Quatsch, sieht aber gut aus …

Leider meint der Begriff es zu wörtlich: „Werbung/Wirtschaft, die uns auf die Nerven geht.“ Es ist Wissenschaft, obwohl es durchaus was von Geschmäcklerischem hat.

Chefarztfrau berichtete im Gesundheitsblog darüber unter der Überschrift

Dem Kunden wird jetzt in den Kopf geschaut.

Das ist natürlich einerseits richtig, andererseits sind die Schlussfolgerungen daraus Kokolores. Egal, wieviele Mediziner und Marketingmenschen zusammensetzen, die Werbung und die Verführung wird nicht besser oder erfolgreicher, wenn ich neuronal beweise, dass 72% aller Menschen „blond“ eher mit Sympathie und Qualität assoziieren als dunkelhaarig.

Die Lust daran, Dinge haben zu wollen, sind von so vielen Faktoren abhängig, dass alle Zahlen, mit Verlaub, für den Arsch sind, da es bei jeder Art der Verführung nicht nur auf das richige Aussehen, den richtigen Ton ankommt, sondern vor allem auch auf das richtige Timing. Ich muss als Werbetreibender in dem Moment da sein, wo der/die Umworbene überhaupt Lust darauf hat, verführt zu werden. Die Gefahr ist vielmehr, dass nun dumme zahlengläubige Marketingwirte die Rechnung ohne das Individuum machen, weil sie glauben, anhand ihrer Statistik Aussagen über Sekundenbruchteile zu fällen.

Ich habe auch mal in einer Studie gelesen, wonach Frauen umso mehr nackte Haut zeigen, je näher sie am Eisprung sind. Toll, was bringt mir dieses Wissen? „Hey, ich sehe, du trägst bach- und schulterfrei. Effen?“

Dummes Zeug. Wie damals und dass Deutschland Weltmeister wird … (wie auf marketing-blog ausgeführt)

3 Meinungen

  1. Aus werbestrategischen Gesichtspunkten ist die Neuroökonomie sicher keine bahnbrechende Angelegenheit.Mir ist allerdings die Automatisierung von Entscheidung als „Kasus Knaktus“ wichtig: Wenn es also tatsächlich so ist, dass antrainierte Reize unter Ausschaltung der Kritikfähigkeit automatisierte Entscheidungen auslösen, die eigentlich den Einsatz unserer Kritikfähigkeit erfordern, dann stellt sich prinzipiell die Frage nach unserer Entscheidungsfreiheit.Das führt dann zu der aktuellen Diskussion über die „Entscheidungsfreiheit“ in der Neuropsychologie….Grüße Alexander

  2. Heiko Walkenhorst

    Hallo, Alexander,das ist natürlich eine sehr interessante philosophische Frage. Inwieweit verdient der homo sapiens sapiens überhaupt diesen Namen? Interessant finde ich, dass es wohl wirklich so ein Zentrum gibt, der „legitimiert“, dass Frauen bei Schuhen und Männer bei was anderem sich nicht mehr kontrollieren können.Das allerdings muss irgendwo im Urhirn verankert sein, so dass moderne Einflüsse wie Marketing darauf keinen Einfluss haben dürften.

  3. @Heiko,das Thema ist gar nicht so philosophisch wie es scheint. Letztendlich geht es ja um die Vermutung, dass unablässig wiederholte Denkmuster schließlich physische Spuren im ZNS hinterlassen könnten. Dass also Gedanken irgendwann fast zwangsläufig ausgewaschenen „Flussbetten“ folgen. Solche Spuren werden häufig als Engramme bezeichnet. Wirklich physisch nachgewiesen konnten solche Spuren aber meines Wissens noch nicht, trotzdem eine interessante Vorstellung. Aber auch ohne so avantgardistische Ansätze genügt ja schon die Konditionierung durch Wiederholung zu assoziativen Kurzschlüssen: Papiertaschentuch => Txxpo etc., dazu die Verknüpfung mit Belohnung bzw. Sex und schon gewinnt die Manipulation jenseits aller Sachargumente an Kraft. Womöglich ist bei einer effektiven Werbung die unterhaltsame/informative Form nur zur Gewährleistung der Aufmerksamkeit notwendig, der Erfolg wird aber erst durch den Neuropsychologischen Subtext generiert.GrüßeAlex

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