Viva la evolución

In den USA behaupten Vertreter des „Intelligent Design“, dass das Leben auf der Erde zu komplex sei, als dass es im Laufe von Jahrmillionen rein zufällig und allein durch natürliche Auslese entstanden sein könne. Dahinter müsse ein intelligenter Planer stecken.
 
Thomas Bosch hält nichts von solchen Spekulationen: Evolution finde immer und auf allen Ebenen statt, sie sei nicht umkehrbar und nicht zielgerichtet. Hinter der Entwicklung des Lebens gebe es keinen erkennbaren Zweck. „Intelligent Design“ sei dagegen keine Theorie und keine Wissenschaft sondern lediglich eine Behauptung, die im Gegensatz zur Evolutionstheorie empirisch, also durch Experimente, nicht zu belegen sei.
 
Nun ist es aber so, dass aktuellen Umfragen zufolge jeder zweite US-Amerikaner glaubt, hinter der Entwicklung des Lebens und vor allem des Menschen stecke ein göttlicher Planer. Auch unter amerikanischen Wissenschaftlern ist „Intelligent Design“ entgegen der Meinung von Thomas Bosch eine attraktive wissenschaftliche Theorie. Allerdings ist das amerikanische Wissenschaftssystem erheblich ideologieanfälliger als das Deutsche Hochschulwesen: Wer das Geld hat, hat die Macht, und wer zurzeit in Amerika über die Evolution forschen will, bekommt aus den von christlichen Fundamentalisten der Bush-Administration kontrollierten Kassen kein Geld. Also wird „Intelligent Design“ gemacht.
 
In den USA sind bereits in einigen Bundesstaaten Schulbücher abgeschafft worden, weil sie die Evolutionstheorie enthielten. Und bei uns in Deutschland gibt es Eltern, die ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken, weil sie ihre Kinder nicht der Evolutionslehre aussetzen wollen. Wo wird noch hinführen.
 
Biologie ist nicht Theologie und Theologie hat in der Biologie nichts zu suchen. Die Biologie stellt Theorien und Hypothesen darüber auf, wie Leben entsteht. Eine Biologie, die von der Theologie kontrolliert wird, ist schlechte Biologie. Die Evolutionstheorie gibt brauchbare Antworten auf die Fragen der Biologen – nicht mehr und nicht weniger. Sie erfüllt ihren Zweck, und das besonders gut, wenn sie frei von Ideologie ist. Das ganze hat nichts mit dem Glauben an Gott zu tun, so Thomas Bosch. Und der Glaube wird, solange sich die Naturwissenschaft nicht selbst zur Religion erklärt, davon auch nicht tangiert. Das ist meine Meinung. Biologen können die Frage nach dem Sinn des Ganzen nicht beantworten, weil diese Frage im biologischen Paradigma nicht vorkommt – ebenso wenig wie die Begriffe „Liebe, Vertrauen, Hoffnung“. Biologen kennen keine Warum-Frage und unter ihren Mikroskopen werden sie niemals Liebe, Vertrauen und Hoffnung sehen können. Dies sind Themen des Glaubens, der für diese Dinge, die man durch kein Mikroskop sehen kann, Begriffe kennt. Der Glaube interessiert sich dagen nicht für das Sequenzieren von Fruchtfliegen-DNA, und er sollte das auch nicht.
 
Das Interview mit Thomas Bosch steht Magazin „Uni-Zeit“ der CAU in Kiel.

