Ich will hier mal ein paar Worte zum Waldorfkindergarten
loswerden, den ich meinen Kindern immerhin vier Jahre lang zugemutet habe.
Abgrenzen hiervon muss man die Waldorfschule. Dazu könnte man noch mehr sagen.
Vielleicht schreibe ich ein andermal darüber. Für heute nur soviel:
Waldorfkindergarten vielleicht, aber Waldorfschule niemals!!
Das Konzept des Waldorfkindergartens geht zurück auf die
Lehren des Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie. Steiner hat,
ähnlich wie zB Hubbard eine komplette Lebenswelt aus dem Hut gezaubert. Zu
jedem Lebensabschnitt, zu jeder Frage menschlichen Daseins hat sich Herr
Steiner unumstößliche Weisheiten überlegt. Und ähnlich wie Hubbard und seine
Scientology-Lehren sind auch Steiners Thesen wissenschaftlich nicht begründbar
und daher auch nicht zu widerlegen. Versteht man die Lehren des Steiner nicht,
dann „ist man noch nicht so weit.“
Gut, dieser Steiner also war der erste Schulleiter einer
nach seinen Lehren durch den Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik 1919
gegründeten Schule. Aus den zugrundeliegenden
Bildungsideen, wenn man sie denn so nennen will (was man wirklich nicht muss),
wurde nach seinem Tode das Konzept der Waldorfkindergärten entwickelt.
Da Steiner der Auffassung war, dass sich der menschliche
Geist erst ab dem 14. Lebensjahr entwickelte, kommt es im Kindergarten nicht
auf die Förderung des kindlichen Intellekts an. Vielmehr will man die Kinder
weitestgehend in Ruhe aufwachsen lassen, ihnen Zeit geben, sich Blumen und
Bäume sehr genau zu betrachten. Das auffälligste am Waldorfkonzept ist dabei
zunächst der feste Ablauf, der jeden Tag, aber auch den Jahreslauf betrifft.
Feste, von denen Sie mit Sicherheit noch nichts gehört haben, werden mit
Gesängen und Tänzen gefeiert, als würden Weihnachten und Ostern auf einen Tag
fallen.
Den meisten Kindern wird es in einer solchen Einrichtung
sehr schnell langweilig. Schließlich erfolgt keine intellektuelle Förderung. Laut
Steiner soll sich nur der Leib entwickeln. Im Übrigen müssen die Erfahrungen,
die die Kinder in einem früheren Leben gemacht haben, erstmal verarbeitet
werden.
Durch die aufkommende Langeweile lässt sich recht häufig
aggressives Verhalten der Kinder untereinander beobachten. Die fehlende
Förderung ist auch immer wieder Hauptkritikpunkt der Eltern, die in der Regel
nicht die theoretischen Hintergründe des Waldorfkonzeptes kennen.
Rein rechtlich ist praktisch jeder Waldorfkindergarten eine
Elterninitiative, also ein eingetragener Verein. Es werden also neben den Kindergartenbeiträgen
teils erhebliche zusätzliche Elternbeiträge erhoben. Darüber hinaus müssen sich
die Eltern als pädagogische und sonstige Handlanger verdingen. Besonders
beliebt sind auch die regelmäßig stattfindenden Arbeitstage, an denen Eltern
beispielsweise den Sandkastensand austauschen, die Regenrinnen säubern, den
Gruppenraum renovieren und sonstige haustechnische und –wirtschaftliche Aufgaben
erledigen.
Eltern, die ihre Kinder in den Waldorfkindergarten schicken,
sind höchst unterschiedlich motiviert. Da gibt es den Müslifresser, für den nix
anderes in Frage kommt (Musse verstehn, Du), aber auch den Unternehmer, der in
seiner Haifischwelt lebend, glaubt, er täte seinem Kind etwas Gutes, wenn er es
in den Schutzraum der Zwerge und Trolle und selbst gebackenem Dinkelbrot
schickt. Die Elternstruktur ist also durchaus explosiv durchmischt.
Die rechtliche Organisation als Elterninitiative führt
darüber hinaus zu dem schwierigen Umstand, dass sich jedes Vereinsmitglied
irgendwie als Chef empfindet. Das kennen Sie vielleicht aus dem
Kaninchenzüchterverein… Diese stets lautstark ihr Ego vor sich hertragenden
Eltern, die allerdings über 90 % der gesamten Elternschaft ausmachen, sorgen
bisweilen sogar dafür, dass sich vakante Erzieherinnenstellen nur schwer
besetzen lassen. Wer will da schon arbeiten?
Mobbing ungeliebter Mitglieder, aber auch Erzieherinnen ist
an der Tagesordnung. Dabei helfen dann auch gerne sog. WaldorfexpertInnen aus
anderen Einrichtungen, die Lesezirkel und Bastelkreise oder Eurhythmie
veranstalten und dabei die weiteren Lehren des Steiner, insbesondere diejenigen
„zur Erlangung von Kenntnissen der höheren Welten“ verbreiten.
Wenn heutzutage Innovationen im Bereich der frühkindlichen
Bildung gefordert werden, wenn auch die Betreuung der Unter-Dreijährigen stark
zunehmen soll; und all dies mit dem Ziel, den Kindern zum einen Wissen zu
vermitteln und zum anderen eine bessere Sozialisation unter anderem als
Kriminalitätsprevention zu gewährleisten. Dann denkt dabei nicht über den
Waldorfkindergarten nach. Denn dies ist nicht im Entferntesten seine
Zielrichtung. Leider.
Dort wird man allerdings zur Erlangung von Fördergeldern
(Waldorfkindergärten sind in der Regel klamm; die Initiativen sog. Arme Träger)
jederzeit Gegenteiliges behaupten.
