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