Osteopathie gilt als sanfte Heilung für den Körper – stimmt’s?

Osteopathie

Osteopathie verspricht bei vielen Beschwerden Linderung durch Ausüben von Druck der bloßen Hände des Therapeuten, ähnlich wie bei der Chiropraktik. Lange Zeit mussten Patienten selbst für die Kosten aufkommen – heute übernehmen jedoch immer mehr Krankenkassen einen Teil der Kosten.

Krankenkassen übernehmen Kosten

Anfang 2012 übernahm die Techniker Krankenkasse als erste gesetzliche Krankenversicherung im Rahmen der freiwilligen Zusatzleistungen einen Teil der Kosten für eine osteopathische Behandlung. Während der vergangenen zwei Jahre folgten immer mehr Kassen ihrem Beispiel. Hintergrund: Nicht nur Patienten suchen nach schonenden Heilungsmöglichkeiten fernab von Skalpell und Tabletten – auch für die Krankenkassen lohnt sich die vergleichsweise günstige Behandlung. Denn sechs Sitzungen beim Osteopathen kosten im Schnitt 500 Euro. Eine Operation wäre wesentlich teurer.

Nach Angaben des Verbandes der Osteopathen Deutschlands (VOD) suchten die ersten Jahre nach der Kostenübernahme über fünf Millionen Bundesbürger Hilfe in der Osteopathie. Vor allem bei Gelenkproblemen und Rückenschmerzen, aber auch bei Migräne sowie zur Behandlung von Hyperaktivität oder Koliken soll die alternative Behandlungsmethode gute Erfolge erzielen. Der Boom lässt nach aktuellen Studien jedoch nach und immer seltener besuchen Patienten einen Osteopathen. Der Grund liegt hier darin, dass viele Krankenkassen ihre Zuzahlungen gesenkt haben. Die Branche verzweifelt nach einem über drei Jahre anhaltenden Boom.

Anwendungsbereiche der Osteopathie

  • Rücken-, Nacken- und Gelenkschmerzen, Hexenschuss, Verspannungen
  • Rücken-, Nacken- und Gelenkschmerzen, Hexenschuss, Verspannungen
  • Verstauchungen und Verletzungsfolgen, Schleudertrauma
  • Kopfschmerzen, Migräne, Tinnitus
  • Kreislauf- und Schlafstörungen, Nervosität, Hyperaktivität
  • Sexuelle und hormonelle Störungen, Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden
  • Verdauungsbeschwerden, Blasenschwäche
  • Bei Kindern bei Koliken oder zur Behandlung von Entwicklungs- und Verhaltensstörungen („Schreikinder“)

Bei akuten Entzündungen oder Unfallschäden, bei starker Osteoporose oder Tumorleiden sowie bei psychiatrischen Erkrankungen kann Osteopathie allerdings nicht helfen. Denn die Heilkunde sollte nur angewendet werden, wenn die betroffenen Strukturen des Körpers noch so weit intakt sind, dass eine Wiederherstellung möglich ist.

Ganzheitliche Betrachtung des Körpers

Der Behandlungsansatz der Osteopathie geht davon aus, dass alle lebenswichtigen Funktionen des Körpers in ständiger Wechselwirkung zueinander stehen. Ist die Bewegungsmöglichkeit einzelner Körperstrukturen eingeschränkt, wird auch die gesunde Funktion beeinträchtigt. Das kann der Organismus noch eine Zeitlang regulieren, doch irgendwann wird der Mensch krank.

Der Osteopath versucht, diese Spannungsmuster und Bewegungseinschränkungen aufzuspüren, um sie nur durch Druck seiner Hände und mittels spezieller Techniken zu behandeln. So sollen zum Beispiel Fehlspannungen der Muskeln und des Bindegewebes gelöst, der Gewebestoffwechsel verbessert oder die körpereigenen Rhythmen harmonisiert werden. Betrachtung finden nach ausführlichem Anamnesegespräch vor allem folgende Systeme des menschlichen Körpers:

  • Das parietale System, auch Stützsystem, befasst sich mit den Knochen, Gelenken, Muskeln, Bändern und Sehnen des Körpers.
  • Das craniosacrale System betrachtet Schädel, Gehirn und Nervensystem sowie Rückenmark, Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit und das Kreuzbein.
  • Das viszerale System stellt die inneren Organe, das Blut-, Lymph- und Nervensystem in den Fokus.

Kaum Nebenwirkungen bekannt

Wissenschaftlich belegt sind die Heilungschancen durch Osteopathie allerdings nicht. Das liegt auch daran, dass die Osteopathie als Erfahrungsheilkunde kaum mit wissenschaftlichen Studien beurteilt werden kann. Eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin ist sie jedoch allemal, vor allem, weil kaum Nebenwirkungen befürchtet werden müssen. Neben Müdigkeit und Benommenheit nach der Behandlung kann es zu einer kurzfristigen Verschlimmerung der Schmerzen kommen, die in der Regel schnell wieder nachlässt. Wichtig ist allerdings eine gründliche Abklärung im Vorfeld der Behandlung – auch mittels Röntgenbildern oder MRT-Aufnahmen, sofern diese bereits erstellt wurden. So kann Osteopathie helfen, Schmerzen und Funktionsstörungen auf sanfte Weise zu heilen und damit gar eine Operation überflüssig machen.

Auch wenn Kritiker der Osteopathie vorwerfen, es fehlten wissenschaftliche Nachweise für ihren Nutzen, schwören hunderttausende Versicherte auf diese Art der Therapie und ließen sich seither so behandeln.

Foto: Thinkstockphotos, iStock, 454439519, AdamGregor

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