Vor 20 Jahren

Nun hab ich mir mal eine Computer+Video Games Ausgabe von 1986 rausgekramt und gehe mal die Spielefirmen durch, die darin Werbung machen. Interessanterweise kannte die damals natürlich jedes Kind und auch, ob die jeweilige Firma gute Ware ablieferte oder eben nicht, aber kaum eine davon gibt es heute noch.

Fangen wir mal an mit „Elite Systems“, eine englische Firma, die vor allem Spielhallenklassiker umgesetzt hat: Paperboy, Bomb Jack, Ghosts’n’Goblins, Space Harrier und das in Deutschland damals indizierte Commando. Letzteres dürfte das weitverbreitetste Spiel gewesen sein. Weil wirs haben wollten, eben aus dem Grund, weil es „verboten“ war. Das ist genau heute, daran hat sich rein gar nichts geändert. Was schick war an den Elite-Games: Die konnte man einfach kopieren, mit einem Hex-Editor Texte, Farben und Features ändern und man konnte sich darauf verlassen, daß die Games fast immer für jedes System sauber angepasst waren (was mich als CPC-Besitzer immer ankotzte, war, wenn man es sich da einfach machte und einfach die Synclair-Version konvertierte).

Zwei Seiten weiter: U.S. Gold. Das war so ein wenig der Action-Ramschladen. Manchmal waren die Games richtig gut, oft aber nur halbherzige Konvertierungen, immer wieder mal ultramies ausbalanciert und viel zu schwer. Man merkte das irgendwann und versuchte, aus dem Image dadurch rauszukommen, indem man ein Label (Go!Games!) erfand, mit dem man die Spiele zusätzlich bedachte, die qualitativ an der oberen Kante lagen.

Dann kommt eine Firma, deren Name heute als Marke immer noch existiert: Activision. Die haben damals vor allem durch gute Kapfspiele geglänzt. International Karate war Mitte der Achtziger wohl das anspruchsvollste und schönste Fight-Game, das es gab. Die englische Firma, die den Namen 86 trug, gibts heute aber nicht mehr.

Nächste Seite: Micro Prose Simulation Software. Die haben früher wirklich nichts anderes gemacht, als Flugsimulatoren, meistens von Kampfjets. Darin waren sie unangefochten über Jahrzehnte die besten. Falcon, Project: Stealth Fighter, Gunship, das sind alles Legenden. Auch hier gibt es den Namen noch. Microprose ist aber schon lange keine eigene Firma mehr.

Firebird: Auch eine englische Firma, großartiger Publisher, der wohl mehr Genres erfunden hat als alle anderen Firmen zusammen. Das waren dann solche Hämmer wie Elite oder solcher Schrott wie Sidewize. Firebird gibts auch schon lange nicht mehr.

Ich spare mir jetzt mal genaueres zu all den damals schon nur im Mittelfeld spielenden Companies wie Ariosoft, Nexus, Gremlin (wobei, die haben noch echt lange überlebt, die waren eine der wenigen Firmen, die es auch nach der 16bit-Ära noch gab), Novagen, Palace, Hewson (die hatten auch ein seltsames Lineup: Mit „Southern Belle“ veröffentlichten die wohl die erste Eisenbahnsimulation ever) und so. Kommen wir zu den beiden Platzhirschen dieser Zeit:

imagine (..the name of the game): Die waren recht neu, haben den 8-Bitter Markt aber in Nullkommanix mit einer Unmenge und dennoch wirklich guten Actiongames aufgemischt. Yie are Kung Fu, Freddy Hardest, das brutale aber großartige Renegade…die Liste der Hits ist lang. Die Firma gibts nicht mehr, wahrscheinlich hat man den Sprung zu den 16-Bittern nicht geschafft.

Ebenso dürfte es Ocean passiert sein. Die waren berühm-berüchtigt, weil sie die Firma waren, die wohl die meisten Filmlizenzen ever zu Gurkenspielen umgesetzt haben. Was erstaunte, denn die meisten Ocean-Spiele ohne Filmlizenz waren echt okay, im Gegenteil, Ocean hat einen großen Anteil an der Art und Weise, wie professionelle Spieleentwicklung funktionierte. Mein absolutes Lieblings-Actionspiel auf dem Scheider CPC war Oceans „Gryzor“. Allerdings gelang auch ihnen nicht, die 16-Bitter zu bedienen und sie gingen ein.

Und dann finde ich auch noch die Anzeige zu Ultima 5. Origin Systems. Das großartige Titelbild mit dem rotberockten Ritter in Kettenhemd, der mit gezücktem Schwert vor diesen drei großen schwarzen Figuren steht. Das schönste Gamecover Mitte der Achtziger. Meiner Meinung.

So war das damals. Vielleicht sehe ich daher auch für heute nicht so Schwarz wie andere: Auch die heutigen Platzhirsche wie Electronic Arts oder Ubisoft haben mal ganz klein angefangen und die Platzhirsche von früher haben auch nicht überlebt, als sie nichts ordentliches mehr zuwege brachten. Ich habe ein Buch aus Anfang der Achtziger im Schrank, das heißt „Weltmacht ITT“ und warnt davor, daß dieser Ultrakonzern irgendwann die gesamte Wirtschaft und Politik in der Hand hat, weil sie deren Infrastruktur stellt. Heute fragt man sich „Wer zum Teufel ist ITT?“ und ich denke, man hätte sich durchaus den Spaß erlauben können, das selbe Buch Anfang der Neunziger wiederzuveröffentlichen und „ITT“ durch „IBM“ zu ersetzen. Und dasselbe um 2000 herum nochmal zu tun und „IBM“ mit „Microsoft“ auszutauschen…

3 Meinungen

  1. Da fällt mir ein: ich wollte ja mal wieder „Die Wüste Internet“ von Clifford Stoll lesen (von ’95). Ist bestimmt auch lustig (oder erschreckend prophetisch – ich erinnere mich nicht mehr so an die Details).

  2. Hmm, interessanter Beitrag – aber ich hätte mir dann schon auch Scans von den Anzeigen gewünscht – so liest es sich ein bisschen sehr theoretisch. Gruß, Bjoern

  3. mein scanner funktioniert jetzt wieder, morgen liefere ich nach.

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