TEMPELHOF und kein Ende ?

Puzzlen wir´s nochmal auseinander. Für jene in der Berliner CDU, die es noch immer nicht verstanden haben. 609 509 "JA"-Stimmen wären notwendig gewesen, um dem Regierenden Bürgermeister den Weiterbetrieb von Tempelhof als "Volkes Wille" zu verkaufen. Tatsächlich kamen
530 231 "JA"-Stimmen zusammen. Das sind nach Adam Ries einige weniger als nötig. Sind wir uns soweit einig? Wir könnten das Ganze auch noch in Prozente gießen und kämen statt der notwendigen 25 Prozent der Wahlberechtigten für einen Erfolg der Abstimmung auf gerade 21 komma sowieso Prozent. Auch klar, oder? Dennoch will die Rhetorik, dieser Volks"entscheid" sei ein Erfolg für die "JA"-Sager gewesen nicht enden. Im Gegenteil: jetzt wird das Ergebnis gedeutet, wie es gerade passt. Wirtschaftskapitäne, wie Wöhrl sagen, die "JA"-Zahl könne niemand übergehen. Das ist tatsächlich noch am Einleuchtendsten. Mehr als 500 000 Berliner für den flügellahmen Flughafen – ok – nicht wenig! Der Regierende Klaus Wowereit weigert sich in seiner Herrlichkeit nämlich noch immer die Bedeutung dieser Zahl zu realisieren. Längst hätte er in präsidialer Größe – zumal als vielleicht künftiger Kanzler – einen Schritt auf die Tempelhof-Verteidiger zugehen und die Abstimmung als Teil direkter Demokratie fördern können. Stattdessen versuchte er das Theater bärbeißig links liegen zu lassen. Eindeutig ein Fehler.
Soweit noch alles richtig? Ja, oder? Doch da ist auch noch CDU-Fraktionschef Pflüger. Um es mit dem "Teutonen" Trappatoni zu sagen: "Was erlaube Pflüger?" Er rechnet dem Regierenden vor, dass dieser von weniger Menschen gewählt worden sei, als der Flughafen. Und überhaupt rechnet er alle Zahlen zu einem riesigen Erfolg um, am dem niemand vorbei könne. Letztlich hätten die meisten Berliner Tempelhof gewollt. Das nennt man "Realitätsverlust". Die verbalen Brennstäbe sollten sich ins Fleisch des Regierenden graben, haben aber mit der Sachfrage Tempelhof so wenig zu tun, wie ein Hühnerei mit Wodka.

Tatsächlich geht es um die Wiedergewinnung der konservativen Mitte Berlins. Es geht um die Stimmen in Steglitz, Zehlendorf und Wilmersdorf, um die Gutverdiener in Charlottenburg und die Frage, wer für die ausgemachte Mittelschicht (deren Zahl wir nunmehr sogar recht genau kennen dürften) in Berlin Politik macht. Die CDU hatte bei den letzten Wahlkämpfen so wenig Fortune gegen den beliebten, polternden Regierenden gezeigt – da musste ein Achtungserfolg her. Kostete es, was es wollte! Es ging um nicht weniger, als die politische Existenz der Christdemokraten und ihres stets überkorrekt, aber technokratisch auftretenden Fraktionschefs Pflüger. Wer für die Geschichte des "Rosinen-Bomber-Flughafens" steht, wer Westberlin noch in seinen ursprünglichen Grenzen sieht und als sprichwörtliche Wilmersdorfer Witwe Berlin verteidigt, der muss nunmehr Friedbert Pflügers Truppe das Käsetörtchen am Kudamm spendieren. Die Tempelhof-Kampagne könnte dies bewirken, wenn die Initiatoren jetzt nicht zu "Spielverderbern" werden, die in Nach-Wahl-Schröder-Manier ihre Niederlage vom Sonntag nicht anerkennen wollen. Da droht der Bumerang – der politische.

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