Verbraucherschutz „light“: Es darf weitergegammelt werden

Der Berg kreist und gebiert eine Maus. So und nicht anders sehe ich die Resultate der Verbraucherschutzministerkonferenz, die heute der Öffentlichkeit hinsichtlich des Dauerthemas Gammelfleisch präsentiert wurden. Was die verantwortlichen Minister im lieblichen Baden-Baden in Sachen Verbraucherschutz beschlossen haben, dürfte – wenn nicht mutig nachgebessert wird- definitiv keine neuen Fleischskandale verhindern. Wer glaubt, dass das Einfärben von Fleischabfällen alle diesbezüglichen Probleme löst, der kann oder will das ganze Dilemma nicht erfassen. Wie ist es nur möglich, dass skrupellose Händler soviel Fleisch horten und es dann gewinnbringend verkaufen? Und: Warum behandelt man diese Menschen nicht wie Kriminelle? Wenn ich richtig informiert bin, dann müssen nach dem vorliegenden Gesetzentwurf die betroffenen "Gammelfleisch-Unternehmer" einer Veröffentlichung durch die Behörden zustimmen. Es ist doch wohl logisch, dass sie auf diese Art der Werbung gerne verzichten. Dadurch hat aber der Verbraucher keine Chance, diese stinkenden schwarzen Schafe zu meiden. Die Konsequenz? In der gesetzlich garantierten Anonymität wird munter weiter Gammelfleisch verschoben. Es ist wirklich traurig, wie schwer sich die Politik tut. Jeder zeigt mit dem Finger auf den Anderen oder schiebt alles auf unseren Föderalismus. Das ist nicht akzeptabel.

Ich habe aus den ganzen ekeligen Fleischskandalen der letzten Jahre meine Konsequenzen gezogen. Mir kommt nur noch Biofleisch auf den Teller. Ich würde allerdings auch einem Metzger vertrauen, der mir fest in die Augen sieht und mir ohne rot zu werden erklären kann, woher er sein Fleisch bezieht. Leider kann Biofleisch aufgrund des höheren Preises nicht für alle Menschen in Deutschland Standard werden. Ich esse höchstens ein-bis zweimal im Monat Fleisch, deshalb darf es ruhig etwas teurer sein. Mit Biofleisch fühle ich mich auf der sicheren Seite. Außerdem vertraue ich darauf, dass dieses Fleisch nicht über Lohndumping produziert wurde. Es muss jedoch auch möglich sein, beim Discounter eine vernünftige Fleischqualität zu bekommen. Und hier ist der Staat gefordert. Es müssen einfach mehr unangekündigte Kontrollen her. Zudem sollten alle, die mit Gammelfleisch erwischt werden, drakonisch bestraft werden. Und wo trifft man heutzutage die Leute am Ärgsten? Am Geldbeutel und nicht am Ehrgefühl – leider. Deshalb dürfen erwischte Fleischgammler nicht länger mit vergleichsweise lächerlichen Geldstrafen davonkommen. Im Wiederholungsfall muss ihnen jeglicher Handel bzw. Umgang mit Fleisch untersagt werden. Auch über Strohmänner und "Strohfrauen", etwa Brüder, Söhne oder Ehefrauen. Der Handel mit Gammelfleisch oder das Auftischen von Gammelfleisch in gastronomischen Betrieben sind meines Erachtens keine Lappalie, sondern zeugen von einer hohen kriminellen Energie und einem besonderen Maß an Verantwortungslosigkeit. Geldgier ist sowieso mit im Spiel. Diesem Treiben ist Einhalt zu gebieten, und zwar so schnell wie möglich. Hoffentlich fällt den verantwortlichen Ministern noch etwas Vernünftiges ein, denn Baden-Baden war  in punkto Verbraucherschutz vor Gammelfleisch kaum mehr als ein bescheidenes Warming-up.

Keine Meinungen

  1. Hallo, ich wollte mich an dieser Stelle einmal für die sehr guten Informationen in diesem Blog bedanken.

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