Spontane Selbstentzündung: Was steckt dahinter?

Charles Dickens, der russische Schriftsteller Nikolai Gogol und auch heutige Fernsehserien greifen immer wieder mal auf ein mysteriöses Phänomen zurück: die spontane Selbstentzündung. Bei diesem Prozess sollen Menschen ohne erkennbaren Grund vollständig verbrennen, so dass angeblich nur noch Asche und Reste von Armen, Beinen und inneren Organen übrig bleiben. Das Kuriose ist, dass das Feuer nicht auf den gesamten Raum übergreift und selbst leicht brennbare Gegenstände in unmittelbarer Nähe nahezu unversehrt bleiben. Was ist dran an der Geschichte? Welche Erklärungsversuche gibt es?

Die spontane Selbstentzündung- ein paranormales Phänomen?

Verbrannte Leichen in unverbrannter Umgebung wurden bereits im 17. Jahrhundert gefunden und dokumentiert. Auch in diesem Jahrhundert gibt es mehrere belegte Fälle, die u.A. durch Alkoholkonsum oder durch Rauchen ausgelöst wurden – sei es durch Verlust des Bewusstseins nach dem Konsum von Schlaftabletten während des Rauchens, oder durch glühenden Pfeifentabak bei körperlicher Eingeschränktheit. Jedoch waren nur in vereinzelten Fällen Augenzeugen dabei. Eines haben die meisten Opfer gemein-sie sind meist alt, krank, wehrlos oder durch den Konsum von Schmerzmittel, Beruhigungsmittel oder Alkohol reaktionsunfähig. Sie atmen die Rauchgase ein und werden schnell ohnmächtig.

Es gibt diverse Theorien, mit der die spontane Selbstentzündung erklärt werden soll. Insbesondere in Berichten aus dem 17. und 18. Jahrhundert wurde exzessiver Alkoholkonsum als Ursache für die spontane Verbrennung vermutet. Ausgehend von der Tatsache, dass Alkoholdämpfe leicht entzündlich sind, glaubte man, dass übermäßiges Trinken brennbarer Spirituosen den menschlichen Körper selbst brennbar macht. Allerdings zeigte der Chemiker Justus von Liebig bereits 1850, dass ein mit verdünntem Alkohol getränktes Gewebe selbst bei einer externen Flamme nicht zu Asche verbrennt. Auch bei 3 Promille Alkohol im Blut beginnt das Blut nicht an zu brennen und der Mensch würde vorher bereits an einer Alkoholvergiftung sterben.

Eine andere Theorie erklärt die spontane menschliche Selbstentzündung anhand einer elektrostatischen Entladung, bei der Menschen mit besonders trockener Haut angeblich eine Elektrizität von bis zu 30.000 Volt erzeugen können, die unter bestimmten Umständen ein Feuer erzeugen kann. Allerdings erklärt diese Theorie nicht, warum bei vielen der angeblichen Opfer das Feuer von innen kam. Auch Kugelblitze kommen als Ursache in Betracht. Dabei soll bei dem Kontakt mit einem Kugelblitz die in dessen Inneren gespeicherte Energie schlagartig freisetzt werden, wodurch dann eine Verbrennung ausgelöst wird.

Selbst chemische Reaktionen wurden als Erklärung herangezogen. Demnach sollen außer Kontrolle geratene Mitochondrien, die menschlichen Kraftwerke der Zelle, explodieren und den Körper von innen heraus entzünden. Für diese Knallgasreaktion müssten allerdings Sauerstoff und Wasserstoff im gasförmigen Zustand in den Zellen vorliegen, was aber wissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht. Sogar ein hypothetisches Elementarteilchen, das Pyroton, wurde in Betracht gezogen. Dieses subatomare Teilchen soll sich bei der Wechselwirkung mit einer Zelle selbst entzünden.

Die spontane Selbstentzündung und der Dochteffekt: der Mensch als Kerze

Wissenschaftler haben eine andere Erklärung, den sogenannten Dochteffekt, gefunden. Bei Experimenten wurde hierzu ein totes Schwein in Stoff eingewickelt und angezündet. Die Flamme fraß sich langsam durch den Stoff, der analog einem Docht wirkt, wobei das Fettgewebe des Schweins dem Wachs einer Kerze entspricht. So brennt das Fett langsam, ohne dass die Umgebung Schaden nimmt. Gegenstände, die dennoch Feuer fangen, erklären Wissenschaftler mit der seitlichen Konvektionsströmung der aufsteigenden heißen Luft. Und Beine, die in vielen Fällen übrig blieben, sind auf Röcke zurückzuführen, die die Beine nicht mit Stoff bedecken und deshalb auch nicht von den Flammen aufgezehrt werden.

Gemäß dieser Erklärung entflammt ein offenes Feuer erst die Haare und Kleidung des Opfers. Durch die Hitze verflüssigt sich dann das direkt unterhalb der Haut liegende Fettgewebe. So wie eine Kerzenflamme sich vom Wachs nährt, verbrennt das Fett, ohne die Umgebung zu beschädigen. So können sich gebrechliche, kranke oder alkoholisierte Menschen aufgrund ihrer eingeschränkten Beweglichkeit oder ihrem Bewusstseinszustand nicht gegen das Feuer wehren. Und Alkohol könnte dann den Brand zusätzlich beschleunigen.

Allerdings ist eine Selbstentzündung (!) und die schnelle, vollständige Verbrennung des menschlichen Körpers unter physikalischen Gesichtspunkten nahezu unmöglich. Der Grund liegt darin, dass der menschliche Körper zu ca. 70 % aus Wasser besteht und außer Fett und Methan keine brennbaren Bestandteile enthält. Von Einäscherungen weiß man, dass der Körper ca. zwei Stunden lang auf eine Temperatur von mindestens 870 °C erhitzt werden muss. Die untersuchten Fälle von spontaner Selbstentzündung belegen, dass sich die Opfer meistens entweder in der Nähe einer Feuerquelle befanden oder eine solche in der Hand hielten.

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