nee, schmeckt nich mehr

Ganz zwanglos philosophierte der „Küchenchefs" vom Weißen Haus für die Serie „Zu zweit" über Wohlstandsklientel, die sich den Aldi-Schampus schön labern, und über Erna, seine mallorquinische Straßenkötermischung und erzählte von seiner neuen Wohnung am Grindel. Vor dem Aldi neben dem Grindel Kino steht meist ein kräftiger blonder Mann. In der Linken ein Bier, rechts seine Zeitschrift. Mit dem könnte Tim ja eigentlich auch mal zwanglos plaudern.

Der Hinz und Kuntz-Verkäufer weiß vermutlich nicht, in welchem Regal des Marktes der Champagner steht. Und Tim weiß vermutlich nichts von dem Aldi. Discounter, so gestand er der Welt am ersten Advent, findet Tim nämlich zum Kotzen.

Manchmal wird mir übel wenn ich an Tim Mälzer denke. An sein unterdrücktes Underdog-Grinsen, den Dreitage-Ziegenbart, die Bomber-Frisur und die Zahnlücke. Denn egal welches Magazin oder welche Zeitung ich aufschlage, zu welchem Kanal ich zappe, Tim ist schon drin. Ob nun mit seiner coolen TV-Show, seinem Restaurant, seinen Büchern oder einem Loblied auf die einfachen Dinge. Tim ist einfach suuuper. Und gar nicht kommerziell, wie er mit rauer Arbeiterstimme klarmacht. Eine richtige Seele von Mensch. Schmek nich ? Gibs nich. Nicht bei Tim. Denn mal ehrlich, Kochen ist kinderleicht, lieber blöder Leser. Du musst nur gute, natürliche Produkte kaufen und sie cool in die Pfanne hauen, dann ist Deine Family von ganz alleine happy.

Tim is natürlich liiert. Und natürlich suuuper glücklich, Mann. Und die Familie ist so perfekt, dass sogar die Mami mitmischt. Im Weißen Haus und in der neuen Oberhafenkantine im Hamburger Hafen. Auch im Rohbau war sie schon mal drin – in jedem Stadtmagazin, dessen Redakteure nicht die Chuzpe hatten zu sagen: Steht noch nich? – Gibs nich! Schließlich hätte man bei Druckschluss ja den mal wieder verschobenen Startschuss zum Monatsende verpassen können. Dann mal lieber schnell Tim auf der Baustelle ablichten. Is eh cooler. Mami macht da übrigens die „Seele" von dem Laden. Und damit das auch jeder mitkriegt hat sie in der heißen Bauphase für ein paar Bauarbeiter rein zufällig mal n' paar Bouletten vorbeigebracht. Nett nich? Bea von der BILD und Arne samt Lara-Sophie von der MOPO waren zufällig auch gerade da. Muss einem ja gesacht werden als einfacher Hamburger, dass dem Tim seine Mami so ne Gute is, die einfach mal so Brötchen bringt, damit der Kleine ordentlich in die Zeitung kommt. Man gibt sich eben volksnah, nicht elitär.

Damit das auch wirklich jeder mitkriegt, kann Otto-Normalverbraucher jeden Tag bei DAT BACKHUS Tims Brötchen kaufen. Ganz locker und nach Lust und Laune. Einfach geil. Abgesehen davon, das so ein Mälzer Brötchen ganz spontan und auf die Hand ziemlich trocken daherkommt. Sorry, aber ein Weltmeister bei meinem Penny Markt ums Eck schmeckt saftiger, knuspert und lässt die Zunge nicht am Gaumen kleben.

Die Nation sieht das vermutlich anders. Vielleicht liegt es daran, dass sie Tim x mal die Woche im eigenen oder im Kochstudio von Johannes B. Kerner sieht. Apropos: Warum hat der Kerl eigentlich keinen zweiten Vornamen? Tim J. – wie Jamie Mälzer! Das geht doch runter wie Öl. Natürlich ist er mit Jamie Oliver – wie sollte es anders sein- dick befreundet. Und ein Freund ist ein Freund ist ein Freund. Kein Abklatsch. Auch wenn Timmie irgendwie das Gleiche macht wie Jamie: Nur ein paar Sozialfälle für ein Lokal a la „Fifteen" fehlen ihm noch fürs Marketing. Aber dafür hat er ja Mami. Diese sehr sympathische Frau hat den Mut, zu sagen, was viele denken. „Das wird mir alles zu viel", gestand sie, als der organisierte Medienrummel in der Oberhafenkantine am Softopening-Tag über sie hereinbrach. Und  die Tränen der Rührung und Erschöpfung liefen um die Wette mit den Regentropfen an den kleinen Fenstern im Obergeschoß des Gebäudes zum Fleet.

Etwa vierzig Tränen gehen täglich in Tims Restaurant in Övelgönne. Seit über zwei Jahren würden wir das auch gerne tun. Leider bin ich weder willens noch in der Lage sechs Wochen im Voraus zu reservieren. Aber vielleicht geht ja trotzdem was im Netz.

„An den abenden, sowie an den samstagmittagen sind alle tische bis ende januar leider vergeben. AUSNAHME: im januar haben wir noch freie tische unter der woche von montag bis Mittwoch" steht am 14. Dezember 2006 auf der Webseite. Bitte wie? Irgendjemand zu Hause?

Nein. Denn bis zum 6.Dezember 2006 war Tom Roßner, einst im Darling Harbour unter Regie von Christian Rach am Start, Küchenchef im Weißen Haus. „Das Tim nicht kocht, war ja wohl klar, oder?", erzählt er jedem, der's hören will. Also mir irgendwie nich. Und irgendetwas sagt mit, dass die anderen Deppen, die dort Abend für Abend brav zu ihren seit Monaten reservierten Speiseterminen antraben, auch keinen blassen Schimmer haben, wer da eigentlich auftischt. Viele meiner Freunde gehen deshalb auch gar nicht erst hin. Aber wer bis Weihnachten reserviert bekommt sicher noch einen Tisch zum nächsten Advent.

2 Meinungen

  1. Es gibt ein Buch eines Amis, das heißt „The golden cow“, glaube ich. In diesem Buch wird auf wenigen Seiten eine goldene Regel des Geldverdienens beschrieben: Melke die Kuh, so lange sie Milch gibt. Tim Mälzer wird es gelesen haben … und noch etwas: die Kuh hat immer häufiger keine Lust … und noch etwas: würden wir es anders machen?

  2. büschn spät, aber: dankedankedanke! ich kann das nich mehr hören, dieses „der is klasse, der passt inne welt!“ das blöde ist: die haben recht! in die blöde doofe küchenpupsiwelt, wo jetzt auch noch die kerle mit ihren profiwerkzegen rumhantieren. hilft nur eins: einfach mal ne schöne bratwurst verhaften! 🙂

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