Prekäre Platte

Nachdem die Thematik grob umrissen wird, wobei man wunderbare Soziologenwörter bestaunen kann wie etwa „Respektabilität“ (um die im Plattenbau offenbar stets gekämpft wird), „Milieukonflikte“, „Deklassierungsspirale“ oder „die Prekären“ (selten allein, meist in  der Kombination „die Prekären und Verarmten“), fällt ein Satz, der aufhorchen lässt. Das heißt, eigentlich sind es zwei Sätze. Sie gehen so:

„Arbeitslosengeld zu empfangen wird in diesem Milieu zu einer wichtigen Statusposition gegenüber den Sozialhilfeempfängern. Die Sozialhilfeempfänger wiederum blicken verächtlich auf die Trinker und diese auf die Ausländer herab.“ Nach einem Gedankenstrich folgt nonchalant das Résumée: „die Hierarchie der Armut ist hart umkämpft.“

Halten wir fest: Die Arbeitslosen sind in dem von Carsten Keller inspizierten Milieu also gewissermaßen die Heuschrecken, die Sozialhilfeempfänger die Vorstandsvorsitzenden. Die Trinker sind, relativ gesehen, normale Angestellte, und die Ausländer bilden die Putzmannschaft. Wie immer.

Daraus folgt: Die Deklassierungsspiralen drehen sich auf allen Ebenen. Ein jedes Tierchen braucht sein Untertierchen zum munteren Draufrumtrampeln. Dieses heitere Gesellschaftsspiel erfreut sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt, denn es wird in jedem „Milieu“ gespielt, zu jeder Tages- und Nachtzeit – auch dann, wenn gerade kein Soziologe zuguckt. Die Regeln werden überall verstanden. Am allerbesten von den Ausländern.

-> www.berlinerdebatte.de

 

 

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