6 Meinungen

  1. Also hmm, lieber Herr Conrads, das ist jetzt nicht einfach für mich zu erkennen, was Sie persönlich wirklich denken. Was Herr Thomas Bosch dazu meint, erfährt man schon deutlicher. Eigentlich erklären Sie nur in einem einzigen Satz, es wäre Ihre eigene Meinung, der Glaube würde, solange sich die Naturwissenschaft nicht selbst zur Religion erklärt, von diesen auch nicht tangiert. Obwohl: Hat sich nicht auch der Götterglaube jeweils selbst zur Religion erklärt? Und ganz so einfach kann man es sich aber nicht machen im Sinne von „Biologie hat mit Theologie nichts zu tun, Theologie hat mit Biologie (oder evtl. anderen Wissenschaften) nichts zu tun und sich in die Ebene der verschiedenenartigen Fragestellungen flüchten. Warum, wie, wer, wozu, wodurch etc. Da waren die alleinherrschenden Kirchenfürsten nämlich entschieden anderer Meinung, als Sie z.B. im Mittelalter etliche Wissenschaftler verfolgten oder töteten, weil wissenschaftliche Erkenntnisse sehrwohl ihr Weltbild des Glaubens, ihre Stellung, ihre Glaubwürdigkeit und ihre ausgegebenen Parolen und Ansichten bedrohten. Wissenschaft ist nämlich das erhellende Licht in der Dunkelheit der Unwissenheit, welche die Kirche dringend brauchte und daher erhalten wollte. Hätte die Kirche zu Darwins Zeiten noch so viel Macht gehabt, hätte dieser Mann mit Sicherheit auch dran glauben müssen. Bekämpft haben sie ihn jedenfalls massiv.Ob die Kirche oder aber Sie selbst heute an die wissenschaftliche Evolutionstheorie und/oder einen gottgewollten Heils-Plan glauben, (wie sieht der aus, was hat der zum Ziel und welchen Zweck verfolgt der???) sowie daran, dass Gott selbst die Menschen erschaffen und sie sich entwickeln hat lassen oder diese schon fertig hochentwickelt geschaffen wurden, erzählen Sie uns jetzt leider nicht. Auch möchte ich gerne noch weitere Fragen von Ihnen als Theologen, der schließlich von sich selbst sagt, er habe alle theologische Fragen im Griff, beantwortet bekommen und zwar folgende: WARUM hat Gott den Menschen überhaupt erschaffen? Wozu braucht ein Gott eigentlich Menschen? Und wo würde sich in der Schöpfung hier ein planvolles, zielgerichtetes oder gar sinnvolles Vorgehen zeigen? Wozu erschuf er denn unzählige Milliarden von dummen Kugeln im All, heißen, kalten, festen oder gasförmigen, und noch strunzdümmere, herumkurvende Eisbrocken aus dem Kuipergürtel, die seine hochwertigen Kreaturen dauernd bedrohen, wenn Gott doch für seine angeblich höchste und letzte Schöpfung nur ein kleines Erdenkügelchen gebraucht hätte, und er das ansonsten sinnlose Universum drumherum viel sparsamer und von Anfang an freundlich warm und angenehm hell, sowie sinnvollerweise schon mit Atemluft gefüllt, erschaffen hätte können? Von so extremen klimatischen Unterschieden von arschkalt und nass bis brüllheiß und ausgetrocknet ganz zu schweigen. Ist diese Erde eine gut ausgewogene, gerechte Wohnstatt für die einzige lebendige Schöpfung weit und breit? Warum kann Gott angeblich ausgeklügelte Menschen erschaffen, aber dem simplen Materialbrocken nicht befehlen, gefälligst zuverlässig von seiner Erde wegzubleiben. Es scheint auch wenig durchdacht oder intelligent zu sein, wenig planvoll oder nutzvoll, die eigenen Kreationen immer wieder einmal mit einem Streich auszurotten oder zu zerstören und von vorne anzufangen nach so einem Aufwand. In einer Firma hätte Gott bei so einer Arbeitsweise und einer derartigen Aufwand/Nutzen-Rechnung wahrscheinlich nicht einmal die Probezeit überstanden. Den Neandertaler, den wir als Menschen bezeichnen, hat er zum Beispiel wieder aussterben lassen und einen fitteren Menschenstrang, den Chromagnon-Menschen mit seinem Vorfahren Prokonsul zu unserem Menschheitsahnen gemacht. Hat Gott Verschiedenes erst einmal ausprobiert, auch die Dinosaurier? Ist er ein „nüchterner“ Labor-Wissenschaftler, der organisches Leben nur als Arbeitsmaterial sieht, die Erde als Petrischale benutzt und nur gute, überlebensfähige Ergebnisse am Leben lässt? Dann hätte Darwin jedenfalls hundertprozentig Recht. Ist das der Sinn hinter allem? Denn warum sollte ein Gott denn so viel Materielles oder Körperliches überhaupt erschaffen, auch den Menschen, wo es ihm doch um das Spirituelle allein zu gehen scheint, um die Seele? Warum sind wir Menschen dann nicht auch „nach seinem Ebenbild“ ebensolche rein spirituelle Wesen geworden? Und warum gibt er den Tieren keine anerkannte Seele oder Gefühle? Anderes Forschungsprojekt? Warum setzte er uns damals peng auf die Erde und überließ seine angeblich so geliebten Kreaturen ihrem Schicksal, setzte sie über Jahrmillionen hinweg einem oft grausamen körperlichen Überlebenskampf aus in seiner angeblich grenzenlosen Güte? Auch die Frage, was nützt ein Gott überhaupt dem Menschen im Allgemeinen, darf man doch wohl auch einmal in den Raum stellen. Oder was hilft er ihm im Besonderen, wenn dieser sich gegenüber den vielen Hungernden und durch Naturkatastrophen vernichteten Menschen so grenzenlos gleichgültig zeigt? Kein Plan? Heilsplan? Quält er erst seine Menschen mit Überlebenskampf und erlöst er sie dann in körperlose Sphären, wenn sie an ihn glauben, egal ob manche Menschen sich auf Erden in der Wüste hatten abmühen müssen oder in fruchtbaren Gegenden bereits ein Leben wie im Paradies hatten führen können? Ist Gott ungerecht? Wählt er wirklich von Anbeginn an die Seinen aus? Könnte man das nicht deutlich Selektion nennen? Ist Darwin also Gottes Schüler? Hat Gott Darwin seine Evolutionslehre diktiert (wer könnte das Gegenteil dieser Behauptung beweisen, ging bei der Bibel schließlich auch nicht?) Ersetzt Gottes offenbartes Evolutionsgeheimnis nun die überholte alte Bibel? Wird Evolutionstheorie das dritte Testament? Schluss mit Geheimnis des Glaubens? Dann allerdings würde ihre obige Befürchtung doch wahr werden und die Naturwissenschaft wäre die neue Religion, aber auch der empirische Gottesbeweis. Endlich. Dann bliebe den großmächtigen, uralten, behäbigen und scheinbar ewigen Kirchen nur zu hoffen, dass sich das warnende Beispiel in ihres Gottes Labor-Plan nicht wiederholt, wo er doch schon einmal ausgerechnet die großmächtigen, uralten, plumpen und scheinbar „unkaputtbaren“ Dinos komplett und unerwartet hat aussterben lassen. Ich mache mir ernstlich Gedanken, wenn auch manchmal ungewöhnliche und hoffe daher auf eine ernsthafte Antwort.Liebe Grüße, Ihr Sowieso

