Die spektakulärsten Einsätze der kirchlichen Notfallseelsorger waren die ICE-Katastrophe in Eschede und die Oderflut. Jetzt hat man sich auf mögliche WM-Katastrophen vorbereitet. Sollte der Ernstfall eintreten, können innerhalb kurzer Zeit jedem WM-Stadion neben den Rettungskräften auch 350 ausgebildete Helfer für die psycho-soziale Betreuung bereitgestellt werden. Mit zahlreichen Übungseinsätzen sei dies belegt worden, sagte Pastor Ralf Radix (Bielefeld), Vorsitzender der Konferenz der Evangelischen Notfall-Seelsorger, am Mittwoch vor Journalisten in Harrislee bei Flensburg. Neben der seelsorgerlichen Betreuung von Augenzeugen und Leichtverletzten im Stadion müssen die Helfer auch an anderen Orten präsent sein. So stehen Pastoren auch in der Totenablage eines Unglücksortes für kirchliche Rituale bereit.
Wie wichtig der Dienst der Notfallseelsorger ist für Helfer und Feuerwehrleute nach belastenden Einsätzen ist, unterstrich Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) auf dem 9. Bundeskongress für Notfall-Seelsorge in Harrislee bei Flensburg, der heute zu Ende geht: Einsatzkräfte seien Menschen und keine „Rettungsroboter“.
Notfallseelsorge soll in akuten Krisensituationen und nach belastenden Einsätzen helfen, das erlebte zu verarbeiten. Auch die Seele kann im Katastrophenfall schweren Schaden nehmen. Gespräche und Rituale mit Betroffenen und Einsatzkräften können helfen, seelische Verletzungen zu heilen und den Schaden zu begrenzen. Längst wissen Feuerwehleute und andere Notfallhelfer, dass das verdrängte belastenden Erlebnissen in der Seele ein Eigenleben führen, wenn sie nicht bearbeitet werden. Notfallseelsorger verfügen über eine entsprechende Ausbildung.
Kirchliche Seelsorger haben bei der Notfallbetreuung einige entscheidende Vorteile: Die Kirchen sind die einzigen Organisationen, die flächendeckend über Mitarbeiter verfügen, die in Seelsorge und in der Gesprächsführung in Notfallsituationen ausgebildet sind. Kirchliche Mitarbeiter genießen darüber hinaus das besondere Vertrauen der Bevölkerung. Seelsorger haben auch ein umfangreiches Zeugnisverweigerungsrecht, das sie als Gesprächspartner in schwierigen Situationen besonders prädestiniert. Im Einsatz haben sie keine anderen Aufgaben. Sie können sich ganz den jeweiligen Gesprächspartnern widmen. Kirchliche Seelsorger verfügen über Rituale, die besonders in Krisensituationen hilfreich sind, weil sie handlungsfähig machen. Und Notfallseelsorger können Verbindungen zur Klinikseelsorge, zu den Heimatpfarreien oder zu psychologischen Fachleuten herstellen.
