Schluss mit der Ausbeutung!

Anscheinend hat die von Désirée Grebel im April dieses Jahres beim Deutschen Bundestag eingereichte Online-Petition ja doch nicht ihre Wirkung verfehlt, wie man hätte mutmaßen können. Dass dem Arbeitsmarkt laufend exzellent qualifizierte Jungakademiker als relativ preisgünstige Praktikanten, Volontäre oder Minijobber zugeführt werden, schien so manchem flexibilitätsversessenen und kostenbewussten Wirtschaftsfachmann / Unternehmer / Politiker durchaus in den Kram zu passen. Im Juni überstieg die Anzahl der Mitzeichner der Petition schließlich die kritische Marke von 40.000. Der Bundestag war damit angehalten, sich der Sache zu widmen.

Auch die teils sehr kritische Berichterstattung in den Medien über die prekäre Lage vieler Dauerpraktikanten konnte von der Politik nicht länger ignoriert werden. Zuletzt stieg dann auch der „Spiegel“ in großer Aufmachung in die Debatte ein: „Generation Praktikum: Jung, gut ausgebildet, fleißig – und ein fester Job in weiter Ferne“, so lautete der Titel der Ausgabe vom 31. Juli 2006.

Jetzt haben die akademischen Billigheimer endlich einen mächtigen Fürsprecher: den Bundesarbeitsminister Franz Müntefering. Seiner Meinung nach müsse notfalls gesetzlich gegen die Ausbeutung der Praktikanten vorgegangen werden. Ihn beunruhige, „dass eine Art Praktikamethode um sich greift, die nicht toleriert werden kann“, ließ er verkünden.

Aber das sind vorerst nur Ankündigungen, Drohungen: Wir werden aktiv, wenn sich bei der Einstellungspraxis der Unternehmen nichts tut. Dann erwägen wir Änderungen im Berufsbildungsgesetz!

Bleibt abzuwarten, ob sich wirklich etwas ändert. Der Druck auf die Politik ist mittlerweile ziemlich groß. Und er wächst stetig. Der DGB, Organisationen wie „fairwork“ und die SPD selbst drängen auf politische Intervention, also auf gesetzliche Regelungen. Der SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner sprangt den Praktikanten ebenfalls bei. Seine unmissverständliche Forderung: „Praktika müssen zeitlich gegrenzt werden, sodass Arbeitgeber keinen Anreiz mehr haben, reguläre Arbeitsplätze durch Praktikantenstellen zu ersetzen.“

Eins muss klar sein: Es kann irgendwie nicht angehen, dass viele Hochschulabsolventen ihren Berufseinstieg nur über ein schlecht bezahltes Praktikum finden, das sie im Grunde gar nicht antreten könnten, wenn sie nicht weiterhin von ihren Eltern finanziert würden oder Gelder aus dem Hartz-IV-Programm bezögen!

Minister Müntefering, schreiten Sie zur Tat!

Der besagte Artikel aus der „Süddeutschen“ ist hier nachzulesen.

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