Von Größenwahn und Gleichschaltung: Architektur im Nationalsozialismus

In erster Linie ging es in der Baupolitik des Dritten Reichs zunächst darum, die Vergangenheit zurückzulassen. Hierbei wurde vor allem die Bauhaus Architektur strikt abgelehnt, da diese Strömung und die Resultate „undeutsch“ gewesen seien.
Sodann erfasste Hitler recht schnell die Faszination des Bauens, der Begriff „Größenwahn“ ist hierbei noch untertrieben. Hitler sah das „Wort aus Stein“, nahm also an, dass die größten Zeiten verschiedener Völker mit den größten Bauwerken einher gingen, dass man mit der Erschaffung neuer Gebäude und Straßenführungen also Dinge ausdrücken kann, die keiner weiteren Erklärung bedürfen. Somit ließ Hitler insbesondere für die Hauptstadt Berlin völlig überdimensionierte, monumentale Ungeheuer planen; „Germania“ sollte entstehen. Die Architektur im Nationalsozialismus – eine schwarze Stunde deutscher Kunstgeschichte.

Architektur im Nationalsozialismus oder: das Maß völlig verloren

Albert Speer wurde 1935 zu des Führers rechter Architekten-Hand, ab 1937 zeichnete er als Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt für die Große Halle bzw. war für das gesamte Stadtkonzept von „Germania“ verantwortlich. Speer war Anhänger neoklassizistischer Baukunst, auch Hitler hatte seine Vorlieben für den eklektischenStil des frühen 20. Jahrhunderts, Speer wurde zu seinem wichtigsten Bauherren. Dabei ging es Hitler vor allem um die Umgestaltung ganzer Städte: München, Hamburg, Nürnberg, Linz und eben Berlin sollten ein gänzlich neues Gesicht bekommen oder aber zumindest funktionaler ausgerichtet werden. Wie erwähnt: Ideologie macht vor Häusern ebenso wenig Halt, wie vor Häusertüren.

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Die „Kunst“ der Architektur im Nationalsozialismus nachzuzeichnen erweist sich insofern als recht schwer, da im Grunde die Intention und Motivation weniger aus einem näher zu definierenden Kunstbegriff rührte, als vielmehr aus der Weltanschauung und Gigantomie der deutschen politischen Führung jener Zeit. Diese Gigantomie steigerte sich umso mehr, je aussichtsloser sich die Situation für die deutschen Truppen im Krieg darstellte. Die Planungen für Berlin (es sollten zwei riesige Schneisen geschlagen werden, von Ost nach West und Nord nach Süd, zudem ein Triumphbogen in bis dato nie da gewesener Größe entstehen und zig neue Häuser die Straßen umgeben) reiften tatsächlich erst konkret in den 40er Jahren und konnten somit – Gott sei Dank – nie in die Realtiät umgesetzt werden. Ein Scheusal architektonischen Übermuts wäre die Große Halle, oder „Halle des Volkes“ geworden.

Die Halle des Volkes als der Höhepunkt des Irrsinns

Bis zu 180.000 Menschen sollten in der als Kongresshalle angedachten Großen Halle Platz haben, insgesamt hätte die Kuppel ein Volumen gehabt, das um das Siebzehnfache jenes des Petersdoms übertrumpft hätte. Der Scheitelpunkt wäre bei 290 Meter angesetzt gewesen und die Halle hätte in unmittelbarer Nähe zum Reichstag gestanden. Wie gesagt: Welch Glück, dass Berlin dies erspart blieb.

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