Ready Now – Drohgebärde oder Kriegsvorbereitung? Die US-Navy hat ihre Positionen gegen den Iran bezogen.

Bereits zum 1. Oktober hatten die US-Streitkräfte „Prepare To Deploy Orders" (Befehle zur Herstellung der Einsatzbereitschaft) erhalten. Ein solcher Befehl zur Einsatzbereitschaft wird nicht übungshalber ausgegeben, er kann aber über lange Zeit aufrechterhalten werden. Seit Montag (30.10.2006) führt die US-Marine ein größeres Manöver am Persischen Golf durch [Heise-Telepolis: US-Großmanöver am Persischen Golf]. Diese Operationen sind ein klares Signal an den Iran. Das amerikanische Militär ist nun tatsächlich gefechtsbereit, denn der Aufmarsch von zwei Trägerkampfgruppen und zwei amphibischen Operationsgruppen ist abgeschlossen. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die größeren beteiligten Verbände aufzulisten. Die genannten Schiffe sind gleich mit ihren offiziellen Homepages verlinkt, jede Menge perverse Militärästhetik, trotzdem sehr eindrücklich:

– Die Trägerkampfgruppe Enterprise (CSG 12)

(USS-Enterprise Flugzeugträger mit 85 Kampflugzeugen, der Zerstörer USS-McFaul, die Fregatte USS-Nicholas und der Lenkwaffenkreuzer USS-Leyte Gulf, das Jagd-U-Boot USS-Alexandria und diverse Begleitschiffe)

– Die Trägerkampfgruppe Eisenhower (CSG 8)

(USS-Dwight D. Eisenhower Flugzeugträger der Nimitz-Klasse mit 90 Flugzeugen und Hubschraubern, dazu Lenkwaffen und Marschflugköper, begleitet von den beiden Zerstörern USS-Ramage, USS-Mason und dem Lenkwaffenkreuzer USS-Anzio)

Ergänzt werden die beiden Trägergruppen durch zwei amphibische Angriffsgruppen. Aufgabe dieser Großverbände ist es, punktuell eine Streitmacht mit Fahrzeugen und schwerer Ausrüstung anzulanden und dabei Luftunterstützung gewähren zu können.

Amphibious Ready Group LHD-4

USS-Boxer Landungsdockschiff/Hubschrauberträger der Wasp-Klasse mit Begleitschiffen und einer ca. 2.200 Mann starken Marine Expeditionary Unit.

Amphibious Ready Group LHD-7

USS Iwo Jima Landungsdockschiff/Hubschrauberträger der Wasp-Klasse mit Begleitschiffen und einer ca. 2.200 Mann starken Marine Expeditionary Unit.

Die maritimen Hauptkomponenten eines Angriffs auf den Iran befinden sich nun im Operationsgebiet. Die logistischen Vorraussetzungen für einen großen Luftschlag gegen Teherans Atomprogramm sind damit erfüllt. Jetzt entscheidet einzig der politische Wille über Krieg und Frieden in der Region. Am 7. November wird in den USA ein neuer Kongress gewählt. [Süddeutsche Zeitung: Republikanern droht Fiasko, Bush die Blockade]. Nach den Kongresswahlen ist die Handlungsfähigkeit der Bush-Administration womöglich zu eingeschränkt, um noch einen Waffengang herbeizuführen. Die kommende Woche könnte also üble Überraschungen bringen.

Die Chefarztfrau

4 Meinungen

  1. Interessanter Artikel und informative Auflistung! Vielleicht sollen die Truppen aber auch in den Irak verlegt werden um dort mehr Präsenz zu zeigen und zu versuchen die Sicherheit zu erhöhen? Militäschläge vor dem 7. November würde ich mal ausschließen. Zudem kann der Präsident eine begrenzte Aktion für 60 Tage ohne Zustimmung des Kongresses anberaumen [War Powers Act]. Mal sehen was aus den ganze Schiffen wird…

  2. Hi Martin,Du hast natürlich recht, für eine begrenzte Aktion ist keine Zustimmung des Kongress notwendig, trotzdem wird es ohne Mehrheit schwierig eine Kampagne länger durchzuhalten. Immerhin halten die US-Strategen die Ausschaltung von 1500 Zielen für notwendig, um das iranische Atomprogramm spürbar zu beeinträchtigen. Die Schiffsbewegungen sind erklärtermaßen Teil eines Drohszenarios gegen den Iran. Was mich etwas „stutzig“ gemacht hat, ist die Tatsache, dass die CSG8 Eisenhower einen Monat früher als geplant ihren Heimathafen verlassen hat. Die Wartungszyklen der Träger sind sehr zeiteng, solche Eile ist mindestens ungewöhnlich. Die amphibischen Operationsgruppen sind für den irakischen Kriegsschauplatz irrelevant, sie machen nur Sinn, wenn sie zur Sicherung der Straße von Hormus eingesetzt würden. Hier noch ein Link der die aktuellen Aufenthaltsorte aller Träger dokummentiert: Aircraft Carrier Locations

  3. Aber jetzt noch mit dem Iran Streit anfangen? Mit dem Irak und Nordkorea hat man eigentlich schon mehr als genug um die Ohren. Vielleicht ist es wirklich nur Abschreckung – ich bezweifle allerdings dass sich die Iraner, insbesondere Ahmadineschad, davon beeindrucken lassen. Aber es kann ja nie Schaden, ein paar schlagkräftige Truppen vor dem Ort zu haben, der als strategisch wichtig gilt.Übrigens, Kongress hin oder her, wenn die GOP die Wahlen nächsten Dienstag verliert, dann kann Bush es wohl sowieso erstmal vergessen irgendetwas derartiges zu unternehmen – außer es gibt Beweise das UBL sich in Teheran aufhält. Wer weiß…

  4. Tja was die Logik in der US-Außenpolitik angeht bin ich mittlerweile eher pessimistisch…bisher sind noch alle „Worst Case“-Szenarien verläßlich realisiert worden.

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