Es geschah vor gut zwei Wochen, am 24. Juni. Das Dorf Pretzien an der Elbe beging die Mittsommernacht mit „Tanz und kulturellem Programm“. Zu dem kulturellen Treiben gehörte auch ein Sonnenwendfeuer, dessen Flammen eine amerikanische Flagge geopfert wurde. Später kam dann ein Vollidiot auf die Idee, doch alles zu verbrennen, was verbrennenswürdig sei. Was macht sich da besser als Papier? Lesen können vermutlich eh die wenigsten der Teilnehmer und ihre großen Vorbilder haben es ja schließlich auch getan. Also schnappte sich einer ein Buch und sagte deutlich hörbar: „Ich übergebe dem Feuer Anne Frank“. Anschließend ging das „Tagebuch der Anne Frank“ in Flammen auf. Die Menge war amüsiert.
Zur Menge gehörte auch Friedrich Harwig, 66 Jahre als, PDS-Mitglied und Bürgermeister des 900-Seelen Ortes. Eingeschritten ist er nicht. Warum auch, es handelte sich ja um seine Vereinskameraden vom Heimatbund Ostelbien. Einem wegen rechtsextremer Umtriebe unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehenden Verein, dessen großer Gönner der Bürgermeister Pretziens ist. Eine Hand wäscht die andere, die Rechtsextremen helfen bei Dorffesten dafür werden sie auf der Homepage des Ortes erwähnt (mittlerweile ist die Seite aus dem Netz genommen). Ganz selbstlos ist das zivilgesellschaftliche Engagement des Vereins wohl auch nicht. Als „rechte“ Hand des Bürgermeisters genießt man ein gewisses Ansehen, dass man für die Rekrutierung von Mitgliedern oder zur Verbreitung seines stumpfsinnigen Gedankengutes nutzen kann.
Hartwig hat die Konsequenzen gezogen und will nun aus der PDS austreten, sein Bürgermeisteramt, er wurde mit 442 von 442 gültigen Stimmen gewählt, will er jedoch nicht niederlegen.
Dass die Kluft zwischen Rechts und Links nicht so groß sein kann, hat nicht nur die CDU-MV bemerkt und die PDS bestritten. Auch der Parteiwechsel eines gewissen Herrn Wagner ist dafür Indiz.
Traurig, dass das bunte Bild, welches die WM von Deutschland zeichnete, sich nun wieder braun färbt. Im Ausland nimmt man auch solche Aussetzer war.