  2. Ich danke Ihnen diesmal sehr für Ihren kritischen und differenzierten Kommentar. Wir haben uns hier wohl auf ein weites Feld begeben. Grundsätzlich denke ich, dass uns MEnschen der Wunsch nach Objektivität in die Ideologie treibt. Ich habe da sehr viel von dem Philosophen Ernst von Glasersfeld und von meinem Doktorvater Peter Lampe gelernt.Vieleicht haben Sie ja Lust, mal etwas von den beiden zu lesen:Glasersfeld, Ernst von, Ernst v., Konstruktion von Wirklichkeit und der Begriff der Objektivität, in: Einführung in den Konstruktivismus, Schriften der Carl Friedrich von Siemens Stif-tung, Bd.10, München 1985, S. 1-26Lampe, Peter, Die Wirklichkeit als Bild, Gütersloh 2006Ser schöne Einführung in den Konstruktivismus!Pörksen, Bernhard, Abschied vom Absoluten. Gespräche zum Konstruktivismus, Heidelberg 2001Ich habe mich durch Ihren Kommentar inspiriert gefühlt zu meinem Beitrag vom 21.07, wohl wissend, dass auch der nur Fragment ist.Viele GrüßeF.C.

  3. Danke für Ihre Buchempfehlung. Ja, ist vielleicht einmal etwas für lange Winterabende, nur momentan zerfließe ich vor Hitze und habe leider wenig Zeit.

  4. Von dem Bild mit der Hantelbank im Hintergrund einmal abgesehen, kann ich mich bei fast allen Bildern des Eindrucks icht erwehren, dass die Typen noch bei ihrer Grossmutter wohnen und eine Partnerin suchen, um schleunigst einen Grund zu finden, dort auszuziehen und die arme Oma den Mitarbeitern von der Sozialstation (resp. „Essen auf Raedern“) auszuliefern. Verantwortungsloses Pack.:-)-m*sh-

  5. Gibts denn das in Deutschland auch? Dachte dass dieses Vorurteil nur in Verbindung mit den schleimigen Italiener geracht wird!

  6. Ich hab irgendwann die Erfahrung gemacht, daß es eigentlich scheißegal ist wie man sich die Bude einrichtet. Hat man ersteinmal eine Frau in der Wohnung, richtet sie sowieso alles neu ein und nach spätestens 4 Wochen erkennt man die Höhle nicht mehr wieder. Und das glt nicht nur für die oben beschriebenen Entsetzlichkeiten, sondern selbst dann, wenn man sich die Hütte von einem Dutzend schwuler Innendesigner hat einrichten lassen. Da kann man es sich wenigstens solange gemütlich machen bis man ne Frau hat. Von da an gilt: Lebenslang Hobbykeller.

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