Seattle und Musik: Sub Pop, KEXP und Grunge

Vielleicht liegt es ja an dem nordischen Charme, der Verbundenheit mit den Kanadiern oder der immergrünen Natur, die der Stadt in den 80ern auch den Spitznamen der „Smaragdstadt“ eingebracht hat.

Seattle Musik – Kaffee und Seele im Blut

Am 27.11.1942 wurde hier Jimi Hendrix und damit Rockgeschichte geboren, die wurde von den jungen Wilden – zusammen mit mehr Kaffee als gesund ist – aufgesogen und in den frühen 80ern durch Gitarren-lastige, komplexe Musik verarbeitet, die dem Punk nahe stand, aber mehr wollte, als nur die Gegenbewegung zu sein.

Seattle wurde zur Hauptstadt des Grunge, Bands wie Nirvana, Pearl Jam, Mudhoney, Soundgarden und Alice in Chains entsprangen der „City of Goodwill“, der Stadt des guten Willens, wie es die Flagge der Stadt verkündet. In Filmen wie „Singles“ oder „Reality Bites“ wird hier auch das Aufkommen der Generation X markiert, plötzlich gehört die Musik nicht nur den Teenagern, sondern beeinflusst weit ins hohe Alter das Leben.

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I HEART Sub Pop

In den 80ern entstand auch Sub Pop, das Musiklabel, dass nicht nur die Seattle Musik, sondern die Indiemusik weltweit beeinflussen sollte. Ursprünglich als Fanzine mit dem Namen Subterrannean Pop gestartet, wurden die Inhalte, die sich auf kleine, amerikanische Musiklabel konzentrierten, immer häufiger von Mixtapes begleitet, die frische, junge Bands vorstellten. Als der Macher Bruce Pavitt 1983 nach Seattle zog, hatte sich das Fanzine auf eine Kolumne erweitert und ’86 entschied die Gruppe Green River, ihre EP in die Hände von Pavitt zu geben, der immerhin ein Jahr brauchte, bis er die Finanzen für den Release zusammen hatte.

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Nachdem Pavitt sich mit Jonathan Ponemann zusammen schloss, der für das Release einer Soundgarden Single mehr als 20000 Dollar investierte, begannen sie eine lokale Musikszene zusammen zu sammeln, die im Hype um die Grungemusik das Label als auch die Stadt in die Herzen der Musikfreunde katapultierte. Mit den intellektuellen Musikern, die mittlerweile auch gerne mal als zu nachdenklich und gefühlvoll parodiert werden, begann die alternative Musik sich auch zu einer toleranten, weniger Testosteron-gesteuerten Richtung hin zu bewegen, die Einflüsse aus Pop und sanfteren Klängen ermöglichte und damit eine wichtige Grundlage für heutige Musikstile im Indiebreich legte.

Leider verließ Pavitt Ende der 90er sein Baby, da Ponemann Sub Pop vergrößern wollte, Pavitt dieser Schritt jedoch zu gefährlich nah an den Mainstream heran ging.

Heutzutage ist das Label groß, weltweit bekannt und lange kein Indielabel mehr, aber rein musikalisch kann man sich nicht mehr wünschen, als ein Label, das über all die Jahre hinweg krude, verschrobene Künstler und Bands vertreten hat.

Wolf Parade, Fleet Foxes, Flight of the Conchords, No Age, Beach House, CSS, The Shins, The Ruby Suns, Iron and Wine, J Mascis und – frisch dabei – The Head and the Heart sind nur einige der aktuellen Juwelen, die sich derzeit auf dem Label tummeln. Dabei ist es nicht mehr, bzw. kaum noch Alternative Musik, die durch die Boxen dröhnt, sondern folkiges, schrammeliges, shoegazeriges, lo-fi-iges, indie-esques Gold, das sich in unsere Herzen spielt.

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KEXP – Radio für Indie Fans

15 Jahre nachdem mit unserem Lieblingslabel Musikgeschichte geschrieben wurde, wurde aus dem ehemaligen Studentenradio KCMU der heutzutage mehr als einflussreiche Radiosender KEXP, ein vorwiegend aus freiwilligen Musiknerds bestehender, alternativer Sender, der von Electro bis zu Indiepop alle Genres vereint, dabei jedoch das Augenmerk auf die lokale Musikszene und auch internationale, aber nicht allzu bekannte Künstler legt. Obwohl es als rein freiwilliges, unkommerzielles Radio anfing, hat KEXP heutzutage auch bezahlte DJs, die damals schwer kritisiert wurden. Aber traurig den Kopf schüttelnd, muss man auch die Kompromisse hinnehmen, denn was die Musik angeht, ist KEXP immer noch Richtungs-gebend und verhilft vor allem den Bands zu einer breiten Zuhörerschaft, zu der auch wir gehören können, da KEXP über einen Online Stream verfügt und darüber hinaus auf der Website regelmäßig Downloads von Live Sessions und Shows anbietet.
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Seattle erblüht

Hardcore, Indie, Folk, Postcore, Grungemusik – die Musikszene war schon immer vielfältig, weshalb nicht nur Grunge hier seine Inspiration und Wiege fand, mit Sunny Day Real Estate fand sich eine wichtige Band für das Emocore/Postcore Genre, die Fleet Foxes haben unlängst barocke Harmonien in die Indieszene zurück gebracht, Modest Mouse segeln seit Mitte der 90er als Ausnahmeband durch ihre ganz eigenen Gewässer, Heart und The Runaways waren damals in den 70ern der Beginn einer feministischen Punk-Bewegung, indem beispielsweise Letztere der jungen Joan Jett zu Ruhm verhalfen und The Blood Brothers hinterließen eine aufgesplitterte Musikerschaft, die allen Genres eine dreckige Hardcore-Attitüde verpasste. Vielleicht liegt es am Leitungswasser, das – in Form von Kaffee von Starbucks und Co – durch die Venen der Seattle Bewohner fließt, vielleicht liegt es an der gegenseitigen Inspiration, die fruchtbare Kollaboration, vielleicht ist es auch einfach nur ein Fleck der Erde, der vor Jahrtausenden von den drei Musen geküsst wurde. Egal was, Seattle Musik ist und bleibt ein Traum für jeden Musiknerd, selbst wenn hier und da einige Ideale abfallen, Seattle nimmt sie wieder auf, staubt sie ab und pflegt sie gesund.

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