Podcasting is being overrated

Die neue Unterhaltungselektronik lehrt Radiomanagern das Fürchten, steht da beispielsweise beschrieben. Als Beleg wird genannt, dass die Tagesreichweite der Radiosender bei jungen Hörern um 0,6 Prozent auf 73,7 Prozent gesunken ist. Grund? Podcasting!

Erstaunlich schon, dass sich Radiomanager angeblich direkt fürchten, wenn 0,6 Prozent einer bestimmten Hörergruppe wegbrechen. Da habe ich schon meine Zweifel, ob die Erhebungsmethodik überhaupt hinreichend genau ist, um eine derartige Schwankung als Toleranz auszuschließen. Noch erstaunlicher allerdings, direkt zu wissen, dass das am Podcasting liegt! Da ist irgendjemand offenbar sehr schlau. Könnte das nicht auch daran liegen, dass sich die Mediennutzung insgesamt anders verteilt? Nein! Podcasting!

Der Schreck ist den Offiziellen derartig tief ins Gebälk geschossen, dass sie sofort zur Podcasting-Offensive geblasen haben. DeutschlandRadio: 40 Podcasts, WDR: 30 Podcasts, ARD: noch mehr Podcasts. Genauso Deutsche Welle und andere. Moment mal, denke ich mir da doch. Warum sollte jemand etwas, was er viel bequemer im Radio hören könnte, umständlich auf seinen MP3-Player runterladen und es dort konsumieren? So interessant ist das Kulturradio vom WDR3 nu auch wieder nicht! Ich habe mich mal durch die diversen Casts (cooler Ausdruck, oder?) geklickt und nichts gefunden, was ich beim Joggen auf meinem iPod anstelle von Blank & Jones hören wollen würde.

Tja, und für das Podcasten von Musiksendungen fehlt es an Lizenzrechten. Reines Gelaber ist es also, was man sich heutzutage umständlich auf den Player laden kann. Übrigens. Sind MP3-Player denn nicht hauptsächlich unter Kindern und Jugendlichen verbreitet? Ham die Bock auf Kochrezepte und Rechtstipps aus dem Podcast "Rat und Tat" beim WDR4?

Aber was ganz anderes finde ich viel bedeutender. Podcasting ist wohl unzweifelhaft ein Trendthema. Nicht in dem immer wieder proklamierten Maße, es ist also kein Hype, aber es reiht sich in die moderne Medienwelt ein und wird auf Dauer dort seinen Platz finden. Warum ist das so? Weil sich Hörer ihr WDR4 aufs Gerät laden wollen? Ich glaube nicht! Meines Erachtens ist der Reiz des Podcasting gerade der, Sender zu hören, die ansonsten nicht senden. Alternative Angebote, die in den Massenmainstreammedien keine Chance haben. So eine Art Bürgerradio eben.

Und da können WDR, ARD und wie sie alle heißen nicht mitbieten. Deswegen stimmt jedenfalls für diese Anstalten: Podcasting is being overrated!

(Fotoquelle: www.pixelquelle.de / Fotograf: hldg)

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